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30.12.2011

18:06 Uhr

Abstimmung

Spanisches Dorf will unbedingt Atomzwischenlager werden

Ist die Hoffnung auf Arbeit größer als die Angst vor Radioaktivität? Die Bewohner eines Dorfes südöstlich von Madrid haben für den Bau eines Atomzwischenlagers gestimmt. Bei Umweltschützern herrscht blankes Entsetzen.

Behälter mit Atommüll im Zwischenlager in Gorleben. dpa

Behälter mit Atommüll im Zwischenlager in Gorleben.

MadridFreude in der kleinen spanischen Ortschaft Villar de Cañas: Mit großer Mehrheit haben die Bewohner des knapp 500-Seelen-Dorfes die Ankündigung der Regierung in Madrid begrüßt, dort ein zentrales Atomzwischenlager zu bauen. Umweltschützer äußerten dagegen ihr „Entsetzen“ und kündigten Protestkundgebungen an.

Spaniens neue konservative Regierung hatte sich nach einer siebenjährigen Diskussion für Villar de Cañas als Standort des künftigen Zwischenlagers entschieden. Der Bürgermeister der rund 130 Kilometer südöstlich von Madrid gelegenen Ortschaft, José María Sáiz, versicherte, 80 Prozent der Einwohner würden den Bau der Atomanlage willkommenheißen.

Der Bau des Zwischenlagers werde in einer wirtschaftlich heruntergekommenen Region rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen, sagte der Bürgermeister. Viele Einwohner seien in den vergangenen Jahren wegen der Armut aus der Ortschaft und den umliegenden Dörfern weggezogen.

Greenpeace und spanische Umweltschützer kritisierten die Pläne für einen „Atomfriedhof“. Führende Mitglieder der in der Region Kastilien-La Mancha regierenden Volkspartei (PP) gehörten der Atom-Lobby an. Auch der Bürgermeister sei PP-Mitglied. Die konservative Partei stellt seit gut einer Woche die Zentralregierung in Madrid.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Karl_Ranseier

30.12.2011, 18:56 Uhr

...nach einer siebenjährigen Diskussion...
Die saßen allen ernstes sieben Jahre lang ununterbrochen in einem Raum, an einem Tisch und sprachen über dieses eine Thema? Respekt!

vandale

30.12.2011, 19:12 Uhr

Die Aussage "Umweltschützer" sind entsetzt über den Wunsch des Ortes ein Zwischenlager für radioaktiven Abfall zu beherbergen ist typischer Neusprech eines links-ökologisch sozialisierten Journalisten, sprich man verkehrt die Wirklichkeit bewusst in ihr Gegenteil.
Real ist die Kernenergie wohl nach der Wasserkraft und Erdgas die Energiequelle mit den geringsten Mengen toxischer/radiotoxischer Abfälle. Verglichen mit Steinkohle beträgt das Mengenverhältnis 1/10000, verglichen mit den sehr umweltschädlichen Solarzellen, sofern diese je mehr Energie erzeugen als deren Herstellung bedarf, je nach Herstellverfahren bis zu einige 1000. Abgebrannter Kernbrennstoff kann weitestgehend wieder genutzt werden, sprich wiederaufbereitet werden. Letzteres wurde in D durch den BMU Trittin verboten um der "ungelösten Endlagerfrage" nicht im Wege zu stehen. Die Abfallthematik ist sicherlich ein realer Vorteil für die Kernenergie.

Der Ort gewinnt durch die Aufnahme eines Zwischenlagers Einnahmen und ggf. Arbeitsplätze. Das Risikopotential eines Zwischenlagers ist naturgemäss höher als das eines Tiefenlagers/Endlagers wie Asse, Conrad, Gorleben, WIPP in den USA, allerdings sehr überschaubar.

Vandale

freundchen

31.12.2011, 09:12 Uhr

Das kann ich gut verstehen. Von den Zwischenlagern geht keinerlei Gefahr aus, aber im konditionierten Deutschland will die obrigkeitsgläubige Bevölkerung das nicht glauben.
In fast allen Ländern ist die Kernkraft willkommen. Die Folgen unserer falschen Politik werden alle zu spüren bekommen durch weltweit führende Strompreise.
Komischerweise gibt es keine Proteste gegen die Mengen von Atombomben und Atomraketen die sich auf deutschem Boden befinden, die nun wirklich sehr gefährlich sind, nicht nur für die Umwelt. Selektive Wahrnehmung durch Indoktination, Zensur, Political Correctness genannt zeigt Wirkung!

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