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09.03.2014

13:16 Uhr

Afghanistan

„Ich könnte das nächste Opfer sein“

Sie sind Afghanen und haben als Ortskräfte für das deutsche Militär am Hindukusch gearbeitet. Jetzt leben sie in Angst vor Rache der Taliban – und bitten Deutschland um Aufnahme – wie der Dolmetscher Aliullah Nasari.

Der Übersetzer Aliullah Nasari aus Afghanistan lebt jetzt in Deutschland. In seinem Heimatland wird er bedroht, weil er einst für die Bundeswehr arbeitete. dpa

Der Übersetzer Aliullah Nasari aus Afghanistan lebt jetzt in Deutschland. In seinem Heimatland wird er bedroht, weil er einst für die Bundeswehr arbeitete.

KabulManchmal kommen die Anrufe mitten in der Nacht. Oder es ist eine SMS-Botschaft, die auf einem Mobiltelefon eintrifft. Der Inhalt ist immer der Gleiche: die Androhung von Tod als Vergeltung für Zusammenarbeit mit der Bundeswehr im nördlichen Afghanistan. So ist es auch Samir Ahmadi ergangen, der den Deutschen in der Provinz Kundus zwei Jahre lang – bis Mai 2013 – als Dolmetscher behilflich war. „Ich könnte das nächste Opfer sein“, sagt der völlig verängstigte 22-Jährige in einem Telefoninterview.

Erschreckt hat den jungen Afghanen besonders ein Vorfall in einer örtlichen Moschee, in der die radikal-islamischen Taliban Einfluss haben. Wie Ahmadi schildert, prangerte ihn ein muslimischer Geistlicher vor Beginn der Gebete lauthals als Verräter an und forderte die Gläubigen auf, ihn zu töten. Ein Nachbar erzählte Ahmadi von der Hasstirade. Der junge Mann hofft jetzt auf Sicherheit in Deutschland. Kurz nach dem Ende seines Jobs hat er ein Sonder-Einwanderungsvisum beantragt.

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Noch sind 53000 ausländische Soldaten in Afghanistan – doch sollte bis Jahresende kein Abkommen mit der Regierung geschlossen sein, könnten sie alle abziehen. Die USA und die Nato verschärfen ihre Drohungen.

Ahmadi ist damit kein Einzelfall. Der Bundesregierung zufolge haben etwa 1500 Afghanen im Zuge des Bundeswehr-Einsatzes am Hindukusch für die Deutschen gearbeitet, davon rund ein Drittel als Übersetzer. Viele wollen aus Angst nach Deutschland. Wie das Bundesinnenministerium erklärt, wurde bislang bei 617 Ortskräften geprüft, ob eine Gefährdung vorliegt oder nicht. Davon hätten 265 ehemalige Ortskräfte eine Zusage für die Aufnahme in Deutschland bekommen. Bislang seien 59 Ortskräfte sowie 115 ihrer Familienangehörigen in die Bundesrepublik eingereist.

„Wenn sie sich bedroht fühlen, nehmen wir das sehr, sehr ernst, auch wenn sie nicht mehr für uns arbeiten. Wir kümmern uns um jeden einzelnen Fall“, sagte der für die militärische Unterstützung der Bundeswehr in Nordafghanistan zuständige Brigadegeneral Walter Ohm.

Zeitweise leistete Deutschland mit mehr als 5000 Soldaten und Polizeikräften nach den USA und Großbritannien den drittgrößten Beitrag zum internationalen Afghanistan-Einsatz. Im vergangenen September schloss Deutschland im Vorfeld des Abzuges der letzten ausländischen Kampftruppen bis Ende Dezember seinen Stützpunkt in Kundus. Zur Zeit befinden sich noch gut 2900 deutsche Soldaten in Afghanistan.

Kommentare (1)

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10.03.2014, 09:24 Uhr


Eine eiskalte Bundeswehrführung/Politik verheizt seine braven "Askaris".
Diese Afghanen retteten viele unserer Solaten mit ihrer Zuarbeit vmtl. das Leben, nun erhalten sie einen undankbaren Tritt in den Allerwertesten.

Schade, dass Bundeswehrführung und Regieurng wenig Rückgrat zeigen Woher nehmen... die sind so....

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