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30.11.2013

10:26 Uhr

Abstimmung im Parlament

Französisches Prostitutionsgesetz in Teilen verabschiedet

Im Vorfeld wurde viel diskutiert, aber die Nationalversammlung hat für das Prostitutionsgesetz gestimmt: Künftig sollen nicht mehr Frauen, sondern Freier bestraft werden. Ganz durch ist die Regelungen jedoch nicht.

Najat Vallaud-Belkacem, Ministerin für Frauenrecht (r.) im französischen Parlament: Glückwünsche zum Abstimmungsergebnis. AFP

Najat Vallaud-Belkacem, Ministerin für Frauenrecht (r.) im französischen Parlament: Glückwünsche zum Abstimmungsergebnis.

Die französische Nationalversammlung hat am Freitagabend für die Bestrafung von Freiern gestimmt. Die Abgeordneten votierten per Handzeichen für die zentrale Bestimmung des umstrittenen neuen Gesetzes zur Prostitution, die für den Kauf sexueller Dienstleistungen Geldstrafen von 1500 Euro vorsieht. Das gesamte Gesetz, das von Abgeordneten von Regierung und Opposition gemeinsam eingebracht worden war, wird am kommenden Mittwoch zur Abstimmung gestellt. Anschließend muss noch der Senat dem Text zustimmen.

Im Wiederholungsfall sieht das Gesetz für Freier eine Strafe von 3750 Euro vor. Als Alternative oder Ergänzung zu einer Geldstrafe können auch Kurse zur „Sensibilisierung“ der Männer angeordnet werden. Zugleich stimmten die Abgeordneten am Freitagabend dafür, den auf die Prostituierten zielenden Straftatbestand des „Kundenfangs“ abzuschaffen, der die Frauen mit zwei Monaten Gefängnis bedroht, wenn sie öffentlich um Freier werben.

Die Abgeordneten stimmten außerdem für Unterstützungsmaßnahmen für Frauen, die die Prostitution verlassen wollen. Dafür sollen jährlich 20 Millionen Euro bereit gestellt werden. Ausländische Prostituierte, die die Unterstützung in Anspruch nehmen, erhalten gemäß dem neuen Gesetz eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis, die erneuert werden kann. Durch das Gesetz soll Prostitution, die derzeit in Frankreich legal ist, eingedämmt werden.

Der Text hatte in den vergangenen Wochen eine heftige öffentliche Debatte in Frankreich ausgelöst, auch weil sich zahlreiche Prominente wie die Schauspielerin Catherine Deneuve gegen eine Bestrafung der Freier wandten. In Frankreich wird die Zahl der Prostituierten auf mindestens 20.000 geschätzt. Davon kommen 80 bis 90 Prozent aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, Afrika, China oder Lateinamerika. Viele Frauen sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Von

afp

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

30.11.2013, 10:59 Uhr

Die französischen Hausfrauen scheinen ja panische Angst zu haben, dass ihnen die Prostituierten ihr eigenes Geschäft im Ehebett versauen. Auch Ehefrauen suchen sich Männer, die sich den Sex mit ihnen leisten können. Alles andere Gezeter ist berechnendes Geheuchel.

Stella

30.11.2013, 11:04 Uhr

Warum bestraft man nicht die, die an dem Leid der Frauen schuld sind, nämlich die Zuhälter und alle, die da abkassieren, ohne was dafür zu tun? Dieser Wirtschaftszweig muss ausschließlich von Frauen gemanaged werden, dann hört die Gewalt auf. Männer dürfen da nur als Wachposten rein, und die kann man dann tatsächlich staatlich kontrollieren, damit sich daraus nicht wieder Zuhälterei entwickelt. Wird doch sonst alles institutionalisiert, warum dies nicht?

ist_das_so

30.11.2013, 11:18 Uhr

Sie scheinen sich da ja sehr gut auszukennen!

Sexualität ist etwas das erlernt wird. Hierfür gibt es immer mehr wissenschaftliche Beweise. Da es sich bei der Prostitution um ein Geschäft handelt, wird man auch alles daran setzen, um den Kundenstamm zu erweitern, da dies ja den Umsatz und in der Regel auch den Gewinn erhöht. Diese Tendenz sieht man sehr deutlich in Deutschland, wo dies ja gut funktioniert.

Somit stellt sich die Frage, was will man? Eine Sexualität, die durch Geld und Gewalt bestimmt wird? Dann ist man für Prostitution. Will man jedoch eine Sexualität, die nicht dadurch determiniert wird wird, dann sollte man anfangen sich andere Arten des Umgangs miteinander zu überlegen.
Soweit der logische Teil.
In der Praxis wird jedoch eine Umkehr nicht einfach sein, da vor allen Dingen bei Männern die Prägung in der Sexualität eine sehr hartneckige ist. Ausserdem geht es ja nicht nur um Sexualität an sich, sondern spielen sehr viele andere Faktoren wie Einsamkeit, fehlendes Selbstwertbewusstsein, Macht, Gier, etc. etc. sowie Charakterstruktur im psychoanalytischen Sinne auch eine Rolle.
Persönlich halte ich den französischen Weg besser wie den deutschen, obwohl auch der französische Weg nicht die Prostitution abschafft, aber man sich überlegen wird, ob man noch jemand am Strassenstrich abschleppt.

Individuelle Abmachungen zwischen Personen, die auf diesem Wege glauben ihr Geld verdienen zu wollen und Leuten, die für Seks bezahlen wollen, kommen nur bei Unfreiwlligkeit in Gedrang, da jemand, der es selbst drauf anlegt nicht seinen Kunden verraten wird. Und Anbieter werden ja nicht bestraft.

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