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21.08.2013

10:44 Uhr

Ägypten-Krise

Israel setzt auf Sisi

VonPierre Heumann

Während in Europa und in den USA darüber debattiert wird, welche Politik gegenüber dem neuen Regime in Kairo opportun wäre, geht Jerusalem in die Offensive und fordert weltweite Unterstützung für General Sisi.

Ägyptens neuer starker Mann: General Abdel Fattah al-Sisi sollte nach Ansicht von Israel „von der ganzen Welt“ unterstützt werden. Reuters

Ägyptens neuer starker Mann: General Abdel Fattah al-Sisi sollte nach Ansicht von Israel „von der ganzen Welt“ unterstützt werden.

Tel AvivIsrael rührt die Werbetrommel für den neuen Machthaber in Ägypten. „Die ganze Welt sollte Sisi unterstützen“, so fasst der ehemalige Premier und Verteidigungsminister Israels, Ehud Barak, die Haltung Jerusalems gegenüber dem neuen Regime in Kairo zusammen. Was Barak unverhohlen in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN gefordert hat, daran arbeitet derzeit die israelische Regierung diskret.

Offiziell bezieht Jerusalem keine Stellung zu Abdel Fattah al-Sisi. Ein positives Wort könnte seinem Ansehen in der arabischen Welt schaden, befürchtet die israelische Regierung. Premier Benjamin Netanjahu hat deshalb die Minister angewiesen, sich nicht zur Krise in Ägypten zu äußern. Aber Regierungsvertreter machen im Hintergrundgespräch kein Geheimnis aus der Interessenlage Israels: „Wir wünschen uns Stabilität an der Grenze zu Ägypten.“

Unruhen im größten Land, das an Israel grenzt, „sind nicht sehr gut für uns“, heißt es in Jerusalem. Wichtig sei für Israel vor allem, dass der Friedensvertrag mit Ägypten nicht angetastet werde; er sei einer der wichtigsten Grundsteine der Stabilität im Mittleren Osten. Diese seltsame Solidarität Israels mit dem Gewalt-Regime in Kairo ist Realpolitik, geboren aus der schieren Angst vor Instabilität.

Israel

Einwohner

7,8 Millionen

Staatsform

parlamentarische Republik

Staatschef

Schimon Peres

Besonderheiten

Die gefühlte Bedrohung durch den Iran beherrscht die politische Agenda.

Israels Diplomaten erklären derzeit in Gesprächen mit amerikanischen und europäischen Regierungen, warum Armeechef Sisi in Jerusalem positiv gesehen wird. Die „New York Times“ hatte in diesem Zusammenhang gar von einer „diplomatischen Kampagne“ zugunsten von Sisi gesprochen. „Armee oder Anarchie“ – das seien die Alternativen, mit denen Ägypten derzeit konfrontiert sei, fasst die Zeitung Israels Botschaft zusammen. Das Militär sei die einzige Chance, um dem Chaos am Nil ein Ende zu setzen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Israel jüngst sogar eine weitaus größere Rolle in dem Konflikt unterstellt und behauptet, das Land habe bei der Absetzung des Präsidenten Mohammed Mursi seine Hände im Spiel gehabt. Die Türkei verfüge über entsprechende Beweise, sagte Erdogan, allerdings ohne Details zu nennen. Die USA kritisierten Erdogan für diese Äußerungen scharf. Israel nannte sie „absurd“.

Aus israelischer Sicht ist vor allem die Bekämpfung von Terroristen auf der Sinai-Halbinsel ein zentrales Anliegen. Am Montag wurden dort bei einer Explosion 24 ägyptische Polizisten getötet. Immer wieder gelingt es Terroristen, Anschläge auf die Sicherheitskräfte zu verüben, zuletzt am 5. August, als fünf ägyptische Soldaten bei einem Angriff an einer Straßensperre in der Provinzhauptstadt El-Arish getötet wurden.

Sisi will dem Terror auf dem Sinai nun ein Ende setzen – mit aller Härte. Er hat die Übergänge in den Gazastreifen geschlossen, der von der radikal-islamischen Hamas kontrolliert wird. Seit einigen Wochen ist zudem eine groß angelegte Operation gegen Lager und Zentren der Islamisten im Sinai im Gang.

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