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05.01.2010

09:46 Uhr

Afghanistan

Attentäter auf CIA-Basis entpuppt sich als Doppelagent

Ein jordanischer Doppelagent mit Verbindungen zu El Kaida soll nach US-Medienberichten den jüngsten Selbstmordanschlag auf eine US-Geheimdienstbasis in Afghanistan verübt haben.

US-Soldat in Afghanistan. Bei dem Anschlag auf eine CIA-Basis starben sieben CIA-Agenten. Reuters

US-Soldat in Afghanistan. Bei dem Anschlag auf eine CIA-Basis starben sieben CIA-Agenten.

HB WASHINGTON/NEW YORK. Das berichtete der TV-Sender NBC unter Berufung auf westliche Geheimdienstquellen. Bei dem Täter handele es sich um den 36-jährigen Humam Khalil Abu-Mulal al Balawi, der für den jordanischen Geheimdienst gearbeitet habe.

Die Jordanier hätten ihn vor mehr als einem Jahr wegen El-Kaida-Kontakten festgenommen. Später hätten die Jordanier gedacht, sie hätten den Mann auf ihre Seite gebracht und ihn als Agent nach Pakistan und Afghanistan geschickt, um El Kaida zu unterwandern, berichtet NBC. Vor kurzem hätte er sich bei seinen jordanischen Agentenführern mit dem Wunsch gemeldet, CIA-Agenten in dem Lager in der Khost-Provinz zu treffen.

Bei dem Anschlag kamen sieben CIA-Agenten ums Leben. Bisher hieße, der Täter habe eine afghanische Armeeuniform getragen, sei als Informant eingeladen gewesen und entgegen den Sicherheitsvorschriften bei seiner Ankunft auf der schwer bewachten Basis nicht durchsucht worden. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Der Attentäter hatte die Bombenweste in einem Fitness-Raum der Anlage gezündet.

Auf politischer Ebene gerät Afghanistan zunehmend unter Druck. Die Uno kann nach Ansicht ihres Generalsekretärs Ban Ki Moon künftige Wahlen in Afghanistan ohne vorherige Reformen nicht mehr unterstützen. Die umstrittenen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr hätten ernsthafte Mängel und Schwächen ans Licht gebracht, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht Bans an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Diese müssten beseitigt werden, ehe die UN bei künftigen Wahlen eine ähnliche Unterstützerrolle einnehmen könnten. So müssten etwa die Unparteilichkeit der Wahlkommission sichergestellt, die Wähler-Registrierung verbessert und das Rechtssystem gestärkt werden.

Die Präsidentschaftswahlen waren von Gewalt und Korruption überschattet gewesen. Nach einer teilweisen Neuauszählung der Ergebnisse wegen Betrugsvorwürfen wurde schließlich eine Stichwahl zwischen Präsident Hamid Karsai und seinem stärksten Herausforderer Abdullah Abdullah angesetzt. Abdullah zog sich jedoch aus dem Rennen zurück, woraufhin Karsai zum Sieger erklärt wurde. Die UN hatten die Wahlen finanziell und technisch unterstützt und zudem drei von fünf Mitgliedern der Kommission für Wahlbeschwerden vorgeschlagen. Am Samstag hatte die afghanische Wahlkommission bekanntgegeben, dass am 22. Mai Parlamentswahlen abgehalten werden sollen. Der UN-Generalsekretär warnte in seinem Bericht zudem, die Wahlen hätten gemeinsam mit den immer heftigeren Kämpfen gegen die aufständischen Taliban zu einer düsteren Stimmung in Afghanistan geführt. Es bestehe die Gefahr, dass das Blatt nicht mehr gewendet werden könne. „Wir sind an einem kritischen Punkt“, betonte Ban. Sowohl die internationale Gemeinschaft als auch die afghanische Regierung müssten umdenken. Vor allem die Anstrengungen im zivilen Bereich müssten verstärkt werden.

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