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04.11.2013

13:21 Uhr

Ägyptens Ex-Präsident

Mursi-Prozess nach Tumulten vertagt

Nach seiner Entmachtung steht Ägyptens ehemaliger Präsident vor Gericht – doch nicht lange. Keine zehn Minuten dauert die Verhandlung, bis der Richter sie unterbricht und die Fortsetzung für das kommende Jahr anberaumt.

Ägypten

Gerichtsprozess gegen Ex-Präsident Mursi vertagt

Ägypten: Gerichtsprozess gegen Ex-Präsident Mursi vertagt

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KairoTurbulenter Auftakt mit frühem Ende im Prozess gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi: Wegen lauter Protestrufe von der Anklagebank unterbrach der Richter die Sitzung am Montag zehn Minuten nach Beginn. „Ich bin der legitime Präsident von Ägypten, und ich bitte das Gericht, diese Farce hier zu beenden“, rief Mursi nach Informationen von Prozessbeobachtern. Die Angeklagten skandierten: „Nieder mit der Militärherrschaft“. Knapp eine Stunde später wurde die Verhandlung fortgesetzt und auf das kommende Jahr vertragt. Das Verfahren werde am 8. Januar fortgesetzt, erklärte der Richter in Kairo.

Nach Ansicht des Richters war Mursi zudem nicht richtig gekleidet. Er ordnete an, der Angeklagte müsse sich umziehen und im Gerichtssaal die weiße Gefängniskluft für Untersuchungshäftlinge tragen. Der Richter hatte zu Beginn der Verhandlung klargestellt, dass er Störungen nicht hinnehmen werde.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Der Prozess gegen Mursi und 14 weitere Spitzenfunktionäre der Muslimbruderschaft wegen Anstiftung zur Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 hatte am Morgen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in einem Kairoer Vorort begonnen. Den Angeklagten droht lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe.

Der 62-jährige Islamist war mit einem Hubschrauber von seinem geheim gehaltenen Haftort eingeflogen worden. Der Anfang Juli vom Militär abgesetzte Präsident und 14 weitere Spitzenfunktionäre der Muslimbruderschaft sind der Anstiftung zum Mord an Demonstranten angeklagt.

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