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08.03.2016

17:57 Uhr

Afghanistan, IS und Taliban

Kabul bewaffnet Zivilisten

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani will die Terrormiliz IS und die Taliban stärker bekämpfen. Dazu greift der Präsident jetzt zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er bewaffnet die Zivilbevölkerung.

Jetzt muss die Zivilbevölkerung ran: Der afghanische Staat bewaffnet in Teilen des Landes seine Zivilbevölkerung. AFP; Files; Francois Guillot

An die Waffen

Jetzt muss die Zivilbevölkerung ran: Der afghanische Staat bewaffnet in Teilen des Landes seine Zivilbevölkerung.

KabulDie afghanische Regierung bewaffnet in der Provinz Nangarhar Zivilisten für die Bekämpfung der radikalsunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das sagte der Kommandeur eines in Nangarhar stationierten Armeekorps, General Nasim Sangi, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Zivilisten würden in Dörfern rekrutiert, die während einer großen Offensive jüngst aus der Hand des IS befreit worden seien. Die neuen, „Aufstandskräfte“ genannten Bürgerwehren sollten aber nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die Taliban Schutz bieten.

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Mehr Binnenflüchtlinge

250.000 neue Binnenflüchtlinge erwartet die Uno für das Jahr 2016. Das ging aus dem vergangene Woche veröffentlichten neuen Humanitären Reaktions-Plan der Uno hervor. In 2015 waren 200.000 Menschen vor Gefechten und Angriffen aus ihren Dörfern geflohen – ein Anstieg von 64 Prozent verglichen mit 2014.

Weniger Helfer

Um 20 Prozent ist die Zahl der in der umkämpften Provinz Helmand tätigen humanitären Helfer 2015 geschrumpft, heißt es in dem Bericht weiter.

Eroberungen durch Taliban

23 Bezirkszentren eroberten die Taliban in 2015. Ein Großteil konnte zurückerobert werden.

Gebiete unter Taliban-Kontrolle

27 der 407 Bezirke stehen unter direkter Kontrolle der Taliban oder ihrem Einfluss. 88 weitere Bezirke drohen in ihre Hände zu fallen, schreibt der Spezialinspekteur des amerikanischen Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) in einem Ende Januar veröffentlichten Bericht.

Mehr tote Polizisten

27 Prozent mehr tote und verletzte afghanischen Polizisten und Soldaten verzeichnet der am 15. Dezember veröffentlichte Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur Sicherheit und Stabilität in Afghanistan für 2015 verglichen mit 2014 (bis November). Absolute Zahlen nennt das Papier nicht. Nach einem Bericht der Washington Post liegt die Gesamtzahl der in 2015 (bis November) getöteten Soldaten und Polizisten bei mehr als 7000.

Mehr schwere Angriffe

28 schwere („high profile“) Angriffe und Anschläge verzeichnet derselbe Pentagon-Report allein in der Hauptstadt Kabul zwischen Januar und Mitte November 2015 - ein Anstieg von fast 30 Prozent verglichen mit 2014. Ab Januar setzte sich die Serie mit mindestens sechs weiteren großen Anschlägen auf Regierung und Sicherheitskräfte, aber auch „weiche“ Ziele wie ein Hotel und ein Restaurant fort.

Einsatzkräfte

1 der 101 Infanterie-Einheiten im Land sei einsatzbereit, heißt es in einem „Spiegel“-Report vom Januar.

Sicherheitsrelevante Vorfälle

6601 „sicherheitsrelevante Vorfälle“ verzeichnete der Dezember-Bericht des Uno-Sicherheitsrats allein bis 31. Oktober. Das sei ein Anstieg von 19 Prozent verglichen mit 2014.

Ermordungen und Entführungen

447 gezielte Ermordungen und Entführungen von Zivilisten begangen von Extremisten verzeichnet derselbe Uno-Bericht bis 31. Oktober 2015. Das sei ein Anstieg von zwölf Prozent verglichen mit 2014.

Tote Zivilisten

4921 tote und verletzte Zivilisten zählten die Vereinten Nationen in ihrem Bericht zu Zivilopfern in Afghanistan allein in der ersten Hälfte von 2015 - ein neuer Rekord. Zwischen 1. August und 31. Oktober verzeichneten die Uno laut Uno-Sicherheitsratsbericht vom Dezember dann weitere 3693 zivile Tote und Verletzte (26 Prozent mehr als in 2014).

Bisher habe der Nationale Sicherheitsrat etwa 650 Mann für 18 neue Sicherheitsposten in vier Dörfern bewaffnet: in Deh Sarak, Schadal und Chas Atschin im Bezirk Atschin sowie in Abdul Chel im Bezirk Nasian. Es könnten aber mehr werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanisch. Sie hätten Kalaschnikow-Sturmgewehre, Panzerfäuste und russische Maschinengewehre des Typs Dechtjarow Schpagin erhalten und seien kurz an den Waffen eingewiesen worden.

Alle Männer seien Bewohner des jeweiligen Dorfes, das sie beschützen sollten. Derzeit würden sie von der örtlichen Polizei kontrolliert. Bisher habe es keine Probleme gegeben. Später sollten sie in die Polizeitruppe ALP integriert werden.

Die ALP (Afghan Local Police) werden in Dörfern als letzte Verteidigungslinie gegen die Taliban eingesetzt. Sie sind oftmals Milizen, die unter dem Kommando lokaler Kriegsherren stehen. Weil ihre Ausbildung oberflächlich ist und sie nur schwach kontrolliert werden, gab es in der Vergangenheit massive Probleme. Die Uno warf ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

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