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11.11.2015

16:18 Uhr

Afghanistan

Bundesregierung will Zahl der Soldaten aufstocken

Die Lage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Einsatzes massiv verschlechtert. Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt seitdem drastisch an. Berlin will nun offenbar mehr Soldaten in das Land schicken.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht im Camp Marmal in Masar-i-Scharif mit in Afghanistan stationierten Soldaten. dpa

Besuch aus Berlin

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen spricht im Camp Marmal in Masar-i-Scharif mit in Afghanistan stationierten Soldaten.

BerlinDie Bundesregierung will die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan einem Bericht zufolge aufstocken. Die Obergrenze solle im neuen Bundestagsmandat von 850 auf 980 Soldaten erhöht werden, berichtete der Militärblogger Thomas Wiegold auf seiner Internetseite „Augen geradeaus!“ am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Alleiniger Auftrag der Truppe bleibe jedoch weiter die Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte, eine Rückkehr zum Kampfeinsatz solle es nicht geben. Allerdings sollten die deutschen Soldaten die afghanischen Einheiten künftig auch unmittelbar im Einsatz beraten können. Dies war bisher nur eingeschränkt möglich.

Die Regierung begründe die Aufstockung unter anderem damit, dass die Bundeswehr zusätzliche Aufgaben übernehmen müsse, die bisher von Partnerländern erledigt wurden, berichtete Wiegold. Außerdem sollten mehr Soldaten in der Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte eingesetzt werden.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Der Mandatsentwurf werde derzeit zwischen den Ministerien abgestimmt, sagte er.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 massiv verschlechtert. Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge in Deutschland stieg seither drastisch an. Im Herbst eroberten die radikal-islamischen Taliban sogar zeitweise die Stadt Kundus, wo die Bundeswehr lange ein großes Feldlager betrieben hatte. Es war einer der größten Erfolge der Extremisten seit ihrem Sturz 2001 und führte dazu, dass die internationalen Truppen nun länger als ursprünglich geplant im Land bleiben werden.

Von

rtr

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