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17.07.2014

20:37 Uhr

Ägyptische Vermittlung

Israel und Hamas verhandeln über Waffenruhe

Im Nahost-Konflikt redet man wieder miteinander - unter Einschaltung ägyptischer Unterhändler. Ein Ende des blutigen Konflikts in Gaza scheint in Reichweite. Doch noch fliegen die Raketen hin und her.

Israel und die Hamas verhandeln dank ägyptischer Vermittler in Kairo über eine mögliche Waffenruhe. AFP

Israel und die Hamas verhandeln dank ägyptischer Vermittler in Kairo über eine mögliche Waffenruhe.

Gaza/Tel AvivIsrael und die militant-islamische Hamas verhandeln intensiv über eine Waffenruhe im Gazakonflikt. Eine erste Gesprächsrunde, die unter ägyptischer Vermittlung ablief, ging in der Nacht zum Donnerstag in Kairo zu Ende, berichteten israelische Medien. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist in die Bemühungen um die Beilegung des Konflikts eingebunden. Ein israelischer Offizieller sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass noch nichts abschließend vereinbart worden sei und dass die Verhandlungen weitergingen.

Am Donnerstag herrschte tagsüber eine auf fünf Stunden befristete humanitäre Waffenruhe. Sie war vom UN-Flüchtlingskoordinator Robert Serry angeregt worden, um den Gazastreifen mit bitter benötigten Hilfslieferungen zu versorgen. Tausende Bewohner der Mittelmeer-Enklave strömten erstmals seit zehn Tagen, als die israelische Militäroffensive gegen Hamas-Stellungen begann, massenhaft auf die Straßen, um das Nötigste für den eigenen Bedarf einzukaufen.

Nach Ablauf der Frist um 14.00 Uhr MESZ schoss die Hamas erneut Raketen auf Israel ab. Nach israelischen Militärangaben schlugen 57 Geschosse ein. Die israelische Luftwaffe griff nach eigenen Angaben vier Ziele im Gazastreifen an. Seit Beginn der israelischen Offensive kamen nach Darstellung der palästinensischen Rettungsdienste 231 Menschen ums Leben, 1700 weitere wurden verletzt. Bei der Hälfte der Opfer handelt es sich demnach um Zivilisten. In Israel wurde bislang ein Bürger getötet. Die meisten Raketen aus dem Gazastreifen wurden von Abwehrsystemen abgefangen.

Forderungen der Hamas und Israels für eine Waffenruhe

Härterer Schlagabtausch

Israel und die militanten Palästinenser im Gazastreifen liefern sich einen immer härteren Schlagabtausch. Beide Seiten haben Bedingungen für eine neue Waffenruhe genannt. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, hat fünf Forderungen aufgestellt:

Erste Forderung

Ende der Blockade des Gazastreifens

Zweite Forderung

Ende der israelischen Militäroperationen im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und im Gazastreifen

Vierte Forderung

Israel soll Sabotageversuche des Versöhnungspakts zwischen Hamas und der gemäßigten Fatah stoppen

Dritte Forderung

Israel soll alle Palästinenser freilassen, die vor drei Jahren im Tausch gegen den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen waren und dann wieder festgenommen wurden

Fünfte Forderung

Israel soll die Arbeit der neuen palästinensischen Einheitsregierung von Fatah und Hamas nicht stören. Die Palästinenserbehörde soll nicht daran gehindert werden, Gehälter an rund 42.000 Angestellte der Hamas im Gazastreifen auszuzahlen.

Israels Forderung

Israel fordert als Bedingung für ein Ende seiner Angriffe im Gazastreifen einen Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Städte und eine Wiederherstellung der Ruhe.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

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