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28.01.2010

13:10 Uhr

Afghanistan-Konferenz

„Wir werden die Extremisten besiegen“

Im Bemühen um eine Wende in Afghanistan reicht die internationale Gemeinschaft kriegsmüden Mitläufern der Taliban die Hand zur Versöhnung. Wer der Gewalt abschwöre, solle wirtschaftliche Hilfe auf dem Weg zurück in ein normales Leben bekommen, kündigte der britische Premierminister Gordon Brown zum Auftakt der internationalen Afghanistan-Konferenz an.

Gruppenbild zum Auftakt der internationalen Afghanistan-Konferenz. ap

Gruppenbild zum Auftakt der internationalen Afghanistan-Konferenz.

HB LONDON. Die Mittel dafür sollen laut Brown aus einem Reintegrationsfonds kommen. Die Aufständischen aber, die sich der Aussöhnung verweigerten, würden weiter vom Militär verfolgt. Dies gelte besonders für Anhänger der Extremistenorganisation El-Kaida. An der Konferenz in London nehmen Minister aus 60 Staaten teil.

„Wir werden sie besiegen – nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen“, drohte Brown. Im Bemühen um die Stabilisierung Afghanistans stehe die Welt am Scheidepunkt, die Zeit werde knapp. „Bis Mitte 2011 müssen wir das Blatt wenden im Kampf gegen die Aufständischen“, betonte Brown. Dazu sei eine massive Aufstockung der Nato-Truppen, aber auch eine ebenso massive Aufstockung der zivilen Wiederaufbau-Hilfe nötig.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warb in London dafür, mit dem Reintegrationsprogramm ein neues Kapital in den Bemühungen um das kriegsverheerte Land aufzuschlagen. „Wir wollen für Mitläufer eine Brücke zurück in die friedliche Gesellschaft bauen“, betonte er. Dabei gehe es um junge Männer, die für 200 Dollar die Waffe in die Hand nähmen, des Kämpfens müde seien und in ihre Dörfer zurückkehren wollten – nicht um hartgesottene Terroristen. Die neue Strategie der internationalen Gemeinschaft sei zwar keine Garantie auf Erfolg. „Aber nur so weitermachen wie bisher ist garantiert erfolglos“, ergänzte Westerwelle.

Brown begrüßte die Ankündigung der Bundesregierung, bis zu 850 weitere Soldaten an den Hindukusch zu schicken und die zivilen Hilfsgelder auf 430 Millionen Euro im Jahr nahezu zu verdoppeln. Hauptaufgabe der Bundeswehr soll künftig die Ausbildung der afghanischen Armee und der Schutz der Bevölkerung sein. Dazu werden deutsche Kampfverbände im Norden Afghanistans aufgelöst und die freiwerdenden Soldaten Einheiten der afghanischen Armee als Ausbilder an die Seite gestellt. Die ersten Bundeswehr-Soldaten sollen bereits 2011 abziehen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai appellierte an Saudi-Arabien, im Friedensprozess eine wichtige Rolle zu spielen. Er werde eine Loja Dschirga einberufen, einen Ältestenrat, der darüber beraten solle, wie eine Aussöhnung in Afghanistan aussehen könne, kündigte Karsai in London an. Er hoffe, dass der saudische König Abdullah sich dabei stark einbringen werde. Karsai bat außerdem die Nachbarstaaten, besonders Pakistan, die Aussöhnungsbemühungen zu unterstützen.

Das streng islamische Saudi-Arabien unterhält enge Beziehungen zu dem politisch instabilen Pakistan, das gegen eine zunehmende religiöse Radikalisierung kämpft. Über die praktisch unkontrollierbaren gebirgigen Grenzgebiete sickern immer wieder Taliban von Pakistan aus ins benachbarte Afghanistan ein. In der Vergangenheit hatte Saudi-Arabien nach Angaben aus Diplomatenkreisen informelle Verhandlungen mit Taliban-Vertretern organisiert. Saudi-Arabien und Pakistan waren zwei der drei Länder, die die Taliban-Regierung in Afghanistan vor ihrem Sturz durch US-Truppen 2001 anerkannt hatten.

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