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27.05.2017

13:24 Uhr

Ägypten

Christen bei Überfall auf Bus getötet

Immer wieder werden Christen in Ägypten zum Terrorziel. Oft steckte die sunnitische Miliz Islamischer Staat dahinter- auch diesmal? Die Staatsführung hat schon Schuldige ausgemacht und Luftangriffe im Nachbarland angeordnet.

Ägypten

Zahlreiche Tote bei Anschlag auf koptische Christen

Ägypten : Zahlreiche Tote bei Anschlag auf koptische Christen

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Rom/KairoNach dem Terroranschlag auf Christen in Ägypten mit mindestens 28 Todesopfern hat das Militär des Landes Ausbildungslager militanter Islamisten angegriffen. Dies sagte Präsident Abdel Fattah Al-Sisi am Freitag im Fernsehen. Ziel war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena unter anderem das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin in der ostlibyschen Stadt Derna. Laut dem Sender Al-Arabiya gab es auch Todesopfer unter den Extremisten. Al-Jazeera meldete unter Berufung auf Militärkreise, es habe in der Region insgesamt sechs Luftangriffe gegeben.

Bei dem Terrorangriff bewaffneter Männer auf den Bus mit Christen waren zuvor am Freitag im Zentrum Ägyptens auch mindestens 22 Menschen verletzt worden. Zunächst war unklar, wer für die Tat verantwortlich ist.

Seit dem Sturz des frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 hat Ägypten zahlreiche Anschläge erlebt. Mehrfach wurden Christen zum Ziel. Sie machen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus.

Die Hafenstadt Derna war neben der zentrallibyschen Küstenstadt Sirte bis zum Sommer 2016 eine der wichtigsten Hochburgen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen.

Al-Sisi: Frommer Vater, sanfter Redner, Unterdrücker

Fromm und autoritär

Mit sanfter Stimme und harter Hand führt Abdel Fattah al-Sisi Ägypten unter zunehmender Kritik. Wenn der ebenso fromme wie autoritäre Präsident durch das Land tourt, trägt er neben Sonnenbrille sein Gebetsmal, eine „Sabiba“, auf der Stirn. Den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi stürzte Al-Sisi als Oberbefehlshaber der allmächtigen Armee 2013 in einem blutigen Putsch. Ein Jahr später wurde er selbst Staatsoberhaupt.

Hartes Durchgreifen

Seitdem greift der Ex-General, den die Armee prägte, gegen alles durch, was die Stabilität am Nil und seine eigene Macht gefährden könnte. Menschenrechtlern zufolge sitzen Zehntausende Oppositionelle teilweise ohne Prozess im Gefängnis. Die Zivilgesellschaft wird systematisch erstickt, während die Presse weitgehend gelenkt ist. Die islamistischen Muslimbrüder werden unter Al-Sisis Führung als Terroristen verfolgt.

Von der Wirtschaftslage entzaubert

Mehr als drei Jahre nach den Arabischen Aufständen und dem Ende von Langzeitherrscher Husni Mubarak 2011 als großer Hoffnungsträger gestartet, wird Al-Sisi heute zunehmend von der desaströsen Wirtschaftslage entzaubert. Schwindende Einnahmen auch im Tourismus ließen die Dollarreserven sinken - das Ägyptische Pfund verlor bis zu 50 Prozent seines Wertes. Die Preise im bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt steigen. Die Bürger werden kritischer - auch gegenüber „El Rais“, dem Präsidenten.

Etablierte Staatsmann

Auf internationaler Bühne ist Al-Sisi, der sich gerne volksnah gibt und arabisch mit ägyptischem Dialekt spricht, ein etablierter Staatsmann. Auch deshalb, weil der Westen im Kampf gegen den Terrorismus auf ihn baut.

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Anschlag scharf. „Die Terroristen führen einen Krieg gegen die Zivilisation“, heißt es in einer Mitteilung Trumps, die das Weiße Haus veröffentlichte. Alle, die das Leben wertschätzten, müssten dagegen vorgehen, forderte er. „Überall wo das Blut Unschuldiger vergossen wird, erhält die Menschheit eine Wunde“, heißt es dort.

Die christlichen Gemeinden im Nahen Osten müssten verteidigt und geschützt werden, betonte der US-Präsident. Die USA stünden an der Seite des ägyptischen Volkes, wenn es gelte, den gemeinsamen Feind zu besiegen. Amerika werde auch alles Nötige tun, um sein eigenes Volk zu schützen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff aufs Schärfste. „Es kann keine Rechtfertigung geben für solch furchtbare Gewalt“, sagte er. Guterres sprach den Opfern und den Hinterbliebenen sowie Regierung und Volk Ägyptens sein Mitgefühl aus.

Der Bus mit den Christen war nach Angaben ägyptischer Sicherheitskreise auf dem Weg zu dem Kloster St. Samuel gewesen, das auf halbem Weg zwischen der Stadt Al-Minja und Kairo liegt. Unbekannte hätten sich nordwestlich der Stadt Al-Minja in drei Autos dem Bus genährt und das Feuer eröffnet. Augenzeugen berichteten, etwa zehn Bewaffnete in Uniform hätten auf die Insassen geschossen und seien dann entkommen.

Kampf gegen den Terror: Ägypten tötet angeblich IS-Männer

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Christen im Nahen Osten müssen besser geschützt werden, verlangt die evangelische Kirche nach den Anschlägen in Ägypten. Die Regierung am Nil verkündet erste Erfolge nach Inkrafttreten des Ausnahmezustands.

Anfang April starben am Palmsonntag bei einem Doppelanschlag auf Kirchen in Alexandria und in Tanta mehr als 45 Menschen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Taten für sich. Die Regierung rief danach den Ausnahmezustand aus. Die Extremisten sind vor allem auf der Sinai-Halbinsel stark, haben aber auch in anderen Regionen des Landes Anhänger.

Papst Franziskus hat einen Tag nach dem tödlichen Anschlag auf koptische Christen in Ägypten für die Opfer gebetet. Während eines Besuchs in der italienischen Hafenstadt Genua erinnerte das Oberhaupt das katholischen Kirche am Samstag an „unsere Brüder, ägyptische koptische Christen, die getötet wurden, weil sie ihren Glauben nicht aufgeben wollten“.

„Erinnern wir uns daran, dass es heute mehr christliche Märtyrer gibt als während des Altertums“, fügte Franziskus hinzu. Vermummte hatten am Freitag, vor Beginn des Fastenmonats Ramadan, rund 220 Kilometer südlich von Kairo einen mit Kopten besetzten Bus angegriffen.

Die Zahl der Todesopfer, die zunächst mit 28 angegeben wurde, stieg am Samstag auf 29. 13 Verletzte würden noch in Krankenhäusern in Kairo und Al-Minja behandelt, erklärte das ägyptische Kabinett am Samstag.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi machte die Terrormiliz IS für die Tat verantwortlich. Er erklärte, die Regierung habe deshalb Luftangriffe auf Ausbildungslager der Miliz in Libyen angeordnet.

Kommentare (7)

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Herr Holger Narrog

26.05.2017, 13:45 Uhr

Ich hatte mehrere Jahre in der Region gelebt. Übergriffe der muslimischen Mehrheitsbevölkerung gibt es in Ägypten regelmässig. Das politische System, basierend auf Militär und Polizei diskriminiert die Christen, schützt diese aber auch in gewissem Masse vor den gewalttätigen Übergriffe der Muslims ähnlich dem Assad Regime in Syrien.

Der Islam ist eine ziemlich aggressive Religion (wie einst auch das Christentum) mit dem Ziel der weiteren Ausbreitung. In mehreren Suren wird das Töten, unterjochen Ungläubiger beschrieben, gefordert.

Persönlich hatte ich und meine Familie nicht schlecht gelebt. Allerdings ist das Leben in einem Land mit einem erheblichen Anteil Muslime etwas was man sich als Ungläubiger überlegen sollte.

Herr Leo Löwenstein

26.05.2017, 14:13 Uhr

Da der Islam die Scharia grundsätzlich über alle geltenden Gesetze eines Staates stellt, ist der Islam in meinen Augen keine akzeptable Religion.
Der heutige Islam und der Islam der letzten 1400 Jahre ist eine Staatsform und gehört in dieser Form nicht zu Deutschland.
Der große Prophet hat gewütet, so wie es der IS heute nachmacht. Er war letztendlich auch nur ein Schlächter, der leider gewaltige Spuren in der Geschichte hinterlassen hat.
Das Christentum war in seiner "Blütezeit" auch gewalttätig, ist aber inzwischen gemäßigt. Der Islam muss da erst noch hinkommen, und erst dann ist er eine zu akzeptierende Religion, vorher nicht.
Scientology verteufeln wir, aber haben die schon mal Attentate verursacht?

Jaja, es sind nicht alle so, aber zu wenige sind liberale aufgeklärte Moslems, Entschuldigung, heißt ja jetzt Muslime, machts aber auch nicht besser.

Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber fast alle Terroristen sind Muslime, weltweit.

Herr Grutte Pier

26.05.2017, 14:25 Uhr

statt "Bewaffnete" hätte man auch Islam-Gläubige schreiben können.

Aber das "I"-Wort muss unter allen Umständen vermieden werden - es könnte die, die schon länger hier leben, beunruhigen.

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