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28.12.2014

19:01 Uhr

Afghanistan

„Hier wird gekämpft und auch gestorben“

Zum Jahreswechsel endet der Kampfeinsatz in Afghanistan – doch nicht für Oberst Greggersen. Er bleibt als Berater. Nicht, um die Soldaten im Kampf gegen die Taliban anzuleiten. Doch Nachhilfe haben sie trotzdem nötig.

huGO-BildID: 29949567 ARCHIV - Ein Bundeswehrsoldat marschiert am 26.08.2011 nahe Kundus während einer Mission durch die Wüste. Bei einem Gefecht in der nordafghanischen Stadt Kundus sind nach afghanischen Angaben vier Aufständische und zwei Polizisten getötet sowie ein deutscher Soldat verletzt worden. Foto: Wolfgang Kumm/dpa (Zu dpa vom 21.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ dpa

huGO-BildID: 29949567 ARCHIV - Ein Bundeswehrsoldat marschiert am 26.08.2011 nahe Kundus während einer Mission durch die Wüste. Bei einem Gefecht in der nordafghanischen Stadt Kundus sind nach afghanischen Angaben vier Aufständische und zwei Polizisten getötet sowie ein deutscher Soldat verletzt worden. Foto: Wolfgang Kumm/dpa (Zu dpa vom 21.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Camp Schahin/KabulDas Ende des Kampfeinsatzes am Hindukusch wird den Arbeitsalltag von Oberst Thomas Greggersen nicht durcheinanderbringen: Auch nach dem Jahreswechsel wird der Offizier weiter morgens im Hauptquartier in Masar-i-Scharif in den Hubschrauber steigen, sich die knapp 25 Kilometer ans andere Ende der Stadt fliegen lassen und dort im Camp Schahin nach seinen Schützlingen schauen.

Der riesige Stützpunkt beherbergt das Hauptquartier des 209. Korps der afghanischen Armee, dessen knapp 14.800 Soldaten im Norden des Landes für Sicherheit sorgen. Sein Kommandeur ist General Salmai Wesa, und Greggersens Aufgabe ist es schon seit Monaten, den Paschtunen zu beraten.

Wie Greggersen geben laut Bundeswehr weitere etwa 70 deutsche Soldaten als hauptamtliche Berater oder neben ihrem eigentlichen Job den afghanischen Offizieren Hilfestellung. Mit dem Ende des Kampfeinsatzes am 31. Dezember ist dies das Herzstück des Einsatzes, für den dann noch bis zu 850 deutsche Soldaten am Hindukusch bleiben werden. An diesem Sonntag ist Stabübergabe.

Den Kampf gegen die Taliban müssen die Afghanen schon seit Mitte 2013 weitgehend allein stemmen.

Im Kampf benötigen die Afghanen nach den Worten Greggersens nach 30 Jahren Krieg auch keine Nachhilfe: „Hier wird Tag für Tag gekämpft und auch gestorben“, sagt der Soldat, auf dessen Abzeichen am Ärmel klein das grüne Isaf-Logo über dem großen, orangefarbenen Falken („Schahin“) prangt, dem Wappentier des 209. Korps. „Im Gefecht sind sie gut, sie kennen sich besser draußen aus als wir.“ Die afghanischen Soldaten und Polizisten zahlen dafür allerdings einen hohen Preis: Allein in den ersten acht Monaten des Jahres starben knapp 3500 von ihnen im Kampf gegen die Taliban und andere Kriminelle.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

In anderen Bereichen als dem Kampf haben die Afghanen nach den Worten Greggersens Nachholbedarf - etwa bei der Ausbildung, der Logistik oder der Operationsplanung. So hätten die afghanischen Soldaten zwar einen großen Fuhrpark, aber die Ersatzteilbestellung gehe oft schief.

Greggersen ist der Chef der 50 ausländischen Berater, unter ihnen acht Deutsche. Der Hubschrauber setzt sie morgens in einem abgetrennten Teil des Stützpunkts ab, der von kroatischen Soldaten gesichert wird. Die Soldaten nennen das kleine Lager im Lager ihren „Safe Haven“: Bei einem Anschlag können sie hier Zuflucht suchen. Die Anschläge von Überläufern in den Reihen der afghanischen Sicherheitskräfte sind zwar seltener geworden, die Gefahr ist aber nicht gebannt. „Das bekommt man nie in den Griff, das sieht man in Kabul“, spielt Greggersen, der stets von Leibwächtern begleitet wird, auf die jüngsten Anschläge in der Hauptstadt an. Und in Camp Schahin arbeiten die Berater Tag für Tag inmitten von rund 4000 afghanischen Soldaten.

Kommentare (1)

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Herr reiner tiroch

30.12.2014, 20:39 Uhr

der Einsatz in Afghanistan wird von unserer Regierung als Erfolg gefeiert? toll, und das bei 2000 toten deutschen Soldaten die nur in einem bewaffneten konflickt umkamen?

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