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28.01.2010

18:33 Uhr

Afghanistan

2011 soll Truppenabzug beginnen

VonRüdiger Scheidges, Frank Specht

In London sucht die internationale Gemeinschaft eine Exit-Strategie: Kabul wird nur behutsam in die Verantwortung entlassen. Künftig wollen die beteiligten Staaten die zivile Komponente des Einsatzes stärken. Die afghanische Regierung soll einen größeren Teil der Hilfsgelder selbst verwalten, damit sie bei der Bevölkerung an Ansehen gewinnt.

Außenminister Guido Westerwelle will an dem von der Bundesregierung vorgeschlagenen Zeitplan zum Abzug der internationalen Truppen festhalten. dpa

Außenminister Guido Westerwelle will an dem von der Bundesregierung vorgeschlagenen Zeitplan zum Abzug der internationalen Truppen festhalten.

LONDON/DÜSSELDORF. Afghanistans Sicherheitskräfte werden im Kampf gegen die Taliban noch über Jahre auf Unterstützung durch ausländische Soldaten angewiesen sein. Zwar strebt die Armee an, binnen fünf Jahren die Verantwortung für die Sicherheit des Landes zu übernehmen, wie es im Abschlussdokument der Londoner Afghanistan-Konferenz heißt. Zuvor hatte Präsident Hamid Karsai jedoch betont, die ausländischen Truppen könnten im ungünstigsten Fall auch in 15 Jahren noch gebraucht werden. Damit erhalten die Hoffnungen der USA und ihrer Verbündeten, den 2001 gestarteten Militäreinsatz in Afghanistan rasch beenden zu können, einen Dämpfer.

Zivile Komponente stärken

Trotzdem hielten die Vertreter aus rund 70 Staaten, die gestern in London eine neue Strategie für den Krisenherd verabschiedeten, an ihrem Plan fest, künftig die zivile Komponente ihres Engagements zu stärken: So soll die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte ausgeweitet werden. Mit den Mitteln aus einem neuen Fonds soll Taliban-Kämpfern, die sich vor allem des Geldes wegen den radialen Islamisten angeschlossen haben, die Rückkehr in die Gesellschaft erleichtert werden. Und die afghanische Regierung soll einen größeren Teil der Hilfsgelder selbst verwalten, damit sie bei der Bevölkerung an Ansehen gewinnt.

Die Beschlüsse der Konferenz sind in Zielrichtung und Gewichtung praktisch deckungsgleich mit dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang der Woche vorgestellten Gesamtkonzept "mit deutscher Handschrift". Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bekräftigte in London den von der Bundesregierung vorgeschlagenen Zeitplan: 2010 sollen die Afghanen in ersten Provinzen und 2014 dann im ganzen Land die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen, 2011 soll der Abzug der internationalen Truppen beginnen.

Im Abschlussdokument der Londoner Konferenz heißt es, dass der Kampf gegen die Taliban "mit allen Mitteln" fortgesetzt werde. Hinter dieser Formulierung steckt eine Doppelstrategie, wie der britische Premier Gordon Brown betonte. "Die Message des Tages an El Kaida lautet: Wir werden euch zerstören - aber nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in den Herzen und im Bewusstsein der Menschen."

Kommentare (2)

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no.7

29.01.2010, 02:57 Uhr

Die Nato ist an Afghanistan und am Guerilliakrieg genauso gescheitert wie die sowjets. Dabei hatte deutschlands boulevard-organ diese damals für ihre Niederlage verlacht und als Koloß auf tönernen füßen bezeichnet. Dasselbe trifft dann auf die glorreiche Nato auch zu, die es nicht fertiggebracht hat, die Kräfte der Taliban aufzureiben. es ist ja auch eine schnapsidee extremer Form, den US-"Lifestyle" in Afghanistan installieren zu wollen. Da bleibt nur Abzug- unrühmliches ende einer grotesken Operation. Wir könnens eben nicht, auch wenn uns das immer wieder eingebleut werden soll.

Widerstand10

29.01.2010, 09:36 Uhr

Die Münchhausen Konferenz in London verschweigt die
wirkliche Strategie der Engländer und Amerikaner in Afghanistan. Das strategische Ziel heist Pakistan und die Angst vor einem Zusammenbruch des Landes und Übernahme von Extremisten die möglicherweise die Atomwaffen in besitz bringen können. Die zusätzlichen 30000 Tausend US Amerikaner werden in Afghanistan stationiert um schnell in Pakistan eingreifen zu können. Ob Deutschland oder italiener
sich im Moment noch hinter Mauern verstecken interessiert die Amerikaner nicht wirklich. Sie stören im Moment sogar die Amerikaner und Engländer
die sich auf grössere Kämpfe vorbereiten und sich im Feld Afghanistan die Physische Überlegenheit antrainieren. Sollte Pakistan fallen und Teheran
die Taliban unterstützen werden Deutsche Soldaten
ohne echte Kampferfahrung fluchtartig das Land verlassen müssen.

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