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29.01.2011

08:22 Uhr

Ägypten

Mubaraks Rede kann Bevölkerung nicht beruhigen

Auch die Ankündigung des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, die Mitglieder des eigenen Kabinetts zu entlassen, hat die Gemüter der Demonstranten in Ägypten zu beruhigen. Im Gegenteil: Trotz Ausgangssperre waren wieder Tausende Ägypter auf den Straßen. Einem Medienbericht zufolge geht inzwischen ausschließlich das Militär gegen die Unruhen vor.

Regierungsgegner auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. Auch in der Nacht zum Samstag waren Tausende Ägypter auf den Straßen. DAPD

Regierungsgegner auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo. Auch in der Nacht zum Samstag waren Tausende Ägypter auf den Straßen.

HB KAIRO. Ungeachtet einer Ausgangssperre haben Tausende Ägypter in der Nacht zum Samstag ihre Proteste gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak fortgesetzt. Mubarak war es in seiner ersten Fernsehansprache seit dem Beginn der Proteste nicht gelungen, die Gemüter der Menschen zu beruhigen. Der 82-Jährige kündigte für Samstag die Bildung einer neuen Regierung an.

Ein Reporter des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira berichtete am frühen Morgen, es gebe keine Zusammenstöße mehr mit der Polizei, da die von den Straßen verschwunden sei. Sie sei durch Militär ersetzt worden. Die Demonstranten hatten die Soldaten zum Teil stürmisch begrüßt. Am Abend waren Panzer und Truppentransporter aufgefahren.

Die Demonstranten forderten nach der Rede in der Nacht weiter den Rücktritt des Staatschefs. „Mubarak muss das Land verlassen“, skandierten Regierungsgegner auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo.

Mubarak hatte in der Ansprache vor Chaos gewarnt und „neue Schritte hin zu mehr Demokratie“ sowie eine Verbesserung des Lebensstandards versprochen.

Zuvor waren am Freitag bei den bisher schwersten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen, tausende wurden verletzt. Demonstranten zündeten die Zentrale der Nationaldemokratischen Partei (NDP) an. Viele Polizeiwachen wurden in Brand gesteckt. Polizeifahrzeuge wurden demoliert.

US-Präsident Barack Obama drängte Mubarak zur Umsetzung der Reformversprechen. „Ich habe ihm gesagt, dass er die Verantwortung hat, seinen Worten eine Bedeutung zu geben“, sagte er in Washington.

Obama appellierte eindringlich an die ägyptische Führung, jegliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu unterlassen. Auch die Einschränkungen im Internet müssten zurückgenommen werden. Auch die Demonstranten rief Obama zum Gewaltverzicht auf: „Gewalt und Zerstörung werden nicht zu den Reformen führen, die sie suchen.“

Kommentare (3)

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Nach 30 Jahren Herrschaft

29.01.2011, 10:24 Uhr

hat der 82-jährige Mubarak keine Zukunft.

Triefauge

29.01.2011, 10:39 Uhr

so ein Quatsch, es ist doch nicht eine Frage, wie lange der Mubarak da gesessen hat, ob er nun gehen sollte oder nicht. bei manchem deutschen Politiker wäre es schön, wenn er sogleich wieder ginge. in Ägypten rast der Mob und den albernen westlichen Politkern fällt nichts anderes ein, als die Öffnung des internets zu verlangen. Was werden sie denn wohl sagen, wenn der Mob in Griechenland rast?

Mögliches Überspringen auf Süd-Europa nicht ignorieren

29.01.2011, 11:05 Uhr

Man darf die Gefahr eines Überspringen auf Süd-Europa nicht ignorieren. in manchen Südeuropäische Ländern, durch die harte angeordnete Sparmaßnahmen ist die Unzufriedenheit sehr groß.
Man muss bedenken dass es in vielen diesen Ländern kein Hartz iV oder ähnliches gibt. So dass manche Menschen sich in einer verzweifelten Lage befinden.

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