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26.04.2016

00:35 Uhr

Ärzte ohne Grenzen

Hilfsorganisation nimmt Mittelmeer-Einsätze wieder auf

Mit drei Schiffen will „Ärzte ohne Grenzen“ wieder Hilfseinsätze im Mittelmeer durchführen. Die prekäre Situation dort habe sich kaum verändert. Rom erwartet zudem einen Nato-Marineeinsatz gegen Schleuser vor Libyen.

Flüchtlinge in einem Boot: "Ärzte ohne Grenzen" war nach eigenen Aussagen mit dem Schiff „Dignity 1“ an einer Rettung von mehr als 300 Flüchtlingen beteiligt. AP

Flüchtlinge

Flüchtlinge in einem Boot: "Ärzte ohne Grenzen" war nach eigenen Aussagen mit dem Schiff „Dignity 1“ an einer Rettung von mehr als 300 Flüchtlingen beteiligt.

BerlinDie Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ihre Einsätze im Mittelmeer wieder aufgenommen. Wie die Organisation am Montag mitteilte, war eines ihrer Schiffe, die „Dignity 1“, am Sonntag an der Rettung von mehr als 300 Flüchtlingen beteiligt. In den kommenden Wochen sollen demnach zwei weitere Schiffe von Ärzte ohne Grenzen folgen. Die italienische Regierung rechnet damit, dass es vor der libyschen Küste binnen drei Monaten einen ähnlichen Marineeinsatz der Nato geben wird wie derzeit in der Ägäis.

Ärzte ohne Grenzen war bereits im vergangenen Jahr mit mehreren Rettungsschiffen im Mittelmeer und in der Ägäis präsent. „Als wir 2015 unsere Such- und Rettungsaktion gestartet haben, haben wir das Mittelmeer als Massengrab bezeichnet“, erklärte Joanne Liu von der Organisation. „Seitdem hat sich kaum etwas verändert“, monierte sie.

Die italienische Außenministerin Roberta Pinotti sagte der Zeitung „La Stampa“ vom Montag, sie rechne in der Frage eines Nato-Marineeinsatzes mit einer Einigung beim Gipfel der Militärallianz Anfang Juli in Warschau.

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In der Ägäis ist die Nato bereits in enger Zusammenarbeit mit der EU-Grenzagentur Frontex und den Küstenwachen der Türkei und Griechenlands im Einsatz. Deutschland stellt mit dem Einsatzversorger „Bonn“ das Flaggschiff des Einsatzes. Ein Nato-Einsatz vor Libyen wäre allerdings wegen der unsicheren Lage in dem nordafrikanischen Krisenland deutlich gefährlicher und komplizierter.

Die Lage in Libyen war auch ein Thema des Mini-Gipfels am Montag in Hannover. Dort trafen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit dem französischen Präsidenten François Hollande sowie den Regierungschefs Großbritanniens und Italiens, David Cameron und Matteo Renzi, zusammen.

Renzi sagte nach dem Treffen, Obama habe den Willen geäußert, im Kampf gegen Schleuser Nato-Mittel zur Verfügung zu stellen. Merkel würdigte den US-Beitrag im Rahmen des Nato-Einsatzes in der Ägäis. Zugleich erinnerte sie an das gute Funktionieren der EU-Mission „Sophia“ vor Libyen.

Das Innenministerium in Skopje teilte mit, am Wochenende seien im Süden Mazedoniens 15 in einem Fahrzeug zusammengepferchte afghanische Flüchtlinge aufgegriffen worden. Der serbische Fahrer wurde demnach wegen Menschenschmuggels festgenommen, die Flüchtlinge wurden vor ihrer Abschiebung nach Griechenland in ein Lager gebracht.

Das Ministerium machte keine Angaben darüber, ob die Afghanen zu einer Gruppe dutzender Flüchtlinge gehörten, die am Samstag aus dem nordgriechischen Lager Idomeni über die eigentlich hermetisch geschlossene Grenze nach Mazedonien gelangten. In Idomeni sitzen tausende Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen fest. Die Lage dort ist äußerst angespannt.

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Die jordanische Königin Rania forderte bei einem Besuch des Flüchtlingslagers Kara Tepe auf der griechischen Ägäisinsel Lesbos „sichere Routen“ für die Migranten und Flüchtlinge. Sie erklärte zugleich, dass „zahlreiche Hilfsorganisation über das Abkommen EU-Türkei zutiefst besorgt“ seien. Dieses Abkommen werde wahrscheinlich dazu führen, dass die Flüchtlinge „gefährlichere Routen suchen“ würden, sagte die Königin.

In Kara Tepe sind 850 Flüchtlinge untergebracht. Davon stammen 500 aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, die von dort nach Kara Tepe transferiert wurden. Der Pakt zwischen EU und Ankara sieht vor, alle nach dem 20. März in Griechenland eingetroffenen Flüchtlinge, die dort kein Asyl beantragten oder deren Anträge abgelehnt wurden, in die Türkei zurückzuschicken. Menschenrechtsorganisationen verurteilen die Pläne als illegale Massenabschiebungen.

Von

afp

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