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19.02.2013

10:28 Uhr

Afghanistan-Krieg

Erstmals seit 2007 weniger tote Zivilisten

2754 Zivilisten wurden im vergangenen Jahr in Afghanistan getötet. Damit ist erstmals seit Beginn der Erhebung die Zahl der Opfer zurückgegangen. Für mehr als 80 Prozent seien die Taliban verantwortlich.

Ein Kind spielt in Afghanistan auf einem Wrack eines Sowjet-Panzers. Die Zahl der toten Zivilisten ist erstmals zurückgegangen. ap

Ein Kind spielt in Afghanistan auf einem Wrack eines Sowjet-Panzers. Die Zahl der toten Zivilisten ist erstmals zurückgegangen.

KabulDie Zahl der zivilen Opfer im Afghanistan-Krieg ist erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007 zurückgegangen. 2754 Zivilisten seien im vergangenen Jahr getötet worden, zwölf Prozent weniger als im Vorjahr, teilte die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) am Dienstag in Kabul mit. Die Zahl der Verletzten habe „marginal“ auf 4805 zugenommen. Aufständische wie die Taliban seien für 81 Prozent der getöteten und verletzten Zivilisten verantwortlich gewesen, Nato-geführte Truppen und afghanische Sicherheitskräfte für acht Prozent. Die verbliebenen elf Prozent hätten keiner Konfliktpartei zugeordnet werden können.

Um „atemberaubende 700 Prozent“ zugenommen habe die Zahl der Opfer bei gezielten Angriffen Aufständischer auf zivile Regierungsmitarbeiter, hieß es im Jahresbericht 2012 von Unama zu zivilen Opfern im Konflikt in Afghanistan. Im abgelaufenen Jahr seien 107 von ihnen getötet und 148 weitere verletzt worden. Um 20 Prozent zugenommen habe im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten und verletzten Frauen und Mädchen. 301 Frauen und Mädchen seien getötet worden, weitere 563 seien verletzt worden.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Der Rückgang der insgesamt getöteten Zivilisten im vergangenen Jahr sei „sehr begrüßenswert“, teilte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Jan Kubis, mit. „Dennoch bleiben die Kosten an Menschenleben in dem Konflikt nicht hinnehmbar.“ Seit Beginn der Erhebung 2007 kostete die anhaltende Gewalt in Afghanistan nach UN-Angaben 14 728 Zivilisten das Leben.

Von

dpa

Kommentare (1)

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19.02.2013, 13:39 Uhr

Soviel Tod und Leid - das ist es was der Westen bringt.

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