Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2013

16:09 Uhr

„Adoptivkind abzugeben“

Amerikas Online-Kinder-Börsen

Eltern preisen online ihre Zöglinge wie Haustiere an, um sie loszuwerden. Im Schatten-Netzwerk von Foren und Online-Gruppen findet massiver Missbrauch statt – eine der Börsen hat Yahoo bereits geschlossen.

Kinder, die über Online-Plattformen weitervermittelt werden, sind selten so glücklich wie diese. dpa

Kinder, die über Online-Plattformen weitervermittelt werden, sind selten so glücklich wie diese.

HickoryZwei Jahre lang versuchten Todd und Melissa Puchalla, ihre Adoptivtochter Quita aus Liberia großzuziehen. Dann entschlossen sie sich, das Kind im Alter von 16 Jahren abzugeben. Neue Eltern zu finden, war kein Problem. Das Pärchen aus Wisconsin stellte einfach eine Anzeige ins Internet – und nicht einmal zwei Tage später meldeten sich die ersten Interessenten.

Der Teenager fand sich plötzlich mitten auf Amerikas Internet-Marktplatz für ungewollte Adoptivkinder wieder, wo Pflegeeltern etwa über Yahoo oder Facebook ein neues Zuhause für Jungs und Mädchen suchen, die sie bereuen aufgenommen zu haben.

Es ist ein loses Schatten-Netzwerk von Foren und Online-Gruppen, in denen Eltern ihre Zöglinge manchmal wie Haustiere anpreisen und dann an Fremde weiterreichen – häufig an den Behörden vorbei und hin und wieder auch illegal, wie eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Es ist ein weitgehend gesetzloser Raum, in dem die Bedürfnisse der Eltern oft über die der Waisen gestellt werden.

Zusatzprotokoll: Kinder können Rechte bald bei der Uno einklagen

Zusatzprotokoll

Kinder können Rechte bald bei der Uno einklagen

Deutsche Kinder und Jugendliche sollen ihre Rechte bei der Uno einklagen können. Ermöglichen wird das ein Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention. Familienministerin Kristina Schröder unterzeichnet es in Genf.

Viele Kinder, die auf diese Art abgeschoben werden, durchleiden schwere Misshandlungen. Ein Mädchen aus China sagt, sie sei nach dem Wechsel ihres Zuhauses gezwungen worden, ihr eigenes Grab zu schaufeln. Ein russisches Mädchen erzählt, ein Junge habe auf sie uriniert, nachdem die beiden Sex gehabt hätten. Sie war damals 13 und innerhalb von sechs Monaten drei Mal weitergereicht worden. Häufig sind die Opfer Adoptivkinder aus anderen Ländern. So wie Quita. Auf die Anzeige ihrer Adoptiveltern reagierten Nicole und Calvin Eason schnell, beide um die 30. „Leute um mich rum finden, dass ich toll bin mit Kindern“, schrieb Nicole Eason in einer E-Mail an Melissa Puchalla.

Ein paar Wochen später, am 4. Oktober 2008, kam es zur Übergabe in einer Wohnwagensiedlung im Nachbarstaat Illinois, wo die Easons damals wohnten. Anwälte oder Sozialarbeiter waren nicht zugegen. Die Puchallas unterschrieben lediglich eine beglaubigte Bescheinigung, in der zwei praktisch vollkommen fremde Menschen zu Quitas neuen Erziehungsberechtigten erklärt wurden. Der Besuch dauerte nur ein paar Stunden. Es war das erste und einzige Mal, dass sich die Paare trafen.

Melissa Puchalla sagt, die Easons hätten auf sie einen „wundervollen“ Eindruck gemacht. Hätte sie etwas genauer hingeguckt, wäre sie vielleicht auf das gestoßen, was Reuters herausfand: Jahre zuvor hatte die Fürsorge Nicole Eason die eigenen biologischen Kinder, ein Sohn und eine Tochter, weggenommen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

kaffeetrinker

28.09.2013, 15:12 Uhr

[...]

Hätte ich so jemanden im Bekanntenkreis, ich würde ihn anzeigen. [...]
Traurig!!! Einfach keine Kultur diese Amis!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

28.09.2013, 15:32 Uhr

Vor dem NSA-Skandal rund um Herrn Snowdon war die US-Regierung verstimmt, weil Russland die Adoption von russischen Kindern für US-Bürger verboten hat.
Richtig so Herr Putin. Ich würde meine Kinder auch nicht in ein Land senden, in dem die Kinder mißbraucht, versklavt und wie Haustiere gehandelt werden.
Wieviel will Europa sich eigentlich noch von den USA bieten lassen? Dort werden keine Gesetze eingehalten, so wie im wilden Westen. Mir graut vor Datenschutzgesetzen und Freihandelszone mit diesem Land.

Rechner

28.09.2013, 15:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×