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26.01.2010

19:58 Uhr

Afghanistan

Doppelstrategie packt Taliban von zwei Seiten

VonAndreas Rinke, Markus Ziener

Mehr als acht Jahre, nachdem die Taliban von der Macht in Kabul vertrieben wurden, setzen USA und Nato auf eine Doppelstrategie: Mehr Soldaten jagen die Hardliner, moderate Taliban sollen gekauft werden. Im Irak hat dieser Ansatz gewirkt - doch die Experten bleiben skeptisch.

Kanzlerin Angela Merkel will Taliban reintegrieren. dpa

Kanzlerin Angela Merkel will Taliban reintegrieren.

BERLIN/WASHINGTON. Zwar wird das Militär noch einmal verstärkt, aber gleichzeitig werden die zivilen Ansätze aufgewertet. Einer der Kernpunkte ist dabei die Annäherung an die Taliban. Ein mit 500 Mio. Dollar ausgestatteter Fonds soll helfen, sogenannte moderate Taliban zum Seitenwechsel zu veranlassen. Auf der Afghanistan-Konferenz in London soll morgen die Einrichtung des Fonds beschlossen werden.

Die Bundesregierung will sich mit 50 Mio. Euro beteiligen. Die "Reintegration" der Taliban soll in direkter Absprache mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai verlaufen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Voraussetzung sei, dass die Taliban dem Terror absagen, sämtliche Kontakte zu El Kaida abbrechen und die Verfassung anerkennen.

Offiziell geht die ganze Initiative auf Karsai zurück, der vorgeschlagen hatte, die niedrigeren Ränge der Taliban-Milizen zum Überlaufen zu überreden. Allerdings hatten die USA im Irak bereits 2007 Ähnliches praktiziert, als mit Hilfe von Geld und anderen Anreizen ehemalige Gegner der amerikanischen Besatzer angelockt worden waren. Im Irak funktionierte die Methode: In Kombination mit einer Aufstockung der Truppen nahm die Gewalt im Laufe von 2007 und 2008 deutlich ab. Massiv gefördert wurde das Programm im Irak von US-General Stanley McChrystal, der nun in Afghanistan das Kommando führt.

Truppen-Aufstockung soll Abzug ab 2010 vorbereiten

US-Präsident Barack Obama hatte Anfang Dezember erklärt, die US-Truppen am Hindukusch um rund 30 000 aufzustocken. Bereits im Laufe des Jahres 2009 waren schon 17 000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan verlegt worden. Mehr Truppen, eine Verstärkung des zivilen Wiederaufbaus sowie das Aussteigerprogramm für Taliban bilden die Kernstücke seiner neuen Strategie. Ziel ist es, damit mittelfristig eine Exit-Option zu schaffen, die den Abzug der US-Truppen ab Sommer nächsten Jahres erlaubt.

Kommentare (3)

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Tom

27.01.2010, 07:30 Uhr

und wieder am ziel vorbei !
auch mehr soldaten werden nichts verändern, die ramenbedingungen sind unverändert ! wir haben noch immer keine rechtssicherheit,jeder schuss der zur verteidigung abgegeben wird muss gut überlegt sein.zeit die die taliban für einen angriff auf unsere kinder nutzen werden !

Widerstand10

27.01.2010, 08:27 Uhr

Westerwelle sollte sich schon mal ein paar Stahltanga bestellen,denn seine besuche in Afghanistan wenn er dann
fliegt, werden gefährlicher. Amerikanische Soldaten
werden auf Dauer nicht die Deutschen Soldaten beschützen können, denn die Taliban kontrollieren
ja schon grosse Gebiete. Wir werden erleben das im Frühling die Taliban die Deutschen Lager massiv angreifen werden. Eine Verfolgung müssen sie nicht befürchten, es sei denn Amerikaner sind in der Nähe.

Markus M.

27.01.2010, 09:57 Uhr

Was hat denn das ganze Engagement der internationalen Gemeinschaft bisher gebracht? Es wurden Unmengen an Geld verbraten, unzählige Menschenleben geopfert und der gegenseitige Hass weiter geschürt. Und wo ist die Verhältnismäßigkeit?? Was ist mit den Engagements in Nordkorea, in Myanmar, in den Diktatorenstaaten in Afrika und und und.....
Wie wäre es denn einfach zu gehen? ich weiß schon, moralische Verpflichtung etc....das hat aber vorher auch niemanden interessiert.
Einfach raus da und keinen Grund mehr für Hass und Terror in aller Welt liefern, sich nicht überall einmischen müssen, was ja in den seltensten Fällen aus blosem guten Willen geschieht !!!!!

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