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25.01.2017

00:40 Uhr

Ägypten

Al-Sissi will das Scheidungsrecht ändern

Was macht man, wenn sich viele Menschen im Land nach einer kurzen Ehezeit scheiden lassen? Man macht es ihnen schwerer. Das hat sich zumindest der ägyptische Präsident al-Sissi vorgenommen.

Bei einer Hochzeit im ägyptischen Nildelta regnet es Geld auf Braut und Bräutigam. Rund 40 Prozent der Ehen in dem muslimischen Land gehen nach wenigen Jahren wieder auseinander. AFP; Files; Francois Guillot

Geldregen zur Hochzeit

Bei einer Hochzeit im ägyptischen Nildelta regnet es Geld auf Braut und Bräutigam. Rund 40 Prozent der Ehen in dem muslimischen Land gehen nach wenigen Jahren wieder auseinander.

KairoÄgyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi hat eine Reform des Scheidungsrechts vorgeschlagen. In Ägypten würden etwa 40 Prozent der Ehen nach fünf Jahren geschieden, sagte Al-Sissi am Dienstag in einer vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung. Deshalb solle der Staat darüber nachdenken, ob er künftig für eine Scheidung mehr verlange als eine einfache mündliche Erklärung des Ehemannes.

In Ägypten genügt es für eine Scheidung, dass ein Mann seiner Frau sagt, die Ehe sei beendet. Al-Sissi schlug nun vor, eine solche Scheidungserklärung solle erst dann gelten, wenn sie in Gegenwart eines vom Staat dafür autorisierten Geistlichen abgegeben werde.

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Einige scheidungswillige Paare suchen bereits einen solchen Geistlichen auf. Doch viele Muslime betrachten die Scheidung bereits dann als vollzogen, wenn der Mann sie ausspricht, etwa in der Hitze eines Ehestreits.

„Das kann nicht nur ein Wort sein, das beiläufig gesagt wird“, sagte Al-Sissi. Ein Paar müsse nach einem Streit die Möglichkeit haben, noch einmal nachzudenken.

Zugleich suchte er die Rückendeckung der Geistlichkeit. „Was denken Sie, Euer Eminenz?“, fragte Al-Sissi den anwesenden Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tajeb. Die Universität wird von sunnitischen Muslime weltweit als Autorität anerkannt.

Der fromme Muslim al-Sissi hat sich immer wieder für eine Debatte über den Zustand des Islam ausgesprochen, um extremistischen Glaubensauslegungen zurückzuweisen, wie sie etwa die Terrormiliz Islamischer Staat vertritt. Mit seinem Vorstoß für eine Reform des Scheidungsrechts könnte er in der patriarchalischen Gesellschaft Ägyptens auf den Widerstand konservativer Geistlicher und militanter Islamisten stoßen.

Von

ap

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

25.01.2017, 08:45 Uhr

Mann sollte nicht meinen, dass Ägypten ein Paradies für Männer ist.

Das Eherecht verteilt die Lasten einer Scheidung allerdings wesentlich fairer auf beide Parteien. Im Gegensatz zu Deutschland haben Männer und Frauen wirksame Instrumente um Kinder die bei(m) Ex leben auch zu sehen. Damit entfallen die massiven Menschenrechtsverletzungen die in Deutschland durch das Regime und dessen radikalfeministische Ideologie bewusst begangen werden.

Die Ehe ist im Islam ein Vertrag. Die Vermögen bleiben getrennt. Mann hat die Pflicht die Familie zu ernähren, die Frau kann ihr Vermögen behalten und eigenständig verwalten. Regelmässig wird im Ehevertrag ein Brautpreis und eine Abfindung für die Frau für den Fall der Scheidung vereinbart. Da manche Männer überschäumen sind das dann Beträge die diese dann manchmal überfordern und ähnlich eines Unterhalts abgestottert werden.

Ägyptische Scheidungsgerichte sprechen die Familienwohnung häufig der Frau zu. Kinder unter 12 - 14 kommen zur Mutter, ältere Kinder zum Vater. Kindesunterhalte werden zugesprochen, im Gegenzug erhält Mann ein Besuchsrecht. Im Fall eines einstigen Kollegen mit sehr streitiger Ex war die Unterhaltszahlung und Abfindung an das Besuchsrecht gekoppelt, so dass beide ihre Verpflichtungen zähneknirschend erfüllten.

Insgesamt sind beide Partner durch die engen Familienbanden eng verknüpft und haben viele Regeln und Verpflichtungen untereinander. Viele Männer (ehemalige Kollegen) fühlten sich wie ein Geldautomat auf Beinen.

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