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27.03.2014

15:12 Uhr

Ägypten

Al-Sisi kandidiert offiziell fürs Präsidentenamt

Er ist bereits der heimliche Machthaber des Landes, jetzt will er sich auch offiziell zum Staatsoberhaupt wählen lassen: Armeechef al-Sisi hat alle seine Ämter niedergelegt und im Fernsehen seine Kandidatur angekündigt.

Armeechef legt Ämter für Kandidatur nieder

Al Sisi will Ägyptens Präsident werden

Armeechef legt Ämter für Kandidatur nieder: Al Sisi will Ägyptens Präsident werden

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KairoKnapp neun Monate nach dem Sturz des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi steuert Ägypten wieder auf einen Staatschef aus den Reihen des Militärs zu: Nach monatelangem Warten verkündete Armeechef Abdel Fattah al-Sisi am Mittwochabend seine Kandidatur für die anstehende Präsidentschaftswahl. Der Sieg der 59-jährigen Karriereoffiziers bei der für das Frühjahr geplanten Wahl gilt als sicher.

Er lege seinen Posten als Armeechef nieder und trete als Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident zurück, erklärte al-Sisi im Fernsehen. „Ich stehe das letzte Mal in Militäruniform vor Ihnen.“ Nach der Verfassung darf nur ein Zivilist für das höchste Staatsamt kandidieren.

In seiner kurzen Ansprache kündigte al-Sisi an, seinen Kampf „für ein Ägypten ohne Terrorismus“ fortzusetzen. Die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Probleme des Landes müssten mit „Kraft und Mut“ angegangen werden.

Al-Sisi ist der heimliche Machthaber Ägyptens seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi Anfang Juli 2013. Er hatte bereits mehrfach seine Bereitschaft zu einer Kandidatur bekundet, falls das Volk dies wünsche. Als wichtiger Test für ihn galt ein Referendum über die überarbeitete Verfassung im Januar.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Die Verfassung wurde mit breiter Mehrheit angenommen – allerdings beteiligten sich nur 39 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksabstimmung. Mit Ausnahme von Mursi kamen Ägyptens Staatschefs seit einem Putsch gegen die Monarchie im Jahr 1952 aus den Reihen des Militärs oder wurden von ihm installiert.

Die Muslimbruderschaft äußerte am Mittwoch scharfe Kritik an der Kandidatur al-Sisis. Unter al-Sisi werde es im Land „keine Stabilität oder Sicherheit“ geben, warnte das Führungsmitglied Ibrahim Munir. „Er führte einen Putsch, um Präsident zu werden.

Er ist ein Mann, der täglich seit dem Putsch getötet hat“, sagte Munir der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die mehr als 1400 Mursi-Anhänger, die bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen dessen Sturz getötet worden waren.

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