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17.02.2012

08:47 Uhr

Afghanistan

Karsai bescheinigt Taliban Friedensinteresse

Noch ist das Meiste inoffiziell und geheim, doch dass es Gespräche der USA und der afghanischen Regierung mit den Taliban gibt ist offenkundig. Präsident Karsai glaubt an den Willen zum Frieden bei den Kämpfern.

Hamid Karsai: „Es gab Kontakte“ dpa

Hamid Karsai: „Es gab Kontakte“

IslamabadDie Präsidenten Afghanistans, Pakistans und Irans kommen an diesem Freitag zu einem Gipfel in Islamabad zusammen. Bei den Gesprächen zwischen Hamid Karsai, Asif Ali Zardari und Mahmud Ahmadinedschad wird es auch um die Haltung und Kontakte mit den Taliban gehen.

Die Regierung in Kabul und auch westliche Staaten versuchen seit langem, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bekommen. Bislang gibt es zwischen den Konfliktparteien nur Gespräche über mögliche Verhandlungen. Echte Friedensgespräche sind noch nicht absehbar. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem „Wall Street Journal“ hatte Karsai bestätigt, dass die USA und Afghanistan geheime Verhandlungen mit den Taliban begonnen haben.

Die Regierung in Kabul wirft Pakistan regelmäßig vor, Gespräche nicht zu unterstützen oder sogar zu verhindern. Karsai bescheinigte den meisten Taliban ein Interesse am Frieden. Details zu den Gesprächen wollte er nicht nennen, um den Prozess nicht zu gefährden. „Es hat Kontakte zwischen der US-Regierung und den Taliban gegeben, es hat Kontakte zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban gegeben“, sagte der afghanische Präsident weiter. Zudem hätten sich alle drei Seiten an einem ungenannten „dritten Ort“ getroffen. Offiziell lehnen die Taliban Verhandlungen mit der afghanischen Regierung ab, die sie als Handlanger der USA sehen. Karsai sagte dazu, die Kontakte seiner Regierung mit den Taliban hätten sich auch auf „die hochrangigsten von ihnen“ erstreckt.

Karsai und Ahmadinedschad trafen bereits am Donnerstag in Islamabad ein. Der afghanische Präsident sagte dem „Wall Street Journal“, Pakistans Kooperation würde Verhandlungen „für uns, für die Taliban und für die USA“ einfacher machen. Auf eine entsprechende Frage sagte Karsai in dem Interview, er hoffe, dass der pakistanische Militärgeheimdienst ISI bereit dazu sei, Aufständische in Afghanistan nicht mehr zu unterstützen. Mehr als „Hoffnungen“ habe er hinsichtlich der Kooperation Pakistans aber weiterhin nicht. Der ISI dementiert regelmäßig, dass er afghanische Aufständische unterstützt.

Von

dpa

Kommentare (3)

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peer

17.02.2012, 10:06 Uhr

Drogen und Entwicklung in Afghanistan

Afghanistan ist der weltweit größte Produzent von Opium, dem Grundstoff für Heroin. Aber erst unter dem Schutz der NATO.

Die Drogenökonomie durchdringt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie fördert die politische und soziale Unsicherheit und Destabilisierung, schwächt den Staat und verhindert eine gute Regierungsführung (Good Governance). Sie stellt ein großes Hindernis für den Wiederaufbau, für die Erreichung von Entwicklungszielen sowie die erfolgreiche Durchführung von Projekten dar. Dazu kommen negative volkswirtschaftliche Auswirkungen durch den hohen äquivalenten Anteil zum BSP (60 Prozent), den Einfluss auf die Zahlungsbilanz und die volatilen Drogenpreise, die legale Produktion und Handel schwächen.

Account gelöscht!

17.02.2012, 13:38 Uhr

Der Kasperpräsident unterstellt also den Taliban Friedenswillen?
Naja, dann frage ich mich, warum die Taliban denn vorher so rumgwewütet haben, wenn sie jetzt angeblich so friedlich sind.

Account gelöscht!

17.02.2012, 18:33 Uhr

Den UN zufolge begingen die Taliban während ihrer Gewaltherrschaft schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen.
Nach einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, während sie versuchten, ihre Kontrolle im Westen und Norden Afghanistans zu konsolidieren.Die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001. Vertreter der Vereinten Nationen verglichen die Massaker mit den ethnischen Säuberungen, die während des Bosnienkriegs stattgefunden haben. Die Massakerkampagnen der Taliban seien "höchst systematisch gewesen und alle auf das Verteidigungsministerium [der Taliban] oder Mullah Omar persönlich zurückzuführen." Die sogenannte 055 Brigade Al-Qaidas war ebenfalls an Greueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt. Der Bericht der Vereinten Nationen zitiert Zeugenaussagen, welche beschreiben, dass arabische Milizionäre lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen häuteten.
Die Taliban verfolgten zudem eine Politik der Verbrannten Erde. Sie verbrannten ganze Landstriche und rissen ganze Städte nieder. Die Stadt Istalif, welche über 45.000 Einwohner hatte, wurde z. B. gänzlich zerstört und umliegendes Agrarland in Brand gesteckt. Die Einwohner wurden ermordet oder vertrieben.
Anfang 1998, schnitten die Taliban über 160.000 hungernde Flüchtlinge, die durch die Politik der Taliban ihr Zuhause verloren hatten, systematisch von UN Hilfslieferungen ab.[53] Die Vereinten Nationen warfen den Taliban vor, für ihre militärische Agenda die Flüchtlinge verhungern zu lassen.

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