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05.12.2011

16:24 Uhr

Afghanistan-Konferenz

Viel Aufwand, wenig Ertrag

VonTill Hoppe

100 Delegationen, 1000 Teilnehmer: Die Afghanistan-Konferenz in Bonn ist eine Mammutveranstaltung. Konkrete Fortschritte wird sie voraussichtlich aber kaum bringen.

Vertreter von 100 Staaten und Organisationen sind am Montag zu der internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn zusammengekommen. Die rund 1.000 Konferenzteilnehmer beraten über die Zukunft des Landes. dapd

Vertreter von 100 Staaten und Organisationen sind am Montag zu der internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn zusammengekommen. Die rund 1.000 Konferenzteilnehmer beraten über die Zukunft des Landes.

BonnEs ist eine dieser Konferenzen, wo jeder zu Wort kommt, der das Bedürfnis dazu hat. Der jordanische Außenminister etwa streicht den Beitrag seines Landes zum Wiederaufbau Afghanistans heraus, der unter anderem daraus besteht, mehrere Religionsgelehrte zu schicken. Seine spanische Kollegin betont, dass 40 Ausbilder der Guardia Civil vor Ort ihr Wissen an afghanische Grenzpolizisten weitergäben. Zwischen den beiden Redebeiträgen meldet sich auch der estnische Außenminister zu Wort und betont, wie wichtig seinem Land die Stabilisierung Afghanistans sei.

100 Delegationen sind zur heutigen Afghanistan-Konferenz nach Bonn gereist, sie bringen 1000 Teilnehmer mit, darunter mehr als 60 Minister. Trotz der weltumspannenden Präsenz, trotz des riesigen Aufwandes, trotz des symbolträchtigen Termins fast exakt zehn Jahre nach der ersten Konferenz in Bonn: Echte Ergebnisse wird das Treffen wohl nicht bringen. Noch schreiben die Macher an der Abschlusserklärung, aber mehr als warme Worte für Afghanistan dürfte sie nicht enthalten. „Über symbolische Unterstützungserklärungen hinaus, die unter finanziellem Vorbehalt stehen, ist nichts Konkretes zu erwarten,“, sagt Thomas Ruttig vom Think Tank Afghanistan Analysts Network. Das wiederum ist weit weniger, als sich die Organisatoren und die Menschen in Afghanistan von dem Treffen einmal versprochen hatten.

Anschläge auf deutsche Soldaten

29. Mai 2003 - Mine am ISAF-Camp

Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.

7. Juni 2003 - Sprengstoff im Taxi

In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.

25. Juni 2005 - Sprengfalle in Tachar

In der Provinz Tachar bei Kundus kommen bei einer Entwaffnungsaktion im Distrikt Rustak zwei deutsche Soldaten ums Leben. Die Soldaten waren in eine Sprengfalle geraten.

14. November 2005 - Selbstmordattentäter

In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt.

19. Mai 2007 - Tod auf dem Markt

Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban- Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.

6. August 2008 - Selbstmordattentäter

Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Einer stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.

27. August 2008 - Sprengfalle

Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat stirbt, drei weitere werden verletzt.

20. Oktober 2008 - Selbstmordattentäter

Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die radikal-islamischen Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.

29. April 2009 - Hinterhalt

In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat kommt ums Leben, vier weitere werden verletzt.

23. Juni 2009 - Feuergefecht

Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie waren bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer umgekippt.

2. April 2010 - Schwere Gefechte

Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt werden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Acht weitere Deutsche werden schwer verletzt.

15. April 2010 - Ferngezündete Sprengfalle

Bei zwei Anschlägen nahe Baghlan fallen vier Bundeswehrsoldaten. Drei sterben in ihrem gepanzerten Fahrzeug „Eagle IV“ bei der Detonation einer ferngezündeten Sprengfalle. Ein Oberstabsarzt kommt ums Leben, als sein gepanzertes Sanitätsfahrzeug von Aufständischen beschossen wird.

7. Oktober 2010 - Selbstmordanschlag

Ein Selbstmordanschlag der Taliban reißt einen Bundeswehrsoldaten in den Tod. Sechs Soldaten werden verletzt, davon zwei schwer.

18. Februar 2011 - Blutbad im Norden

Bei einem Blutbad im Bundeswehr-Außenposten „OP North“ in der Provinz Baghlan tötet ein afghanischer Soldat zwei deutsche Bundeswehr-Angehörige. Es gab mehrere Schwerverletzte.

25. Mai 2011 - Sprengstoffanschlag auf Patrouille

Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in Afghanistan wird ein Bundeswehrsoldat getötet. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer werden verletzt. Der Anschlag ereignete sich in der Unruheprovinz Kundus.

28. Mai 2011 - Anschlag in Tachar

Bei einem Anschlag auf ein Treffen des Gouverneurs der Provinz Tachar unter anderem mit Bundeswehr-Soldaten werden mindestens zwei Deutsche getötet, nach afghanischen Angaben sogar drei. Der deutsche Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, General Markus Kneip, wird demnach verletzt.

Die Geberländer versichern, das Land auch nach dem Abzug der meisten Truppen nicht fallen zu lassen. „Afghanistan kann sich auch nach 2014 auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlassen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Konferenz. Mit solch wagen Zusicherungen müssen sich die Afghanen wohl zufriedengeben: Verbindliche Zusagen wird es nicht geben, konkrete Hilfssummen sollen erst auf späteren Konferenzen ausgehandelt werden.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai drängt die Partner dazu, die Regierung nach 2014 mit rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr zu unterstützen. Diese Summe sei nötig, um Sicherheitskräfte und Verwaltung zu finanzieren. Die Afghanen fürchten, dass der Westen angesichts seiner eigenen wirtschaftlichen Probleme und trotz gegensätzlicher Beteuerungen die Hilfe nach 2014 stark reduzieren wird. Deshalb drängt Kabul darauf, die Zusagen möglichst verbindlich zu machen.

Kommentare (10)

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05.12.2011, 16:47 Uhr

Eine Afghanistankonferenz ohne eine vernünftige Einbeziehung Irans wird niemals erfolgreich sein. Das haben schon einige Politiker gesagt, aber leider sind die anti-iranischen Lobbyisten in Deutschland und den USA zu stark um diese Realität eintzusehen. Wirklich schade, weil hier besteht ein gemeinsames Interesse zwischen dem Westen und Iran, nämlich Stabilität im Nachbarland/bzw. im besetzten Land. Vgl. dazu auch http://irananders.de/en/analytics/einzelnews-home/article/irans-vorschlaege-bei-der-afghanistan-konferenz.html

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05.12.2011, 16:47 Uhr

Eine Afghanistankonferenz ohne eine vernünftige Einbeziehung Irans wird niemals erfolgreich sein. Das haben schon einige Politiker gesagt, aber leider sind die anti-iranischen Lobbyisten in Deutschland und den USA zu stark um diese Realität eintzusehen. Wirklich schade, weil hier besteht ein gemeinsames Interesse zwischen dem Westen und Iran, nämlich Stabilität im Nachbarland/bzw. im besetzten Land. Vgl. dazu auch http://irananders.de/en/analytics/einzelnews-home/article/irans-vorschlaege-bei-der-afghanistan-konferenz.html

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05.12.2011, 17:29 Uhr

Eine grauenhafte Zeit-, Geld- und Blutverschwendung war dieses Unternehmen von vornherein. Afghanistan hatte mit dem 11. September nachweislich überhaupt nichts zu tun und die Al-Qaida-Schergen genossen eh höhere Protektion. Natürlich wäre eine stärkere Einbeziehung des Iran klug, aber das kollidierte dann mit den Interessen des Pentagon und den westlichen Rüstungsindustrieen an einträglichen Milliardenumsätzen.

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