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16.08.2014

12:18 Uhr

Ägypten

Gewalt zwischen Muslimbrüdern und Polizei

Anhänger der Muslimbrüder schüren Brände – die ägyptische Polizei schießt scharf. Seit Donnerstag prallen beide Seiten in Kairo immer wieder aufeinander. Es geht um die Deutungshoheit über ein Massaker.

Ägyptische Sicherheitskräfte kontrollieren festgenommene Demonstranten. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Muslimbruderschaft und Sicherheitskräften scheinen kein Ende zu nehmen. dpa

Ägyptische Sicherheitskräfte kontrollieren festgenommene Demonstranten. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Muslimbruderschaft und Sicherheitskräften scheinen kein Ende zu nehmen.

KairoIn Ägypten nehmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Muslimbruderschaft und Sicherheitskräften kein Ende. Seit zwei Tagen kommt es in Kairo immer wieder zu Zusammenstößen; allein am Freitag wurden dabei mindestens zehn Menschen getötet, wie ägyptische Medien am Samstag berichten. Bereits am Donnerstag, dem ersten Jahrestag der gewaltsame Niederschlagung der Muslimbruder-Protestcamps in der Hauptstadt Kairo, hatte es fünf Tote gegeben, darunter ein Polizist.

Nach Berichten des ägyptischen Nachrichtenportals Ahram Online wurden am Freitag fünf Anhänger der Bruderschaft in Giza im Westen Kairos getötet. Die Männer hätten zwei Busse in Brand gesetzt und versucht, Sprengladungen zu zünden. 136 weitere seien verhaftet worden. Bei einem anderen Zusammenstoß seien drei weitere Demonstranten umgekommen. Das Nachrichtenportal Al-Masry al-Youm meldete, zwei Demonstranten seien erschossen worden, nachdem sie auf Polizisten gefeuert hätten. Nach Angaben beider Medien wurden insgesamt zehn Sicherheitskräfte bei den Zusammenstößen verletzt.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Kairos Polizei sichert seit Donnerstag gemeinsam mit dem Militär die großen Zufahrtsstraßen der Stadt sowie zentrale Plätze. Der Tahrir-Platz und der Rabia-Platz sind fast komplett abgeriegelt, Demonstrationen hatte es dort bis zum Samstag keine gegeben

Die Muslimbruderschaft hatte zuvor eine Woche der Trauer angekündigt, um die Toten des „Rabia-Massakers“ vom 14. August 2013 zu ehren. Bei dem Massaker wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch mehr als 800 Demonstranten von der Polizei getötet. Die ägyptischen Sicherheitskräfte hatten Sit-Ins der Muslimbruderschaft aufgelöst, nachdem diese wochenlang für den ihr nahestehenden Präsidenten Mohamed Mursi demonstriert hatten.

Mursi war vom damaligen Armeechef und heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gestürzt worden. Seitdem fährt die ägyptische Regierung einen harten Kurs gegen de Muslimbruderschaft: Die Organisation wurde als terroristische Vereinigung eingestuft, die Gelder der zugehörigen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit eingefroren. Mehr als 16 000 Anhänger wurden nach Angaben von Amnesty International verhaftet, Hunderte zum Tode verurteilt.

Von

dpa

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