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29.06.2013

11:52 Uhr

Ägypten

"Es gibt keine Stimmen der Vernunft"

Nach den Ausschreitungen am Freitag verlassen viele Ausländer Ägypten. Unterdessen warnt ein deutscher Beobachter vor einer gefährlichen Eskalation und beklagt, dass Stimmen der Vernunft fehlen.

Der Riss geht durch die Gesellschaft: Anhänger und Gegner Mursis treffen in Alexandria aufeinander. dpa

Der Riss geht durch die Gesellschaft: Anhänger und Gegner Mursis treffen in Alexandria aufeinander.

Alexandria/Kairo/IstanbulZahlreiche Ausländer verlassen derzeit Ägypten. Wie am Samstag aus Kreisen des Kairoer Flughafens verlautete, waren sämtliche Flüge in die USA, nach Europa und in die Golfstaaten ausgebucht. Auch das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Staatsbürgern „nachdrücklich“, während und nach den angekündigten Großdemonstrationen „besondere Vorsicht walten zu lassen und den jeweiligen Einzugsbereich der Demonstrationen (für Kairo insbesondere die Innenstadt und Heliopolis) weiträumig zu meiden“.

Der Leiter des Kairoer Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung, Ronald Meinardus, sieht eine „einzigartige Polarisierung“; die Situation sei ausgesprochen gefährlich. "Es gibt keine Stimmen der Vernunft", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Niemand wolle Brücken schlagen, sondern alle Ägypter rechneten sich entweder dem einen oder den anderen Lager zu.

Auf der einen Seite stünden die Islamisten, die sich auf die gewonnenen Wahlen beriefen, auf der anderen Seite die säkularen Kräfte, die die Legitimität der Regierung bestritten. „Und der Graben wird von Tag zu Tag tiefer.“

Tote bei Krawallen in Ägypten

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Allerdings sorge sich die große Mehrheit der Ägypter weniger über politische Fragen, sondern sei mit existenziellen wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, fügte er hinzu. „Es gibt kein Benzin an den Tankstellen, es gibt Stromausfälle täglich, und das ist eine Situation, wo die Arbeitslosigkeit wächst und wo es gewissermaßen keine richtige Perspektive gibt. Und das treibt die Menschen auf die Straße.“

Am Sonntag ist der islamistische Präsident Mohammed Mursi ein Jahr im Amt. Die oppositionelle Protestbewegung will ihm am Jahrestag seiner Vereidigung mehr als 20 Millionen Unterschriften von Bürgern übergeben, die seine Absetzung und Neuwahlen fordern. Es droht eine neue Eskalation der Gewalt.

Kommentare (7)

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Tabu

29.06.2013, 12:05 Uhr

"Es gibt keine Stimmen der Vernunft"
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Seit 1985 stieg die Bevölkerung Ägyptens um fast zwei Drittel von 50 Millionen in 1985 zu 83 Millionen heute, mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren.
Dazu nur eine brauchbare Anbau und Wohnfläche,die
kleiner ist als Baden-Würtemberg und Bayern.
Ansonsten nur Wüste.Jedes Jahr kommen 2,5 Millionen Geburten dazu.
Lebensmittel müssen importiert werden.
Und was hat Ägypten für nennenswerte Wirtschaftszweige.
Den Suezkanal und den Tourismus..
Und jede Menge Aggressionspotenzial durch übermäßig
viel Jugend ohne Perspektive und mit dem Islam im Gepäck.
Nur eines wird diese Jugend nicht tun,verhüten.

Das Risiko der Unruhen und Instabilittä werden "besonders hoch" in Afrika, in Süd- und Zentralasien, im Nahen Osten
sein-hieß es im US-National-Intelligence Rat bei einer Expertenrunde,die unter dem Thema
"Weltregierung 2025: An einem kritischen Kreuzpunkt"tagte.

Frieda

29.06.2013, 13:48 Uhr

Traurige Perspektiven. Bleibt nur zu hoffen, dass das ägyptische Volk seinen Weg ohne Einmischung von außen finden kann.

Ungruen

29.06.2013, 15:28 Uhr

"Jedes Jahr kommen 2,5 Millionen Geburten dazu."

Also lasst uns die Grünen Abtreibubgsapostel rüber schicken!
Haben hier ja auch "Erfolg" gehabt.

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