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13.09.2011

13:06 Uhr

Ägypten

Erdogan wirbt für säkularen Staat

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat in Ägypten zu einer Trennung von Religion und Staat aufgerufen. Außerdem forderte er die politischen Kräfte auf, den Staat nach dem Sturz des Regimes zu modernisieren.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan: In Sachen Trennung von Staat und Religion sieht er die Türkei als Vorbild für Ägypten. dpa

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan: In Sachen Trennung von Staat und Religion sieht er die Türkei als Vorbild für Ägypten.

Kairo/ IstanbulDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Ägypten zu einer Trennung von Staat und Religion aufgerufen. Dabei bezeichnete er die Türkei als Vorbild. In einem zum Auftakt seiner Reise in Ägypten ausgestrahlten Fernsehinterview sagte Erdogan an das ägyptische Volk gerichtet: „Macht Euch keine Gedanken wegen des Laizismus. Ich hoffe auf einen laizistischen Staat in Ägypten.“ 

Erdogan sagte dem ägyptischen Privatsender Dream TV, das Prinzip der Trennung von Staat und Religion müsse in der neuen ägyptischen Verfassung garantiert sein. Dies bedeute nicht, dass die Religion keine Rolle spiele. Es bedeute, dass der Staat die Religion achte und zu allen Religionen die selbe Distanz halte, sagte Erdogan. Er stehe einem säkularen Staat vor, sei aber Muslim. Jeder habe das Recht, religiös zu sein oder nicht. 

In dem am Vorabend ausgestrahlten Interview, aus dem türkische Medien am Dienstag zitierten, rief Erdogan die politischen Kräfte in Ägypten dazu auf, den Staat nach dem Sturz des Regimes zu modernisieren. Nötig seien ein besseres Verwaltungswesen, Anstrengungen für ein besseres Bildungswesen sowie eine Modernisierung des Finanzstrukturen und der Kampf gegen Korruption. Die Türkei und Ägypten wollten ihre Zusammenarbeit ausbauen. 

Der türkische Regierungschef zeigte sich Israel gegenüber im Streit um Gaza unversöhnlich. Nach dem Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte habe Israel mit der Türkei einen strategischen Partner verloren. „Niemand kann mit der Türkei oder der türkischen Ehre spielen“, sagte Erdogan. 

Mit einer mehrtägigen Reise nach Ägypten, Tunesien und Libyen sucht Erdogan eine weitere Annäherung an die arabische Welt. Der Besuch hat vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen Israel und seinen langjährigen regionalen Partnern, der Türkei und Ägypten, gesteigerte Bedeutung. Erdogan will noch am Dienstag in der ägyptischen Hauptstadt eine Grundsatzrede halten. 

Laizismus ist in der türkischen Verfassung als Grundzug der Republik festgelegt. Streng genommen gibt es aber in der türkischen Variante keine Trennung von Staat und Religion. Zwar soll der Staat die Religion aus der Politik heraushalten, zugleich beansprucht er, die Religion streng zu kontrollieren und anzuleiten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Selberdenker

13.09.2011, 13:36 Uhr

Hahahahaha, Erdogan macht Werbung für Säkularisierung? Wie soll das denn bitteschön aussehen, wenn schon in der Türkei selbst beispielsweise keine Priester ausgebildet werden und keine Kirche gebaut werden dürfen?
Etwa so "Jede Religion ist gleichberechtigt, solange sie islamisch ist"?

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