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21.02.2015

14:23 Uhr

Abzug aus Afghanistan

USA prüfen Afghanistan-Plan

Langsamerer Rückzug denkbar: Angaben des US-Verteidigungsministers überlegt die US-Regierung, ihre Soldaten nun doch länger in Afghanistan zu stationieren. An dem kompletten Abzug sei jedoch noch nicht zu rütteln.

Zu Besuch in Kabul: Carter kündigte an, noch einmal über den Rückzug aus Afghanistan reden zu wollen. AFP

US-Verteidigungsminister Ashton Carter

Zu Besuch in Kabul: Carter kündigte an, noch einmal über den Rückzug aus Afghanistan reden zu wollen.

KabulDie USA prüfen nach den Worten von Verteidigungsminister Ashton Carter, ihre Truppen langsamer als geplant aus Afghanistan abzuziehen. Mit der neuen afghanischen Führung sollte ein ernsthafter Dialog über den Abzugsplan geführt werden, sagte Carter am Samstag in Kabul nach einer Pressekonferenz mit Präsident Ashraf Ghani. Es ist die erste Auslandsreise des neuen Verteidigungsministers, nachdem er am Dienstag sein Amt angetreten hatte.

Nach Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan zum Jahreswechsel sind nach den Worten von Carter derzeit noch mehr als 10.000 US-Soldaten in dem Land stationiert. Demnach ünterstützt das Personal Anti-Terror-Einsätze oder berät die afghanische Armee. Die Hälfte der Soldaten soll nach bisherigen Plänen bis Ende dieses und der Rest bis Ende 2016 Afghanistan verlassen - also noch vor Ende der Amtszeit von Präsident Barack Obama im Januar 2017.

Hintergrund der neuen Überlegungen ist, dass eine längere und stärkere Truppenpräsenz im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida und Ableger der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) sinnvoll sein könnte.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit der US-Regierung und ihrer Verbündeten mit der neuen afghanischen Einheitsregierung von Präsident Ghani im Vergleich zu Vorgänger Hamid Karzai erheblich verbessert. Ghani hatte Obama und die US-Militärführung aufgefordert, ihre Pläne für den Truppenabzug aus Afghanistan zu überdenken.

Von

dpa

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