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27.07.2013

09:30 Uhr

Ägypten

Machthaber wollen jetzt durchgreifen

In der Nacht zum Samstag sind die Ausschreitungen in Kairo weitergegangen. Mehr als 70 Protestierende sollen getötet worden sein. Die Übergangsregierung droht nun zudem mit einer drastischen Maßnahme.

Tote und Verletzte bei nächtlichen Auseinandersetzungen in Kairo

Video: Tote und Verletzte bei nächtlichen Auseinandersetzungen in Kairo

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KairoNach den jüngsten Ausschreitungen wollen die aktuellen Machthaber in Ägypten die Dauerdemonstrationen der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi verbieten. Die Sitzblockaden von zehntausenden Mursi-Anhängern in Kairo würden "im Rahmen des Gesetzes" gestoppt, sagte Innenminister Mohammed Ibrahim am frühen Samstagmorgen dem Sender Al-Hajat. "Es wird bald Entscheidungen der Staatsanwaltschaft geben, diese Situation wird beendet", sagte er in dem Telefoninterview.
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind bis zum frühen Samstagmorgen zahlreiche Menschen durch Sicherheitskräfte getötet worden.

Die Zahlenangaben schwanken. Die Agentur Reuters zitiert Vertreter der Muslimbrüder, wonach mehr als 70 Protestierende getötet worden seien. Ein Sprecher der Muslimbrüder, Gehad El-Haddad, sagte der Agentur, die Zahl der Opfer könne noch viel höher sein. Im ägyptischen Programm des TV-Senders Al Dschasira hieß es, 120 Menschen seien bei dem Vorfall am Rande einer 24-Stunden-Wache von Mursi-Anhängern nahe einer Moschee getötet und etwa 4500 weitere verletzt worden. Nach Angaben der Agentur AFP kamen zudem sieben Menschen in Alexandria ums Leben.

Pläne der ägyptischen Armee nach dem Sturz Mursis

Schritt 1

Aussetzung der Verfassung. Anschließend Bildung eines Gremiums aus Vertretern der Gesellschaft und Experten, um Verfassungsänderungen zu prüfen.

Schritt 2

Einsetzung des Verfassungsgerichtspräsidenten Adli Mansur als Präsident für die Übergangszeit. Er darf Dekrete erlassen.

Schritt 3

Vorgezogene Präsidentenwahlen

Schritt 4

Einsetzung einer Expertenregierung, die mit vollen Rechten ausgestattet ist.

Schritt 5

Erlass von Regeln, um Pressefreiheit zu gewährleisten.

Schritt 6

Vorbereitung von Parlamentswahlen durch das Verfassungsgericht.

Schritt 7

Gründung einer Versöhnungskommission.

Die Kräfte hätten bei einem Protest gezielt auf Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi geschossen, sagte ein Sprecher der Muslimbrüderschaft, die Mursi nahe steht. "Sie schießen nicht, um zu verletzen, sie schießen, um zu töten", sagte der Sprecher. Demonstranten seien an Kopf und Brust getroffen worden. Zunächst habe die Polizei mehrfach Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt. Dann hätten die Sicherheitskräfte aus nächster Nähe geschossen. Von ihrer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor.
Bereits am Freitag war es zu erneuten Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis gekommen. Dabei hatte es Tote und Verletzte gegeben, die meisten davon in Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes. Im ganzen Land waren am Freitag Hunderttausende dem Aufruf von Armeechef Abdel Fattah al-Sissi zu Demonstrationen gegen die Islamisten gefolgt, die ihrerseits in großer Zahl auf die Straße gingen. Angeheizt wurden die Proteste von dem Haftbefehl gegen den Islamisten Mursi, dem die Staatsanwaltschaft Mord an Soldaten und Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Hamas vorwirft. Das Militär hatte Mursi Anfang Juli nach Massenprotesten gegen dessen Politik der Islamisierung abgesetzt.
Die Dauerproteste begannen nach der Entmachtung Mursis am 3. Juli. Seitdem halten seine Anhänger den Rabaa-al-Adauija-Platz in der Hauptstadt besetzt. Sie wollen erreichen, dass der islamistische Präsident wieder eingesetzt wird. Innenminister Ibrahim erklärte, es habe Beschwerden der Anwohner gegen die Protestlager gegeben.

Kommentare (3)

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dschungelmann

27.07.2013, 11:29 Uhr

So, mit Hilfe der USA , wie immer,ist die Buechse der Pandora nun auch in Aegypten geoeffnet. Laut neusten Berichten gehen die Toten in die hunderte landesweit und die Verletzen in die Tausende. Menschen wurden von der Armee ohne jeden Grund einfach erschossen. Die Freunde der MB werden an der libyschen Grenze schon die Waffen stapeln. Ich bin kein Freund der MB, aber soetwas kann nur blutig enden. Der naechste Buergerkrieg steht unmittelbar bevor. Armes Aegypten. Was sagt eigentlich der gekaufte Ban dazu?

trottellumme

27.07.2013, 14:29 Uhr

Man könnte das auch anders sehen: die Syrische NS(F)A sieht in den Zuständen in Ägypten eine willkommene Chance, ihre Forderungen via Ägypten durchsetzen zu können.
Heutzutage wird meist über Bande gespielt und nicht direkt.

Und die westliche Welt soll in solchen Zuständen zum Entfachen des Weltenbrandes genötigt werden, weil sie so moralisch ist.

Da diese Leute mit Moral nix am Hut haben, genausowenig wie die westliche Welt übrigens auch, werden sie zusehen müssen, wie sie das von ihnen erzeugte Problem lösen werden.

Dass sie es offenkundig nicht lösen wollen kann nicht Schuld des Westens sein.

Und es ist richtig, dass die ägyptische Armee derzeit agiert wie sie agiert.

Niki

27.07.2013, 14:59 Uhr

Das Ägyptische Volk kämpft um ihren gewählten Volksvertreter und was passiert hierzulande und in Europa? Europa schweigt und die Medien dazu. Als in Gezi Park die Krawallmacher und gewaltätige Randalierer mit Wasserwerfer und Tränengas begegnet wurden, wurde stundenlang live berichtet und Erdogansregierung heftigste kritisiert. Der Aufschrei war groß.In Ägypten massakrieren die Militärs in nur eine Nach 120 friedliche Wähler, die um ihre Wahl fürchten, und
alle schweigen.

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