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02.02.2011

14:20 Uhr

Ägypten

Präsident Mubarak hat verloren

VonMathias Brüggmann, Markus Ziener, Matthias Eberle , Martin Gehlen

Das Rennen um die Macht am Nil hat Ägyptens Präsident Hosni Mubarak in den letzten 24 Stunden verloren. Selbst mächtige Wortführer der US-Außenpolitik rückten von ihm ab. Der Nahe Osten ist ein ungemütlicher Ort für Diktatoren geworden.

Mubarak ist out: Die Regeln in Ägypten setzten längst andere. Quelle: DAPD

Mubarak ist out: Die Regeln in Ägypten setzten längst andere.

KAIRO/WASHINGTON. Das ägyptische Volk hat abgestimmt. Jung und Alt, verschleierte und unverschleierte Frauen, Herren im Nadelstreifenanzug und Männer im Blaukittel, zu Hunderttausenden sind sie in Kairo zum Tahrir-Platz geströmt, um friedlich gegen das seit 29 Jahren währende Regime des Präsidenten Mubarak zu demonstrieren.

Nachdem sich die Proteste gegen Mubaraks Herrschaft in den vergangenen Tagen zugespitzt hatten, gab die Armee, lange Zeit das zentrale Machtinstrument des Diktators, am Dienstag das entscheidende Zeichen zum Wandel: Die Anliegen des "großen ägyptischen Volkes" seien legitim, und die Armee werde nicht auf die Menschen schießen, erklärte Armeesprecher Ismail Etman im Staatsfernsehen.

Am Nachmittag erlaubten die Soldaten sogar, dass auf dem Tahrir-Platz via Großleinwand Al-Dschasira-TV gezeigt wurde - also jener arabische Sender, den Mubarak vor wenigen Tagen noch verboten hatte. Mubarak hat die Botschaft verstanden. Nach Konsultationen mit dem Sondergesandten von Präsident Barack Obama und früheren US-Botschafter in Kairo, Frank Wisner, erklärte Mubarak am späten Abend im ägyptischen Staatsfernsehen seinen Rückzug aus der Staatsführung im September. Bis dahin wolle er dazu beitragen, dass ein "sanfter Übergang zu einer neuen Führung" möglich sei, sagte Mubarak.

Die protestierende Bevölkerung ließ sich mit diesen Ankündigungen nicht beschwichtigen. "Wir bleiben, er muss gehen", skandierten Sprechchöre bereits während Mubaraks Fernsehansprache. "Am Freitag ziehen wir in den Präsidentenpalast ein", riefen verschiedene Protestgruppen.

Das Rennen um die Macht am Nil hatte Mubarak in den letzten 24 Stunden verloren. Selbst mächtige Wortführer der US-Außenpolitik rückten von ihm ab. "Die Ägypter sind über das gegenwärtige Regime bereits hinweg", schrieb der Demokrat John Kerry, ein enger Vertrauter von US-Außenministerin Hillary Clinton, am Dienstag in der "New York Times".

Die Regeln setzten in Ägypten ohnehin längst andere. Das Militär hatte in den letzten Tagen das Sagen. Dass sich die Armee in dieser entscheidenden Phase der ägyptischen Geschichte so volksnah und friedlich gab, führen Experten nicht zuletzt auf amerikanischen Druck zurück. Denn die Zeit der modernen F-16-Kampfjets und M1-Abrams-Panzer wäre ein für alle Mal vorbei gewesen, hätte Ägyptens Armee ihre Kanonenrohre auf das eigene Volk gerichtet. Zwei Milliarden Dollar pumpt Washington jährlich in das Staatsbudget Ägyptens, der Löwenanteil geht für Waffen und Ausrüstung an die Militärs. Nach Israel ist Ägypten der zweitgrößte Empfänger von regelmäßigen Hilfsgeldern aus Washington weltweit.

Jetzt hat das Land in den nächsten Tagen exakt die Wahl, die Mubarak in seiner Rede beschwor, die zwischen "Chaos oder Stabilität".

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