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16.07.2016

22:14 Uhr

Acht angebliche Putschisten

Griechischer Außenminister soll Auslieferung zugesagt haben

Dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach hat sein griechischer Amtskollege Kotzias zugesagt, die angeblichen Putschisten auszuliefern. Athen betätigt zwar ein Telefonat, hält sich aber mit Details zurück.

Acht angebliche Putschisten sollen mit einem Hubschrauber  vom Typ „Black Hawk“ nach Griechenland geflohen sein und dort Asyl beantragt haben. In einem Telefonat habe nun der griechische Außenminister Nikos Kotzias die Auslieferung „der acht Verräter“ in kürzester Zeit zugesagt, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu über Twitter. AFP; Files; Francois Guillot

Türkischer Militärhubschrauber

Acht angebliche Putschisten sollen mit einem Hubschrauber vom Typ „Black Hawk“ nach Griechenland geflohen sein und dort Asyl beantragt haben. In einem Telefonat habe nun der griechische Außenminister Nikos Kotzias die Auslieferung „der acht Verräter“ in kürzester Zeit zugesagt, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu über Twitter.

Istanbul/AthenDie acht türkischen Soldaten, die sich per Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt haben, sollen nach türkischer Darstellung bald wieder zurückgeschickt werden.

Der griechische Außenminister Nikos Kotzias habe ihm am Telefon die Auslieferung „der acht Verräter“ in kürzester Zeit zugesagt, teilte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag auf Twitter mit. Athen bestätigte das Telefonat, äußerte sich aber zurückhaltender.

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Am Abend trafen 13 türkische Militärs an Bord eines türkischen Militärhubschraubers in Alexandroupolis ein. Sie sollen den türkischen Hubschrauber vom Typ „Black Hawk“ abholen, mit dem die angeblichen Putschisten nach Griechenland gekommen waren. Entsprechende Videoaufnahmen zeigte der griechische Nachrichtensender Skai am Samstagabend.

Ob und wann die acht angeblichen Putschisten in die Türkei ausgeliefert werden sollen, war am Samstagabend unklar. Griechische Juristen rechneten mit einem Asylverfahren, das bis zu 20 Tage dauern könnte.

„Der Putsch war ein Irrweg“

Wer steckt hinter dem Putsch?

Das ist eine Frage, die noch beantwortet werden muss. Es gibt bereits Gerüchte, dass die Gülen-Bewegung verantwortlich sein könnte…

Die Fragen von Handelsblatt-Reporter Ozan Demircan beantwortete Felix Schmidt, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Istanbul.

...die vom Erdogan-Widersacher Fethullah Gülen geleitet wird...

Ja, und es gäbe deswegen einige Gründe aus Sicht der Regierung, den Putsch nun so zu instrumentalisieren, dass man ihn Gülen in die Schuhe schiebt.

Wie die Regierung Vergeltung üben?

Regierung und Sicherheitskräfte werden mit harten Gegenmaßnahmen antworten. Einzelne Politiker fordern bereits die Todesstrafe für die Armee-Putschisten. Es könnte weitere autoritäre Entwicklungen geben.

Wie sieht es beim Militär aus?

Die Regierung könnte nun einen weiteren Anlass erhalten, innerhalb der Armee und in anderen Institutionen aufzuräumen. Das bedeutet, dass die teilweise bestehenden Parallel-Strukturen innerhalb von Behörden wie zum Beispiel dem Militär aufgelöst werden, so wie das in den vergangenen Jahren bereits geschehen ist.

Was bedeutet das für die politische Entwicklung in dem Land?

Das Scheitern des Putsches bedeutet eine Stärkung der Macht für die bestehende Regierung. Es ist auch bemerkenswert, dass sich diesmal alle vier im Parlament vertretenen Parteien gegen den Putsch gestellt haben – auch die regierungskritischen Parteien wie die HDP. Viele haben noch die Machtergreifungen der vergangenen Jahrzehnte im Kopf. Niemand will, dass sich solch chaotische Situationen wie damals wiederholen.

Wie wird es weitergehen?

Die Demokratie scheint sich tatsächlich gegen den Putsch durchgesetzt zu haben. Der Putsch war ganz offenbar ein Irrweg. Und das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Auch innerhalb kritischer Kreise gab es soweit bekannt keine Putsch-Befürworter. Das Schöne, wenn man das so sagen kann, ist: Es gibt, trotz vieler problematischer Entwicklungen in dem Land, demokratisch gefestigte Strukturen in der Türkei.

Die Soldaten bekräftigen nach Aussagen ihrer Verteidiger, sie hätten nichts von einem Putsch gewusst. Sie seien lediglich beordert worden, Verletzte mit ihren Hubschraubern zu transportieren. Als sie von türkischen Polizeikräften unter Beschuss genommen worden seien, hätten sie beschlossen, an Bord einer ihrer Hubschrauber nach Griechenland zu fliegen und dort Asyl zu beantragen. Sie hätten Angst, „als Putschisten bezeichnet zu werden“, sagte eine Verteidigerin im griechischen Fernsehen.

Rund 200 Mitglieder einer türkstämmigen Minderheit in Griechenland demonstrierten am Flughafen in Alexandroupolis für die Auslieferung der angeblichen Putschisten an die Türkei.

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Von

dpa

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