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21.07.2016

23:30 Uhr

Abstimmung

Guterres vorläufiger Favorit für Ban-Nachfolge

Der UN-Sicherheitsrat hat erstmals bei einer inoffiziellen Abstimmung über die Kandidaten für die Nachfolge von Generalsekretär Ban Ki Moon befunden. Am besten abgeschnitten hat der Portugals Ex-Regierungschef Guterres.

Portugals Ex-Regierungschef António Guterres ist nach einer inoffiziellen Abstimmung des UN-Sicherheitsrates derzeit Favorit für die Nachfolge Ban Ki Moons. dpa

António Guterres

Portugals Ex-Regierungschef António Guterres ist nach einer inoffiziellen Abstimmung des UN-Sicherheitsrates derzeit Favorit für die Nachfolge Ban Ki Moons.

New YorkDer portugiesische Ex-Ministerpräsident António Guterres ist nach Angaben aus Diplomatenkreisen der vorläufige Favorit für die Nachfolge von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Guterres liege nach einer ersten inoffiziellen Abstimmung des Weltsicherheitsrats am Donnerstag vorn, hieß es. Zweiter wurde demnach der slowenische Ex-Präsident Danilo Türk. Von den zwölf Kandidaten schnitt laut Diplomaten die kroatische Ex-Außenministerin Vesna Pusic am schlechtesten ab.

Bans Amtszeit läuft am 31. Dezember aus. Über die Nachfolge entscheidet die UN-Generalversammlung mit ihren 193 Mitgliedern. Eine entscheidende Rolle fällt jedoch dem Sicherheitsrat zu, der Kandidaten vorschlägt. Traditionell rotiert das Amt des Generalsekretärs zwischen den Regionen. Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa hatten alle schon einmal den Chefposten. Osteuropäische Staaten und auch die Vetomacht Russland argumentieren, dass es bislang keinen Generalsekretär aus ihrer Region gegeben hat. Außerdem haben 56 Staaten gefordert, das Amt erstmals an eine Frau zu vergeben.

Wie zwei Diplomaten sagten, teilten sich die bulgarische Unesco-Chefin Irina Bokowa, der frühere serbische Außenminister Vuk Jeremic und der mazedonische Ex-Außenminister Srgjan Kerim nach der Abstimmung Platz drei. Vierte wurde den Angaben zufolge die ehemalige neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark. Die Sicherheitsratsmitglieder stimmten ab, ob sie zur Wahl eines der zwölf Kandidaten „ermutigen“, „davon abraten“ oder „keine Meinung“ darüber abgeben.

Die Diplomaten wollten anonym bleiben, weil das Votum am Donnerstag geheim war. Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats hatten sich dazu entschieden, die Ergebnisse ihrer Abstimmung nicht zu veröffentlichen.

Guterres war von 1995 bis 2002 Ministerpräsident von Portugal. Bis Ende letzten Jahres war er UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. Wie die Diplomaten sagten, erhielt er zwölf „Ermutigungs“-Stimmen und drei „Keine Meinung“-Stimmen. Türk, der von 1992 bis 2000 erster UN-Botschafter Sloweniens war, habe elf „Ermutigungs“-Stimmen, zwei von ihm abratende Stimmen und zweimal „Keine Meinung“ erhalten. Pusic habe elf Stimmen kassiert, die von ihr abrieten - so viele wie kein anderer der Kandidaten, hieß es.

Bokowa habe neun „Ermutigungs“-Stimmen bekommen - die höchste Zahl für eine Frau, teilten die Diplomaten weiter mit. Clark bekam demnach acht „Ermutigungs“-stimmen“. Die argentinische Außenministerin Susanna Malcorra habe weniger Unterstützung erhalten.

Die drei weiteren Kandidaten am unteren Ende der Liste waren den Angaben zufolge die frühere UN-Klimachefin Christiana Figueres aus Costa Rica, Moldaus frühere Außenministerin Natalia Gherman und Igor Luksic, Außenminister von Montenegro. Ein weiterer Bewerber ist der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak.

„Wir hatten niemals zuvor zwölf Kandidaten“, sagte der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft vor der Abstimmung. Man müsse das Bewerberfeld „auf eine vernünftige Zahl reduzieren“, erklärte er. „Dafür gibt es informelle Abstimmungen.“ Er rief diejenigen, die nicht so gut abschnitten, auf, sich aus dem Rennen zurückzuziehen.

Allerdings besteht die Möglichkeit, dass noch mehr Kandidaten hinzukommen, weil es für Nominierungen keine Frist gibt. Der ehemalige australische Premierminister Kevin Rudd hat eine späte Bewerbung unternommen und die australische Regierung gebeten, ihn offiziell zu nominieren.

Eine weitere Abstimmung wird für kommende Woche erwartet, andere sollen dann im August und womöglich September folgen. Der Nachfolger von Ban soll sein Amt am 1. Januar antreten.

Von

ap

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