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08.10.2011

15:43 Uhr

Afghanistan-Einsatz

Eine Friedenstruppe, die Chaos brachte

VonMartin Gerner

Bis Ende 2014 wollen die USA und ihre Verbündeten die meisten Truppen aus Afghanistan abziehen. Die Menschen in dem Land fürchten, dass die Taliban danach zurückkehren könnten. Ein Besuch in Kabul.

Trüber Ausblick in die Zukunft Afghanistans: Wenn die ausländischen Truppen bald abziehen, könnten sich die Taliban wieder an die Macht kämpfen. dpa

Trüber Ausblick in die Zukunft Afghanistans: Wenn die ausländischen Truppen bald abziehen, könnten sich die Taliban wieder an die Macht kämpfen.

Kabul„Are you alright, Kabul?“ ruft eine junge Frau mit engen Jeans, T-Shirt und einer Gitarre um den Hals in Richtung Publikum. Aus dem Dunkel kommt ein enthusiastisches „Yeah“. Dann drischt die Frau auf die Saiten der Gitarre ein, begleitet von euphorischem Klatschen.

Für Noorjahan Akbar ist es schwierig geworden, Rockkonzerte wie dieses in einem Kabuler Hinterhof zu besuchen. Seit die junge Afghanin kürzlich mit Bekannten und Freunden eine Organisation für Frauenrechte gegründet hat, nimmt der Druck religiös-konservativer Kreise zu: „Unser Hausbesitzer, ein ehemaliger Kommandeur, beschwert sich, dass wir Besuch von jungen Männern und Frauen bekommen. Er behauptet, wir würden ein Bordell betreiben.“

Die internationale Gemeinschaft sei daran nicht unschuldig, sagt Noorjahan. Sie ziele auf einen Ausgleich mit den Aufständischen um jeden Preis. „Letztlich sagen sie: Lasst uns hier rausgehen ohne großes Tamtam und Afghanistan sich selbst überlassen.“

Zehn Jahre nach dem Beginn des Afghanistan-Einsatzes am 7. Oktober 2001 wächst unter Afghanen die Angst vor der Zeit nach dem Abzug: Bis Ende 2014 wollen US-Regierung und Nato-Verbündete die meisten ihrer Kampftruppen abziehen. Dabei herrscht Konsens, dass die Taliban noch nicht besiegt sind. Vielerorts ist die Sicherheitslage angespannter als in den Jahren zuvor. Dabei hatte der Westen versprochen, dem Land Demokratie und einen funktionierenden Staat zu bringen.

„Schlimmer als vor zehn Jahren“ Kate Clark, die für die unabhängige Denkfabrik Afghan Analysts Network in Kabul arbeitet, befürchtet, dass das Ausland den Abzug als Erfolg inszenieren wird: „Wenn sie abziehen, werden sie erklären, dass sie Afghanistan Frieden gebracht haben. Tatsächlich wird der Westen Afghanistan in einer schlimmeren Position zurücklassen als damals - als sie kamen.“ Christoph Reuter, langjähriger Korrespondent für „Stern“ und „Spiegel“, kritisiert: „Es wurde kein Zustand geschaffen, der sich selber tragen würde.“

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