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09.02.2014

22:45 Uhr

Ägypten

Muslimbruderschaft soll gezielte Angriffe planen

Die ägyptische Regierung erhöht den Druck auf die Muslimbruderschaft: Der Partei wird vorgeworfenen, mit einem „militärischen Flügel“ die Sicherheitskräfte des Landes zu attackieren, so das Innenministerium.

Unterstützer der Muslimbrüder: „Republik der Angst.“ Reuters

Unterstützer der Muslimbrüder: „Republik der Angst.“

KairoDie ägyptische Regierung hat der Muslimbruderschaft von Ex-Präsident Mohammed Mursi vorgeworfen, mit einem neu gegründeten „militärischen Flügel“ die Sicherheitskräfte des Landes anzugreifen. Zwölf Personen im Auftrag der Muslimbruderschaft hätten von der Stadt Beni Suef aus Attacken auf Polizisten ausgeführt und Extremisten Unterschlupf gewährt, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Hani Abdel-Latif, am Sonntag.

In den vergangenen Monaten haben die Straßenproteste der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft abgenommen, dafür gibt es zunehmend kleinere Angriffe auf die Sicherheitskräfte, unter anderem mit Molotow-Cocktails oder selbst gebauten Granaten, die auf Polizeiautos oder Kasernen geworfen werden. Neue, bisher unbekannte Gruppen, die den gestürzten Mursi unterstützen, haben sich im Internet zu einigen der jüngsten Anschlägen bekannt.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Die Muslimbruderschaft wehrt sich seit dem Sturz Mursis im Juli gegen das Vorgehen der Polizei und der Justiz gegen ihre Mitglieder. Auch Säkulare und Liberale werfen dem Militär und der Regierung zunehmend vor, ein Klima der Einschüchterung zu schaffen. Der führende Islamist und ehemalige Präsidentschaftskandidat Abdel Moneim Abul Futuh warf der vom Militär gestützten Übergangsregierung am Sonntag davor, eine „Republik der Angst“ geschaffen zu haben. Er bekräftigte auch, dass er nicht bei der Präsidentschaftswahl in knapp zwei Monaten kandidieren wolle. Diese sei eine „Farce“ und würde inmitten von „Unterdrückung“ stattfinden.

Von

ap

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