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18.05.2013

10:45 Uhr

Ägypten

Erneut Kämpfe zwischen Muslimen und Christen

Acht Festnahmen, Dutzende Verletzte und ein Todesopfer sind die Bilanz der jüngsten Zusammenstöße zwischen Muslimen und Christen in Ägypten. Auch in der Hauptstadt bleibt eine Anti-Mursi-Demo alles andere als friedlich.

Demonstranten in Kairo: Viele Christen fühlen sich nicht mehr sicher in Ägypten. AFP

Demonstranten in Kairo: Viele Christen fühlen sich nicht mehr sicher in Ägypten.

KairoBei Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen in der zweitgrößten ägyptischen Stadt Alexandria ist einem Medienbericht zufolge ein Mensch getötet worden. Dutzende Menschen seien zudem verletzt worden, meldete die staatliche Zeitung „Al-Ahram“. Die Kämpfe brachen demnach vor einer koptischen Kirche am späten Freitagabend aus. Ein Streit zwischen zwei jungen Männern habe sich zu einer Familienfehde ausgeweitet, die dann die Ausschreitungen im Westen der Stadt ausgelöst hätten. Die Kämpfe hielten Sicherheitskreisen zufolge zwei Stunden an, bevor die Polizei sie beenden konnte. Acht Menschen seien festgenommen worden.

Die Spannungen zwischen Muslimen und Christen, die etwa zehn Prozent der 84 Millionen Ägypter ausmachen, haben seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 zugenommen - und besonders seit der Wahl des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im vergangenen Juni. Christen beklagen einen unzureichenden Schutz durch die Regierung und werfen ihr vor, radikalen Muslimen freie Hand zu lassen.

Chronologie: So eskalierte die Lage in Ägypten

22. November 2012

Dem Verfassungsgericht spricht Mursi die Kompetenz ab, über die Rechtmäßigkeit des von Islamisten dominierten Verfassungskomitees zu entscheiden. Zugleich sichert er sich selbst das letzte Wort in praktisch allen politischen Fragen.

23./24. November 2012

Die Empörung unter Mursis politischen Gegnern wächst. Hunderttausende gehen auf die Straße. Auch Ägyptens Richter protestieren, doch Mursi bleibt hart.

28. November 2012

Die zwei höchsten Berufungsgerichte des Landes stellen aus Protest ihre Arbeit ein.

2. Dezember 2012

Unter dem Druck Tausender islamistischer Demonstranten stellt das ägyptische Verfassungsgericht seine Arbeit ein. Anhänger von Mursi umstellen das Gebäude und blockieren die Zugänge. Das Gericht wollte über eine Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung entscheiden.

4. Dezember 2012

Mehrere einflussreiche Zeitungen stellen aus Protest ihr Erscheinen ein. Die Gewalt eskaliert erneut, die Polizei setzt Tränengas gegen Zehntausende Demonstranten in Kairo ein.

5. Dezember 2012

Vor dem Präsidentenpalast in Kairo kommt es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten. Mindestens fünf Menschen kommen ums Leben, 600 werden verletzt.

6. Dezember 2012

Die Streitkräfte lassen Panzer vor dem Präsidentenpalast auffahren. In einer Rede an die Nation ruft Mursi seine Gegner zum Dialog auf, hält aber am Verfassungsreferendum fest.

15./ 16. Dezember 2012

In zehn Provinzen beginnt die erste Abstimmungsrunde über den Verfassungsentwurf. Die Opposition wirft den Islamisten Manipulation vor und fordert eine Wiederholung.

11. Dezember 2012

Wieder gehen Zehntausende Menschen auf die Straße und protestieren gegen den Verfassungsentwurf. Anhänger der Regierung demonstrieren ihre Unterstützung für die neue Verfassung.

12. Dezember 2012

Die ägyptische Opposition ruft ihre Anhänger auf, bei dem bevorstehenden Referendum über den Verfassungsentwurf mit Nein zu stimmen. Der Richterverband will die Abstimmung nicht überwachen.

Doch auch ein nicht unerheblicher Teil der muslimischen Bevölkerung lehnt Mursi und die islamistischen Muslimbrüder ab, die sich mit Vorwürfen konfrontiert sehen, die Ideale der Revolution von 2011 zu verraten. Am Freitag demonstrierten in Kairo wieder Tausende gegen den Präsidenten. Auch dabei kam es im Anschluss zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Jugendlichen. Die Einsatzkräfte reagierten einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge mit dem Einsatz von Tränengas, als die Gruppe sie mit Brandsätzen und Steinen bewarfen. Mehrere Menschen seien festgenommen worden.

Auf der Kundgebung wurden auch Unterschriften für eine Petition gesammelt, die die Absetzung Mursis und vorgezogene Wahlen fordert. Nach Angaben der Organisatoren wurde der Aufruf bereits zwei Millionen Mal unterzeichnet. An der Demonstration selbst nahmen jedoch längst nicht so viele Mursi-Gegner teil, wie noch an den Protesten vor einigen Monaten. Aufgerufen zu der Demonstration gegen Mursi und die islamistische Muslimbruderschaft hatten die oppositionelle Al-Dastur-Partei und die Bewegung 6. April. Diese hatte eine führende Rolle bei den Protesten gespielt, die im Februar 2011 zum Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak führten.

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