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07.02.2017

16:53 Uhr

Afghanistan

Mindestens 22 Tote bei Anschlag vor Gericht in Kabul

Vor dem Obersten Gerichtshof in Afghanistan ist es zu einem Selbstmordanschlag gekommen. Mindestens 22 Menschen wurden getötet, 41 verletzt. Alle Opfer sind wohl Zivilisten.

Die radikalislamischen Taliban greifen seit Jahren regelmäßig Gerichte und ihre Mitarbeiter an. AFP; Files; Francois Guillot

Selbstmordanschlag in Kabul

Die radikalislamischen Taliban greifen seit Jahren regelmäßig Gerichte und ihre Mitarbeiter an.

KabulBei einem Selbstmordanschlag vor dem Obersten Gerichtshof Afghanistans sind in der Hauptstadt Kabul mindestens 22 Menschen getötet und 41 verletzt worden. Unter den Todesopfern seien neun Frauen, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahid Madschroh, am Dienstagabend (Ortszeit). Auch der Angreifer sei ums Leben gekommen. Unter den 41 Verletzten sollen neun Frauen und zwei kleine Mädchen sein.

Die Trauma-Klinik der italienischen Nichtregierungsorganisation Emergency meldete, bei ihnen seien fünf Menschen in kritischer Verfassung eingeliefert worden.

Der Täter sei zu Fuß gewesen und habe seine Sprengladung auf einem Parkplatz vor dem Gericht gezündet, sagte ein Sprecher der Polizei, Basir Mudschahid. Dort parkten Anwohner eines nahen Wohnblocks und Angestellte des Gerichts. Der Mann habe jene Zeit abgepasst, zu der Besucher und Angestellte nach Hause gehen wollten. Alle Opfer seien Zivilisten.

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Ein Passant, Abdul Dschamil Miachel, erzählte, er habe gerade seinen Sohn zum Arzt gebracht und in einer Apotheke nahe dem Gericht gewartet, als es einen sehr lauten Knall gegeben habe. „Die Wände haben gewackelt und alle Medikamente sind auf den Boden gefallen“, sagte Miachel. Menschen seien panisch aus Geschäften gestürzt und die Straße hinuntergerannt.

Bisher hat sich keine Extremistengruppe zu der Tat bekannt. Die radikalislamischen Taliban greifen seit Jahren Gerichte und ihre Mitarbeiter an. Sie wollen, dass in Afghanistan ausschließlich das islamische Scharia-Gesetz gilt.

In dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der Vereinten Nationen zu zivilen Opfern des afghanischen Krieges heißt es, dass die Taliban im vergangenen Jahr 16 Angriffe auf Richter, Anwälte, Mitarbeiter der Justiz und Gerichte für sich reklamiert hätten. Insgesamt seien 2016 mehr Zivilisten getötet oder verletzt worden als je zuvor, seit die UN 2009 begonnen hatten zu zählen.

In dem 111-seitigen Bericht machen die UN auch auf den Anstieg der vor allem von Islamisten verübten Selbstmordanschläge im Land aufmerksam. Die hätten 2016 außerdem eine Rekordzahl von Menschen getötet oder verletzt: 1963 Afghanen - sieben Prozent mehr als 2015.

Drei Viertel aller Opfer gab es in der Hauptstadt Kabul. Allein dort wurden in 16 Anschlägen 1514 Zivilisten getötet oder verletzt. Das ist ein Anstieg um 75 Prozent innerhalb eines Jahres.

Die UN machten die radikalislamischen Taliban für mindestens 61 Prozent aller zivilen Opfer verantwortlich. Die hatten den Jahresbericht am Montag als unfair und falsch zurückgewiesen. Erst Mitte Januar hatten sie in Kabul bei einem Anschlag vor dem Parlament mindestens 37 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den neuen Anschlag in Kabul als „unmenschlich und unverzeihlich“. Von der Nato-Mission Resolute Support hieß es, jeder, der die Säulen der Regierung zu destabilisieren suche, sei ein Feind Afghanistans.

Von

dpa

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