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31.05.2014

09:13 Uhr

Ägypten

Unterlegener Kandidat ficht Präsidentenwahl an

Kaum jemand hatte bezweifelt, dass in Ägypten der frühere General al-Sissi zum Präsidenten gewählt werden würde. Doch sein deutlich unterlegener Konkurrent legt wegen mehrerer Verstöße Beschwerde ein.

Wahlwerbung in Ägypten: Hamdin Sabahi hat seine Niederlage eingeräumt, kritisierte aber zugleich, dass die Wahlbeteiligung zu hoch beziffert worden sei. AFP

Wahlwerbung in Ägypten: Hamdin Sabahi hat seine Niederlage eingeräumt, kritisierte aber zugleich, dass die Wahlbeteiligung zu hoch beziffert worden sei.

KairoDer unterlegene ägyptische Präsidentschaftskandidat Hamdin Sabahi ficht die Wahl an. Der Wahlkampfstab des linksgerichteten Bewerbers teilte am Freitag mit, eine rechtliche Beschwerde bei der Wahlkommission eingereicht zu haben, weil es mehrere Verstöße gegeben habe. So hätten Anhänger des Wahlsiegers Abdel Fattah al-Sissi selbst noch in den Stimmlokalen für den Ex-Armeechef geworben. Das Sabahi-Lager forderte außerdem, sämtlich Stimmen für ungültig zu erklären, die am dritten Wahltag abgegeben wurden. Nach einer sich abzeichnenden niedrigen Wahlbeteiligung war die Abstimmung kurzfristig von zwei auf drei Tage verlängert worden. Unabhängige Wahlbeobachtern zufolge war dies zulässig, auch wenn dadurch die Integrität des Wahlprozesses infrage geraten sei.

Ein offizielles Ergebnis der Wahl liegt noch nicht vor. Vertreter der Justizbehörden hatten jedoch erklärt, Sissi habe mehr als 93 Prozent der Stimmen erhalten. Sabahi kam demnach nur auf drei Prozent. Am Donnerstag räumte er daraufhin seine Niederlage zwar ein, kritisierte aber zugleich, dass die Wahlbeteiligung zu hoch beziffert worden sei.

Ägypten als Machtfaktor im Nahen Osten

Bevölkerung

Mit rund 85 Millionen Einwohnern ist der Staat das bevölkerungsreichste arabische Land. Niltal und Nildelta zählen mit mehr als 1100 Menschen pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Wirtschaftskraft

Bei der Wirtschaftsleistung gab es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen prognostizierten Zuwachs von zwei, für 2013 von drei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich 2013 auf geschätzt knapp 276 Milliarden Dollar summieren.

Suezkanal

Kairo kontrolliert mit dem 1956 verstaatlichten Kanal eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Besondere Bedeutung haben die vielen Tanker, die Öl vom Golf nach Europa transportieren. Die Kanalgebühren sind eine tragende Säule des ägyptischen Staatshaushalts.

Tourismus

Die Branche ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Nach einem Einbruch im Revolutionsjahr 2011 mit 9,8 Millionen Touristen (2010: 14,7 Millionen) kamen 2012 bis November 9,5 Millionen. Die Zahl der deutschen Urlauber stieg in den ersten neun Monaten 2012 im Vergleich zu 2011 um gut 29 Prozent auf rund 830 000.

Nahostfrieden

Für die EU und die USA ist Ägypten seit langem ein verlässlicher Vermittlungs- und Verhandlungspartner. Auf die palästinensische Seite wirkte Kairo oft mäßigend ein. Ägypten war das erste arabische Land, das Israel anerkannte. Die Staaten schlossen 1979 einen Friedensvertrag.

Dschihadisten

Präsident Husni Mubarak verfolgte einen harten Kurs gegen Islamisten und präsentierte Ägypten als „Bollwerk gegen Dschihadisten“. Unter seinem Nachfolger Mohammed Mursi konnten militante Islamisten in einigen Bezirken östlich der Stadt Al-Arisch mehr oder weniger unbehelligt von der Staatsmacht schalten und walten. Aus Sicht der Armee waren die Operationen gegen Extremisten mit Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida in dem Gebiet in dieser Zeit halbherzig.

An Sissis Sieg hatte bereits im Vorfeld der Abstimmung kein Zweifel bestanden. Daher rückte die Wahlbeteiligung in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, denn sie gilt als wichtiger Hinweis darauf, wie beliebt Sissi tatsächlich im Volk ist.

Von

rtr

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