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31.01.2007

10:21 Uhr

Affäre el Masri

Deutsche Justiz will CIA-Agenten verhaften

Die Staatsanwaltschaft München hat gegen 13 Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA Haftbefehle erwirkt. Sie sollen an der Verschleppung des unschuldigen Deutsch-Libanesen Khaled el Masri beteiligt gewesen sein, der in Mazedonien entführt und monatelang in Afghanistan gefangen gehalten worden war.

Khaled el-Masri. Foto: dpa

Khaled el-Masri. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Staatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld wollte am Mittwochmorgen zunächst keine Details nennen und verwies auf eine Presseerklärung am Vormittag. Das NDR-Fernsehmagazin „Panorama“ berichtet unter Berufung auf Oberstaatsanwalt August Stern, den Gesuchten werde Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Haftbefehl führe die Tarnnamen und weitere Personalangaben der Verdächtigen auf. Die meisten von ihnen wohnten im US-Bundesstaat North Carolina. Darüberhinaus sind den Ermittlern nach „Panorama“-Recherchen auch mehrere Klarnamen bekannt.

El Masri wurde Anfang 2004 als Terrorverdächtiger in Mazedonien gekidnappt und nach Afghanistan verschleppt. Dort wurde er nach eigener Aussage geschlagen und monatelang in einem CIA-Gefängnis festgehalten, obwohl rasch festgestanden habe, dass er verwechselt worden sei.

Die Chancen auf eine tatsächliche Festnahme der Gesuchten sind jedoch gering, solange die 13 Verdächtigen Europa meiden. Der deutsche Haftbefehl hat in den Vereinigten Staaten keine Gültigkeit, und die amerikanische Justiz hat es es bislang abgelehnt, den deutschen Ermittlern zu helfen.

Auf die konkrete Spur der mutmaßlichen Entführer kam die Staatsanwaltschaft nach „Panorama“-Recherchen über Ermittlungen der spanischen Polizei. Die El-Masri-Entführung sei wie andere ähnliche CIA-Operationen vom Flughafen Palma de Mallorca gestartet. Die spanische Polizei habe die Namen aller Insassen jener Boeing 737 ermittelt, mit der el Masri in Mazedonien abgeholt und nach Afghanistan geflogen wurde. Es handele sich aber fast ausnahmslos um Tarn-Identitäten. Laut Panorama wurden aber die tatsächlichen Namen von den drei Piloten ermittelt.

Die Verdächtigten sind nach Informationen des Magazins wahrscheinlich bei der Firma Aero Contractors angestellt, einem CIA-Tarnunternehmen für konspirative Flüge. Aero Contractors sei offenbar die Nachfolgefirma von Air America, die bis in die 70er-Jahre als geheime Airline der CIA operierte.

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