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02.01.2009

17:18 Uhr

Acht Fragen an: Mkhaimar Abusada

„Eine Offensive ist nicht das Ende der Hamas“

VonPierre Heumann

„Hamas ist keine Gruppe von Guerillakämpfern, sondern eine Volksbewegung, die von vielen unterstützt wird.“ Mkhaimar Abusada, palästinensischer Politologe an der Al-Azhar Universität in Gaza, äußert sich im Handelsblatt-Interview zu den Chancen eines baldigen Waffenstillstandes und dem Erstarken der Hamas.

Zerstörtes Hamas-Gebäude im Gazastreifen. Die Hamas-Regierung kann ausgelöscht werden, die Bewegung nicht. Foto: ap Quelle: ap

Zerstörtes Hamas-Gebäude im Gazastreifen. Die Hamas-Regierung kann ausgelöscht werden, die Bewegung nicht. Foto: ap

Türkische, französische und EU-Diplomaten bemühen sich um einen Waffenstillstand. Rechnen Sie mit einem Erfolg?

Sowohl Hamas auch Israel scheinen mir an einem Waffenstillstand interessiert. Hamas-Führer sagten zum Beispiel, sie prüften jeden Waffenstillstandsvorschlag ernsthaft.

Was wären die Bedingungen der Hamas?

Die Hamas fordert nicht nur eine Waffenruhe, sondern auch ein Ende der Belagerung durch Israel und eine Öffnung der Grenzen.

Was Israel ablehnen wird.

Ich gehe deshalb davon aus, dass eine Waffenruhe vorerst ohne Bedingungen geschlossen würde, und zwar befristet. Das gäbe der Diplomatie Zeit.

Abgesehen von Iran und Hisbollah gibt es keine Unterstützung.

Das stimmt nur, wenn Sie an die offizielle Ebene denken. Aber die Basis auf den arabischen Straßen denkt und fühlt anders. In allen arabischen Hauptstädten werden wir mit Demonstrationen unterstützt. Wir glauben, dass dies Druck auf Israel ausüben könnte, den Krieg gegen die Palästinenser zu beenden. Zudem unterstützen uns auch Libyen und Katar, die uns Hilfsgüter schicken.

Wie steht es um den Rückhalt der Hamas in Gaza?

Einige Palästinenser beschuldigen zwar die Hamas für die katastrophale Lage, in der wir uns heute befinden. Aber diejenigen, welche die Hamas unterstützen, sind in der Mehrheit. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und seine Fatah-Partei verlieren an Popularität.

Weshalb?

Wegen ihrer Position in den ersten Stunden des Krieges. Es gibt in Gaza heute einen konsolidierten Rückhalt für die Hamas, und zwar als Reaktion auf die Attacken. Israel führt einen Krieg gegen uns, und wir stehen zur Hamas – so würde ich das Gefühl der Leute in Gaza zusammenfassen.

Bedeutete eine israelische Bodenoffensive das Ende der Hamas?

Sicher nicht. Hamas ist keine Gruppe von Guerillakämpfern, sondern eine Volksbewegung, die von vielen unterstützt wird.

Und falls Israel den Gazastreifen wieder besetzen sollte?

Das wäre zwar das Ende der Hamas-Regierung, nicht aber der Hamas als Bewegung.

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