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11.08.2013

14:30 Uhr

Ägypten

Sinai-Halbinsel wird zum Schlachtfeld

Die ägyptische Armee geht nach Berichten von Anwohnern hart gegen Islamisten im Norden der Sinai-Halbinsel vor. Die Israelis sollen Raketen im Gebiet nahe der Grenze abgefeuert haben.

Die Leichen von vier Islamisten werden in Sinai zur Beerdingung gefahren. Reuters

Die Leichen von vier Islamisten werden in Sinai zur Beerdingung gefahren.

Al-Arisch/KairoWährend alle auf die Islamisten-Proteste in Kairo schauen, wird der Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel zum Schlachtfeld. Am Samstag wehte in Al-Dschura östlich von Al-Arisch die schwarze Fahne des Terrornetzwerks Al-Kaida, als Angehörige und Gesinnungsgenossen vier „Dschihadisten“ zu Grabe trugen. Sie waren am Vortag bei einem Luftangriff getötet worden, der Israel zugeschrieben wird. Am Sonntag meldeten Anwohner, mehrere Ziele in der Ortschaft Al-Tuma östlich von Al-Arisch seien in der Nacht von „Apache“-Hubschraubern der ägyptischen Armee aus beschossen worden.

Über mögliche Opfer des Angriffs in Al-Tuma wurde zunächst nichts bekannt. In dem Gebiet werden Islamisten vermutet, die an der Tötung von 16 Soldaten in Rafah vor einem Jahr beteiligt gewesen sein sollen.

Kurz nach der Hubschrauber-Attacke griffen islamistische Extremisten eine Polizeistation in der Provinzhauptstadt Al-Arisch an. Nachdem am Samstag eine Rakete vor dem Offiziersclub in Al-Arisch einen Soldaten verletzt hatte, durchkämmte die Armee den östlichen Vorort Al-Raisa, allerdings ohne Erfolg.

Ägyptens Zeitplan für den Übergang

Erstens

Innerhalb von 15 Tagen wird ein Gremium aus zehn Richtern und Universitätsprofessoren eingesetzt. Es soll Änderungen an der islamistisch geprägten Verfassung ausarbeiten, die noch unter der Mursi-Ära verabschiedet worden war. Das Gremium hat für seine Aufgabe 30 Tage Zeit und soll seine Arbeit um den 22. August abgeschlossen haben.

Zweitens

Die Verfassungsänderungen werden dann einem Ausschuss vorgelegt, der sich aus 50 Vertretern verschiedener Parteien, Gewerkschaften, Religionen und gesellschaftlicher Gruppen zusammensetzt. Auch das Militär und die Polizei sollen vertreten sein. Jede Gruppe darf ihre Vertreter eigenständig auswählen. Mindestens zehn Gremiumsmitglieder müssen Frauen sein oder der jungen Generation angehören.

Drittens

Der Ausschuss hat 60 Tage Zeit, die Verfassungsänderungen zu besprechen, anzupassen und schließlich abzusegnen. Seine Aufgabe soll damit um den 21. Oktober abgeschlossen sein. Binnen 30 Tagen soll dann ein Referendum über den neuen Verfassungsentwurf folgen, das um den 20. November abgehalten werden soll.

Viertens

Sobald die Verfassung angenommen ist, hat der Interimspräsident 15 Tage Zeit, um einen Termin für die Parlamentswahlen anzusetzen. Der Urnengang muss dann innerhalb von zwei Monaten stattfinden – das wäre um den 3. Februar.

Fünftens

Sobald das neu gewählte Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, muss der Übergangspräsident binnen einer Woche einen Termin für die Präsidentenwahl bestimmen. Für die Wahl des neuen Staatschefs sieht der Erlass Mansurs keinen Zeitrahmen vor.

Die Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis erklärte, vier Angehörige der Gruppe seien am Freitag ums Leben gekommen, als sie auf der Sinai-Halbinsel nahe der israelischen Grenze von einer Rakete getroffen wurden. Der Kommandeur des Trupps, der gerade damit beschäftigt gewesen sei, einen Raketenangriff auf Israel vorzubereiten, habe die Attacke überlebt.

Augenzeugen sprachen von vier Toten und einem Verletzten. Die Getöteten stammen nach Angaben der Extremisten alle aus Dörfern, die auf der Sinai-Halbinsel liegen. Nach Angaben von Augenzeugen feuerten die Israelis insgesamt zwei Raketen auf mutmaßliche „Dschihadisten“ in dem Gebiet nahe der Grenze ab. Die zweite Rakete soll einen Mann auf einem Motorrad getroffen haben.

Kommentare (2)

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Ich_kritisch

11.08.2013, 16:08 Uhr

in welcher Welt wir leben erkennt man vorzüglich am letzten Absatz.

Da möchte ein Land innerhalb seiner Grenzen für eine sichere Grenze sorgen - und benötigt dafür dann die Zustimmung des Nachbarstaates.

Wer regiert diese Welt?

pontiac42

11.08.2013, 19:27 Uhr

Was in Ägypten geschieht ist unendlich traurig. Wer auch immer dahinter steckt begeht Verbrechen an der Menschlichkeit und verdient tiefste Verachtung.

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