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25.01.2010

14:49 Uhr

Afghanistan-Politik

Warum Deutschland an Glaubwürdigkeit verliert

VonMartin Gerner

Mit vielen Hundert Millionen Dollar will die internationale Staatengemeinschaft die Taliban in Afghanistan dazu bringen, dem Terror abzuschwören. Es ist der Versuch, alte Versäumnisse wettzumachen. Eine Reise durch das geschundene Land zeigt, dass die Helfer viel Vertrauen verloren haben - auch die Deutschen.

Land im Ausnahmezustand: Explosion einer Autobombe in Kabul. ap

Land im Ausnahmezustand: Explosion einer Autobombe in Kabul.

KUNDUS. Der dichte schwarze Rauch hat sich verflüchtigt, ein verkohltes Gerippe, das ist übrig. Ein verkohltes Gerippe dessen, was einmal das Einkaufszentrum in der Nähe des Präsidentenpalastes war, und Angst.

Aref hat jetzt eine Schusswaffe im Haus, für alle Fälle. Aref, 26 Jahre alt und Student der Politikwissenschaften wohnt direkt neben dem Parlament, auf der anderen Seite der Stadt. "Allein der Gedanke, dass hier einer von denen über die Hausmauer kommen könnte ..." Er konnte nicht schlafen in der Nacht nach diesem Anschlag, die Polizei war mit gepanzerten Fahrzeugen angerückt, sie hatte große Suchlichter in Stellung gebracht. Ihr grelles Licht hatte seine Wohnung erhellt, obwohl er im zweiten Stock wohnt. Es habe Gerüchte gegeben, die Attentäter wollten auch das Parlament angreifen.

Eine Serie von Bomben. Sie zerstörten Ministerien, die afghanische Zentralbank, Einkaufszentren. Unweit des Präsidentenpalasts gelang es den Terroristen, einen gekaperten Sanitätswagen durch die Absperrungen zu steuern, bevor er explodierte.

"Dies", sagt Aref, "war ein klares Zeichen der Taliban. Ich denke, es wird das internationale Militär bestärken, mit Waffengewalt vorzugehen statt mit einer Sprache der fragwürdigen Kompromisse." Der afghanische Sicherheitsapparat hat die sieben mutmaßlichen Attentäter gestellt, ohne internationale Hilfe. Doch wie, fragt sich Aref, konnten die Attentäter mit ihren Fahrzeugen unbemerkt ins Herz der Macht gelangen?

Die Anschläge sind ein Signal. Die Staatschefs der westlichen Welt treffen sich ab Donnerstag in London zur Afghanistan-Konferenz. Die Taliban, das sollen die Bomben sagen, wollen mitbestimmen, wie die Zukunft Afghanistans aussieht.

Die internationale Staatengemeinschaft hat verstanden, dass sie ohne Gespräche, wenigstens mit moderaten Taliban, nichts ausrichten wird. Sie will ein Aussteigerprogramm auflegen, für Hunderte Millionen US-Dollar. Denn viele der 35 000 Kämpfer, an die sich der Plan richtet, sind nicht aus fanatischer Überzeugung zu den Extremisten gestoßen. Oft sind es Arbeitslose ohne Perspektive, die den Versprechen erliegen, schnelles Geld zu verdienen. Vor allem ihnen gelten die Angebote, die die Staatschefs machen wollen, um sie in die afghanische Gesellschaft zurückzuholen. Mit juristischer Milde, vor allem aber mit Ausbildung und Jobs.

Der Versuch kommt spät. Seit einiger Zeit kritisieren namhafte Experten und Diplomaten, dass es schon vor acht Jahren auf der Petersberger Konferenz ein Fehler gewesen sei, moderate Taliban nicht in die Pläne zum Wiederaufbau des Landes einzubinden.

Kommentare (1)

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Erwin G.

25.01.2010, 16:51 Uhr

Muss man über so einen Schwachsinn auch noch einen Artikel schreiben ?
ich stehe nicht hinter den korruptn Schwachköpfen - genannt "unsere Regierung"

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