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05.05.2013

18:44 Uhr

Afghanistan

Erstmals seit 2011 fällt ein deutscher Soldat

Die Bundeswehr muss in Afghanistan einen Toten beklagen. Ein Mitglied einer Spezialeinheit wurde erschossen, ein zweiter Deutscher wurde verwundet. Die Schutztruppe Isaf erlebt den verlustreichsten Tag seit Jahresbeginn.

Ein toter Deutscher: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) und Generalleutnant Hans-Werner Fritz (l), Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, geben bekannt, dass wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet worden ist. dpa

Ein toter Deutscher: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) und Generalleutnant Hans-Werner Fritz (l), Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, geben bekannt, dass wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet worden ist.

KabulErstmals seit fast zwei Jahren ist in Afghanistan wieder ein deutscher Soldat gefallen. Der Getötete gehörte der Elitetruppe KSK an und ist das erste Mitglied der Spezialkräfte, das im Einsatz umkam. "Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere am Sonntag in Berlin.

Die deutschen Soldaten seien unter Beschuss geraten, als sie am Samstag Spezialkräfte der afghanischen Polizei bei einem Einsatz gegen Aufständische in der Unruhe-Provinz Baghlan unterstützt hätten. Ein zweiter KSK-Soldat sei verwundet worden, inzwischen aber außer Lebensgefahr. Bei anderen Angriffen im Süden und Westen des Landes wurden auch sieben US-Soldaten getötet. Es war einer der verlustreichsten Tage für die internationalen Truppen seit Jahresbeginn. Die Taliban hatten zuvor eine Frühjahrsoffensive angekündigt.

Einsätze des in Calw stationierten KSK sind normalerweise eine Geheimsache, zu der sich weder die Bundesregierung noch die Bundeswehr äußern. Bekannt ist, dass im Training bereits mehrere Soldaten der Elite-Truppe umkamen. De Maiziere bestätigte die Zugehörigkeit des gefallenen Soldaten zum KSK, wollte sich jedoch darüber hinaus nicht zu der Elitetruppe äußern. "Jedes Menschenleben jedes Soldaten, wo immer er herkommt, hat den gleichen Wert und führt zum gleichen Schmerz", betonte er. Zuletzt war ein deutscher Soldat am 2. Juni 2011 gefallen.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Der Minister vermied auch eine Prognose darüber, ob die jüngsten Angriffe der Aufständischen ein Wiederaufflammen der Gewalt im Norden Afghanistans erwarten ließen. Die Taliban hätten immer wieder Frühjahrsoffensiven angekündigt und wollten natürlich auch ihre Ausgangsposition für Verhandlungen verbessern, sagte de Maiziere. Er könne jedoch keine Vorhersagen über die weitere Entwicklung treffen. Die Angriffe auf die deutschen Truppen in Afghanistan hatten zuletzt kontinuierlich abgenommen. Am Donnerstag war die Bundeswehr bei Kundus jedoch erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder Ziel eines Sprengstoffanschlags geworden, verletzt wurde dabei niemand.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

05.05.2013, 13:41 Uhr

"Erstmals seit fast zwei Jahren ist wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet worden."

Jeder Deutsche Soldat, der bei einem solchen Einsatz ums Leben kommt, ist einer zu viel.

Dieser Satz, den ich hier zitiert habe, ist einfach nur beschämend. Allein das Wort "erstmals" finde ich absolut daneben gegriffen. Als ob wir stolz sein könnten, dass zwei Jahre kein Deutscher Soldat getötet worden ist. Damit hat sich das HB keinen Gefallen getan. Unterste Schublade.

For god's sake, an Afghanistan haben sich schon die Russen die Zähne ausgebissen. Warum muss die westliche Welt das nun auch noch versuchen? Raus aus dem Land, Mauer drum herum und Deckel drauf. Zehn Jahre später, Deckel auf und reinschauen was noch übrig ist.

weltenbrand

05.05.2013, 14:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Dilling

05.05.2013, 14:19 Uhr

Selten so einen überflüssigen und saudummen Kommentar gelesen.

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