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28.01.2010

10:57 Uhr

Afghanistan-Konferenz

Karsai hält schnellen Abzug für unmöglich

Die Afghanistan-Konferenz in London hat begonnen: Die internationalen Truppen sollen nach den Vorstellungen der afghanischen Regierung noch mindestens fünf Jahre in dem krisengeschüttelten Land bleiben. Der Fokus rückt nun auf die kriegsmüden Taliban.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai und der britische Premierminister Gordon Brown vor dem Start der internationalen Konferenz. ap

Der afghanische Präsident Hamid Karsai und der britische Premierminister Gordon Brown vor dem Start der internationalen Konferenz.

HB LONDON. „Wir versuchen unser Bestes, um die Mehrheit unseres Landes in zwei bis drei Jahren selbst zu verteidigen. Wenn wir dann den Fünf-Jahres-Endpunkt erreichen, dann können wir führen“, sagte der afghanische Präsident Hamid Karsai bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem britischen Premierminister Gordon Brown am Vorabend der Afghanistan-Konferenz in London an diesem Donnerstag.

Brown will die Zahl der afghanischen Polizisten und Soldaten bis zum kommenden Jahr auf 300 000 anheben, damit diese die Kontrolle über die Sicherheit übernehmen können.

Brown unterstützte unterdessen den Plan der afghanischen Regierung, mit den islamistischen Taliban in Verhandlungen zu treten. „Um die Taliban zu schwächen, spaltet man sie und bietet denen, die bereit sind, der Gewalt abzuschwören und den demokratischen Weg einzuschlagen, einen Ausweg an“, sagte der Premier bei der Veranstaltung vor Studenten am Mittwochabend. Das Angebot für Gespräche gelte jedoch nur für gemäßigte Kämpfer.

Karsai versprach derweil neue Maßnahmen gegen die Korruption. Brown betonte, dass die „Gesetze stärker und die Strafen härter“ werden müssten.

Zu der eintägigen Konferenz in London am Donnerstag kommen Außenminister und Delegierte aus fast 70 Ländern sowie die Spitzen der Uno und Nato zusammen, um über die Zukunft Afghanistans zu beraten. Am Mittwochabend trafen sich die Teilnehmer schon bei einem Empfang von Prinz Charles im St. James's Palast.

Die Londoner Konferenz soll nach den Worten von Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Wende in den internationalen Bemühungen um das kriegsverheerte Land bringen. „Es soll ein neues Kapitel in der Afghanistan-Politik aufgeschlagen werden“, sagte Westerwelle kurz vor Beginn des Treffens in der britischen Hauptstadt.

Besonders wichtig seien die geplanten Hilfen für kriegsmüde Taliban. „Wir wollen für Mitläufer eine Brücke zurück in die friedliche Gesellschaft bauen“, betonte Westerwelle. Dabei gehe es um junge Männer, die für 200 Dollar kämpften, des Kämpfens müde seien und in ihre Dörfer zurückkehren wollten. Hartgesottene Terroristen seien dagegen nicht Ziel des Reintegrationsprogramms und damit auch nicht zu erreichen.

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