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21.07.2014

10:13 Uhr

Absturz des Fluges MH17

Putin warnt vor „Missbrauch“ der Katastrophe

Während Rebellen die abgestürzte Boeing in der Ostukraine belagern, versuchen Luftfahrt-Experten, zum Wrack zu gelangen. Kremlchef Putin sichert seine „volle Kooperation“ zu – doch der Westen erhöht abermals den Druck.

Kritik zur Flugkatastrophe

„Aufräumarbeiten gleichen Ausmisten eines Gartens“

Kritik zur Flugkatastrophe: „Aufräumarbeiten gleichen Ausmisten eines Gartens“

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DüsseldorfKremlchef Wladimir Putin hat eine Verantwortung Russlands für den Absturz des malaysischen Flugzeugs in der Ukraine zurückgewiesen und vor einem „Missbrauch“ der Katastrophe gewarnt. „Hätte man die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine nicht am 28. Juni wiederaufgenommen, wäre diese Tragödie sicher nicht geschehen“, sagte er in einer am Montag in Moskau veröffentlichten Videobotschaft.

Der Kreml habe alle Konfliktseiten mehrfach aufgerufen, die Gefechte einzustellen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen. „Russland unternimmt alles, damit der Konflikt zu Gesprächen mit friedlichen und ausschließlich diplomatischen Mitteln übergeht“, sagte Putin. Niemand dürfe die Tragödie für eigennützige politische Ziele ausnutzen. „Solche Ereignisse sollten Menschen nicht trennen, sondern zusammenführen“.

Nach massiven Klagen über Behinderungen am Absturzort der malaysischen Boeing reisen derweil Luftfahrt-Experten in das von Rebellen kontrollierte Gebiet bei Donezk. Die Niederlande werden die internationale Identifizierung der Opfer in der Ostukraine koordinieren, gab der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Sonntagabend in Den Haag bekannt.

Im ostukrainischen Charkow sollen die Niederlande ein Koordinationszentrum für die Identifizierung der 298 Opfer einrichten. Die Leichen von etwa 200 Opfern sollen in Kühlwagen in einem Zug bei Tores in der Ostukraine liegen. Bei dem Absturz von Flug MH17 kamen 193 Niederländer ums Leben. Die USA haben den Verdacht geäußert, dass die Aufständischen die Boeing mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Etwa 250 Opfer sind bisher geborgen worden.

„Als würde man einen Garten auf Vordermann bringen“

Putin hatte am Sonntag „volle Kooperation“ zugesichert. In einem Telefonat mit Rutte bot der russische Präsident nach Angaben Den Haags seine Hilfe bei der Übergabe der geborgenen Leichen sowie des Flugschreibers der Boeing 777 an. Auch in einem Telefonat mit dem australischen Regierungschef Tony Abbott signalisierte Putin seine Kooperationsbereitschaft.

Abbott, dessen Land 28 Staatsbürger bei Abschuss am Donnerstag verloren hat, erklärte, Putin habe „lauter richtige Dinge“ gesagt. Jetzt gehe es darum, dass er Taten folgen lasse. „Im Moment wird der Absturzort weniger wie ein Tatort behandelt, sondern eher so, als würde man einen Garten wieder auf Vordermann bringen“, sagte Abbott dem Radiosender 2GB und fügte hinzu: „Das ist völlig inakzeptabel.“

US-Außenminister John Kerry hatte bereits zuvor von einem grotesken Schauspiel gesprochen. „Betrunkene Separatisten stapeln Leichen auf Lastwagen und entfernen Material aus der Gegend.“ Andere Bergungskräfte erhalten nur begrenzten Zugang und dürfen nur unter Aufsicht der Rebellen arbeiten.

Das Raketensystem „Buk“

Was bedeutet der Name „Buk“?

„Todesfinger“ nennen Militärexperten die Raketen des russischen Flugabwehrsystems „Buk“ (deutsch: „Buche“), die von der Abschussrampe steil in die Luft abstehen. Das Kriegsgerät mit der Nato-Bezeichnung „Gadfly“ (Stechfliege) gilt als moderne Waffe mit hoher Reichweite und leistungsfähiger Elektronik.

Wer hat das System?

Neben Russland verfügen die Armeen vieler Ex-Sowjetrepubliken wie etwa die Ukraine über „Buk“-Batterien. Aber auch Waffenkunden und Verbündete Moskaus wie Syrien und Venezuela besitzen das System.

Wie weit kommen die Raketen?

Eine „Buk-M1“-Batterie besteht aus je einem Radar- und Kommandofahrzeug sowie vier Startfahrzeugen mit je vier Raketen. Binnen fünf Minuten kann das System in Kampfbereitschaft versetzt werden. Nach der Zielerfassung per Radar dauert es keine halbe Minute, bis die Rakete die Rampe verlässt. Der Gefechtskopf besitzt einen Zerstörungsradius von rund 20 Metern.

Wie lange braucht das System?

Eine „Buk-M1“-Batterie besteht aus je einem Radar- und Kommandofahrzeug sowie vier Startfahrzeugen mit je vier Raketen. Binnen fünf Minuten kann das System in Kampfbereitschaft versetzt werden. Nach der Zielerfassung per Radar dauert es keine halbe Minute, bis die Rakete die Rampe verlässt. Der Gefechtskopf besitzt einen Zerstörungsradius von rund 20 Metern.

Wie schwierig ist die Bedienung?

Im Kampf wird „Buk“ vor allem zur Abwehr von Jagdflugzeugen, Hubschraubern und Marschflugkörpern eingesetzt. Die Bedienung des Systems gilt als schwierig. Eine sechsmonatige intensive Ausbildung gilt als Minimum, um das Kriegsgerät zu beherrschen. Hersteller ist der Moskauer Rüstungskonzern Almas-Antej.

Der Uno-Sicherheitsrat könnte noch am Montag über eine Resolution zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord in der Ostukraine abstimmen. Die australische Uno-Mission setzte nach Angaben westlicher Diplomaten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) ihren Resolutionsentwurf „in blau“. Damit ist das Papier abstimmungsreif und könnte nach der üblichen Frist von 24 Stunden zur Entscheidung kommen. Weil die Russen die Resolution mit ihrem Veto verhindern können, ist der Ausgang allerdings völlig offen.

Der australische Entwurf fordert von allen Beteiligten, insbesondere den prorussischen bewaffneten Separatisten, in deren Machtbereich die Absturzstelle liegt, eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den internationalen Behörden. Gleichzeitig soll das Papier jede Manipulation an der Absturzstelle untersagen. Es fordert zudem, dass die Flugschreiber und andere Beweisstücke sofort auszuhändigen sind.

Kommentare (37)

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Herr Chris Hettix

21.07.2014, 07:56 Uhr

Wladimir Putin hat sich der Mittäterschaft bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht. Er ist damit zweifelsfrei ein KRIEGSVERBRECHER. Er steht damit in einer Reihe mit Assad, Milosevic oder W. Bush.

Nach den Trauerlichkeiten fordere ich hiermit den Niederländischen Premierminister Mark Rutte auf, einen
internationalen Haftbefehl gegen Putin zu erwirken. Putin gehört vor das Kriegsverbrechertribunal in Den
Haag überstellt. Ohne Wenn und Aber. Das ist die Niederlande gegenüber ihren knapp 200 Opfern und
Landsleuten schuldig. Zumindest soll Putin niemals wieder aus Russland rauskommen ohne gleich verhaftet zu
werden- wen kümmert noch sein Diplomatenstatus? Außerdem wenn ich Rutte wäre, würde ich dieser unwürdigen,
unmenschlichen LEICHENFLEDDEREI vor Ort keine Sekunde länger mehr zuschauen.Ich würde die komplette
niederländische Armee mobilisieren und mir meine toten Landsleute holen. Wer sich in den Weg stellt, wird nieder gewalzt. An die Internationale Staatengemeinschaft: Ich erwarte, das Russland aus allen Gremien dieser Welt ausgeschlossen wird- selbst aus der UN. Da sich Russland ohnehin an keine Regel hält, braucht diese Welt auch kein Veto-Mitglied Russland am Tisch mehr. Soll er doch "an seiner Macht ersticken". Und eine klare Botschaft an Merkel: Sie ist ein diplomatischer Totalausfall und maßgeblich mitverantwortlich für das ganze Desaster in der Ukraine. Ihr zaghaftes zaudern, rumlavieren, aussitzen und sinnlose inflationäre Androhen hat genug schon Opfer gebracht. Putin versteht nur eine einzige Sprache: HÄRTE! und das von Anfang an! Kein ewiges, sinnloses rumgequatsche. Stellt eine int. Armee an die ukrainische Grenze und der ganze Spuk ist vorbei. Was will den Putin tun? Die Welt in die Luft sprengen? Dann ist er doch selber auch am Ende. Also Weltgemeinschaft handelt- und zwar jetzt und SOFORT!

Herr Gerhard Kraus

21.07.2014, 08:13 Uhr

Deutschland wird da leider nicht helfen können.

Da ist die Staatsgewalt schon voll mit Parksünderaufschreiben beschäftigt.

Was da bei der Bundeswehr rumhängt sind meist Leute, die für des normale Berufsleben nicht geeignet sind.

Und über Politiker brauchen wir uns glaube ich nicht unterhalten.
Die sind mit der Straßenmaut beschäftigt.

Herr Rene Benedikt

21.07.2014, 08:13 Uhr


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