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31.05.2017

17:33 Uhr

Afghanistan

90 Tote und deutsche Botschaft in Trümmern

Der muslimische Fastenmonat Ramadan beginnt in Afghanistan blutig: In der Hauptstadt Kabul reißt eine Autobombe Dutzende Menschen in den Tod. Einen Abschiebeflug nach Afghanistan verschob die Bundesregierung daraufhin.

Starke Explosion

Bombenanschlag nahe deutscher Botschaft

Starke Explosion: Bombenanschlag nahe deutscher Botschaft

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KabulNach einem der schwersten Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul seit Jahren ist die Zahl der Toten auf mindestens 90 gestiegen. Bei den Opfern handelte es sich nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium überwiegend um Zivilisten. Zudem seien rund 460 Menschen als verletzt gemeldet worden. Ein Selbstmordattentäter brachte den mit Sprengstoff gefüllten Wagen laut Innenministerium im morgendlichen Berufsverkehr zur Explosion, nicht weit entfernt vom Präsidentenpalast, dem Außenministerium und mehreren ausländischen Botschaften. Das Viertel Wasir Akbar Chan gilt eigentlich als das sicherste der afghanischen Hauptstadt.

Die Bombe explodierte am Morgen gegen 8.30 Uhr (Ortszeit) etwa 300 Meter von der deutschen Botschaft entfernt. An der Frontseite des Gebäudes wurden unter anderem Dutzende Fenster eingedrückt, wie Fotos vom Tatort zeigen. In dem Gebäude haben auch der Botschafter und sein Stellvertreter ihre Büros. Wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin mitteilte, wurde mindestens ein afghanischer Wachmann getötet, der das Gelände beschützte. Zudem seien Bedienstete der Vertretung verletzt worden, erklärte er. Alle Mitarbeiter befänden sich inzwischen in Sicherheit.

Gabriel verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. „Er traf Zivilisten, und er traf diejenigen, die in Afghanistan sind, um mit den Menschen dort an einer besseren Zukunft für das Land zu arbeiten. Dass diese Menschen zur Zielscheibe werden, ist besonders verachtenswert. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer.“ Zugleich betonte er: „Solche Anschläge ändern nichts an unserer Entschlossenheit, die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen.“ Der ursprünglich für diesen Mittwoch geplante Flug zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan wurde nach dem Anschlag verschoben.

In dem schwer gesicherten Viertel in Kabul haben auch viele andere Botschaften ihre Büros. In der Nähe liegen auch das Nato-Hauptquartier, der Präsidentenpalast und afghanische Ministerien. Tausende Zivilisten waren zur Zeit der Explosion auf dem Weg zur Arbeit. Die Nato-Mission verurteilte den Anschlag scharf. Er spiegele die „barbarische Natur“ der Täter und deren völlige Gleichgültigkeit gegenüber Zivilisten, erklärte das Hauptquartier des Einsatzes „Resolute Support“ in Kabul. Zugleich lobte die Nato die lokalen Sicherheitskräfte, die sich dem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug entgegen gestellt hätten, bevor dieses mitten im schwer gesicherten Regierungs- und Diplomatenviertel explodierte.

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Auch der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den schweren Bombenanschlag. Selbst im heiligen Fastenmonat Ramadan, „dem Monat der Güte, der Segnung und des Gebets“ schreckten die Terroristen nicht davor zurück, Unschuldige zu töten, hieß es in einer vom Büro Ghanis veröffentlichten Erklärung. Pakistan verurteilte den Anschlag ebenfalls, bei dem Wohnhäuser einiger pakistanischer Diplomaten und Mitarbeiter beschädigt worden seien. Einige Pakistaner seien leicht verletzt worden.

Der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghassemi sprach den Angehörigen ebenfalls sein Beileid und sagte: „Dieser unmenschliche Anschlag versuchte erneut zu verhindern, dass in Afghanistan wieder Sicherheit und Stabilität herrscht.“ Der Anschlag habe erneut bewiesen, wie wichtig und notwendig ein gemeinsamer konsequenter Kampf gegen den Terrorismus sei. Der Angriff mit Dutzenden Toten verursachte Medienberichten zufolge auch schwere Schäden am Gebäude der iranischen Botschaft, die Diplomaten blieben jedoch unversehrt.

Kabul

Bombenanschlag – Im Diplomatenviertel sterben Dutzende Menschen

Kabul: Kabul – Autobombenanschlag in der Nähe der deutschen Botschaft

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Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Autobombenanschlag. Die radikalislamischen Taliban ließen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert. Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Erst am vergangenen Samstag hatte ein Selbstmordattentäter im Osten von Afghanistan 18 Menschen in den Tod gerissen.

Die Explosion habe sich an einer viel befahrenen Straße zwischen der deutschen Botschaft und einem Sicherheitsposten am Sanbak-Platz ereignet, sagte der Sprecher des Innenministeriums Nadschib Danisch. Die Straße ist eng und wird an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt. Die Wucht der Explosion habe mindestens 30 Fahrzeuge zerstört, sagte Ministeriumssprecher Danisch.

Der Sender Tolo TV meldete schwere Schäden an Gebäuden. Bilder zeigten eine von dichtem Rauch erfüllte Straße, mit zerrissenen Autowracks und blutigen Körpern. Die Nato-Mission Resolute Support ließ verlauten, man sei dabei zu überprüfen, wie es allen Nato-Mitarbeitern gehe. Afghanische Medien berichteten, es seien nun ausländische Soldaten am Ort der Explosion.

Kommentare (9)

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Herr Hans Mayer

31.05.2017, 11:32 Uhr

Herr Manfred Paul, laut Ihrem Kommentar wären ja dann Frankreich, Deutschland und England ebenfalls keine sicheren Länder, solch ähnlichen Dinge hatten wir ja hier auch bereits, Belgien hatte ich vergessen und Spanien.
Wollen Sie wirklich das Menschen hierher fliehen? Das kann nicht Ihr ernst sein.

Frau Ursula Neumann

31.05.2017, 11:49 Uhr

Herr Mayer, sie vergleichen allen Ernstes Deutschland mit Afghanistan - und stellen beide auf eine Stufe?
Bei ihnen hat wirklich nix mit nix zu tun.

Herr Franz Giegl

31.05.2017, 12:09 Uhr

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