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07.12.2012

12:25 Uhr

Achim Steiner

Die klimafreundliche Wirtschaft wird unweigerlich kommen

Quelle:Zeit Online

Klimagipfel frustrieren, da Entscheidungen mit schöner Regelmäßigkeit vertagt werden. Dennoch ist die Welt dabei, ihre Wirtschaft klimafreundlich zu gestalten, sagt der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner.

Achim Steiner ist überzeugt, dass die Gipfel ein starkes Signal senden – zumindest an die meisten Länder. picture-alliance/dpa/Martial Trezzini

Achim Steiner ist überzeugt, dass die Gipfel ein starkes Signal senden – zumindest an die meisten Länder.

DohaHerr Steiner, die Klimaverhandlungen in Doha kommen kaum voran. Sie vertreten die These, dass der Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Klimafreundlichkeit auch außerhalb der Gipfel an Fahrt gewinnt. Brauchen wir solche Mega-Veranstaltungen dann noch? Achim Steiner: Durch die Klimakonferenzen und den UN-Weltklimarat hat die Welt in den vergangenen 20 Jahren ein Verständnis dafür gewonnen, was Klimawandel bedeutet und was die Konsequenzen sind, wenn wir nichts unternehmen. Zwar stecken die Verhandlungen immer wieder fest. Aber die Gipfel senden ein starkes Signal an die meisten Länder der Welt, auch an die Unternehmen.

Was für ein Signal soll das sein?

Steiner: Dass die klimafreundliche Wirtschaft unweigerlich kommen wird. Trotz aller Schwierigkeiten der Klimagipfel akzeptiert man mittlerweile fast überall, dass wir den Übergang schaffen müssen. Viele Länder haben längst begonnen zu handeln. Der Anteil von Wind, Sonne und Wasserkraft an der weltweiten Stromversorgung ist in den vergangenen fünf Jahren von 3,4 Prozent auf 20 Prozent gestiegen. Ein solch tiefgreifender Wandel in so kurzer Zeit ist historisch einmalig. Was die Regierungen ermutigt: Sie erkennen nicht nur den Handlungsbedarf, sondern es gibt auch die Möglichkeit, zu handeln.

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Trotzdem steigen die weltweiten Emissionen weiter.

Steiner: Deshalb muss es auch in Zukunft Welt-Klimaverhandlungen geben. Um ihre Investitionen steuern zu können, brauchen Staaten und Unternehmen ein Signal, das in alle Ecken der Welt reicht. Ohne die Verhandlungen werden wir es nicht schaffen.

Mit ihnen vielleicht auch nicht. Wir bräuchten dringend verbindliche Emissionsziele für viel mehr Länder als bisher, und ambitioniertere Ziele für die bisherigen Teilnehmer des Kyoto-Protokolls. Eine Einigung darüber hat bisher kein Gipfel erzielen können.

Steiner: Dennoch ist dieser Prozess die beste Möglichkeit, alle Interessen an einen Tisch zu bekommen. Sie haben ja Recht: Wir sind in den vergangenen drei Jahren kaum weitergekommen. Deshalb müssen wir uns schon fragen, ob wir hier über die richtigen Lösungsansätze verhandeln. Wir müssten viel ungeduldiger werden. Die Statistiken zeigen, dass der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft heute schon konkret begehbar wäre. Etwa 70 Prozent der Emissionsreduktionen, die wir umsetzen müssen, sind mit heutiger Technologie machbar. Wir haben die Mittel. Jetzt geht es vor allem darum, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen.

Aber noch einmal: Wie kann es in so komplexen Verhandlungen gelingen, schneller zu einer Einigung zu kommen?

Steiner: Ich sehe drei Faktoren, die das bewirken können. In den nächsten Jahren werden die Klimasignale zunehmen, das heißt wir werden extreme Wetterlagen wie Stürme oder Überschwemmungen häufiger erleben. Das kann die öffentliche Meinung so schnell verändern, dass Regierungen plötzlich unter ganz anderen Vorzeichen verhandeln. Zudem kommen wir gerade aus einer Finanzkrise, die genau zu einem Zeitpunkt eintrat, an dem der Konsens in der Klimapolitik zentral davon abhing, dass die Industrieländer den Entwicklungsländern Geld und Technologien zur Anpassung an die Erderwärmung zur Verfügung stellen. Die Krise hat das verhindert.

Kommentare (1)

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07.12.2012, 13:38 Uhr

Die UN ist mittlerweile zu einer sehr dubiosen Organisation verkommen in der die Korruption nur so blüht. Man denke noch an die seltsame Ausrufung der Schweinegrippe-"Epidemie" durch die UN, damit alle Länder gezwungen waren teure Impfstoffe zu kaufen. Pharmalobby läßt grüßen.
Ähnlich dürfte es in dem anderen lukrativen Feld, Klima-Schwindel (oder wie das auch gerade heißen mag) und seinem sogenannten "Weltklima-Rat". Um diesen ist es allerdings neuerdings ziemlich still geworden - er hat sich wohl in der Vergangenheit gar zu sehr selbst diskreditiert, so daß man jetzt den UN-Umwelt-Direktor vorschiebt. Die Beteiligung der UN jedenfalls ist geradezu die Garantie dafür, daß es nicht wirklich um den eigentlichen Kern des Themas geht, sondern um die damit erzielbaren Geldflüsse und wer sie bekommt.

Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans so zu rupfen, daß sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich läßt. Jean Baptiste Colbert, 1619 - 1683, franz. Finanzminister.

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