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01.10.2015

07:05 Uhr

Afghanistan

Regierung meldet Rückeroberung von Kundus

Spezialkräfte haben die Islamisten aus Kundus in Afghanistan vertrieben. Bewohner berichten von Bombardements in der Nacht. Die Regierung erklärt, die Stadt werde nun von „Terroristen gereinigt“.

Afghanischer Soldat im Einsatz bei Kundus. dpa

Kundus

Afghanischer Soldat im Einsatz bei Kundus.

KabulDie afghanische Armee hat nach Angaben von Regierungsvertretern die Stadt Kundus von den radikalislamischen Taliban zurückerobert. Die nordafghanische Provinzhauptstadt sei bei einem „Spezialeinsatz“ in der Nacht zum Donnerstag befreit worden, erklärte Vize-Innenminister Ajub Salangi. Bewohner von Kundus berichteten, in einigen Stadtteilen werde noch gekämpft. Der Fall von Kundus am Montag hatte ein Schlaglicht auf die instabile Sicherheitslage in Afghanistan geworfen.

„Spezialkräfte kontrollieren jetzt die Stadt Kundus“, schrieb der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sedik Sedikki, im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Taliban hätten bei den heftigen nächtlichen Kämpfen „schwere Verluste erlitten“. Nun werde Kundus von „Terroristen gereinigt“, schrieb der Sprecher.

Mehrere Bewohner der Stadt sagten der Nachrichtenagentur AFP, in der Nacht habe es Bombardements gegeben. Im Zentrum der Stadt seien nun afghanische Soldaten zu sehen. Auf den Straßen lägen Leichen von Taliban-Kämpfern. Afghanische Soldaten hätten die Taliban-Flagge durch die offizielle afghanische Flagge ersetzt. In manchen Teilen der Stadt werde allerdings noch gekämpft, berichteten die Bewohner.

Die radikalislamischen Taliban hatten Kundus am Montag mit etwa 2000 Kämpfern eingenommen, dabei stießen sie kaum auf Gegenwehr. Am folgenden Tag startete die Armee eine Gegenoffensive. Am Mittwoch bekam sie Unterstützung von der Nato. Spezialkräfte trafen nach Angaben des westlichen Militärbündnisses in Kundus ein, um die Regierungstruppen zu beraten. Eigene Verstärkung für die afghanische Armee traf nur langsam in Kundus ein. Die Taliban hätten Landminen und Sprengfallen um Kundus versteckt, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte zur Begründung.

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Nach Angaben von Sicherheitsvertretern hatten die Taliban Kundus während des muslimischen Opferfests Eid al-Adha langsam infiltriert und dann einen Überraschungsangriff von innen heraus gestartet. So hätten die Taliban Kundus am Montag binnen weniger Stunden einnehmen können. Die Offensive der Islamisten hatte nach UN-Angaben bis zu 6000 Zivilisten in die Flucht getrieben.

Die Taliban hatten bei ihrem Einfall in Kundus hunderte Häftlinge befreit, Regierungs- und Mediengebäude in Brand gesetzt und ihre Flaggen gehisst. Sie erbeuteten Panzer und andere Fahrzeuge, riefen "Allahu Akbar" und erklärten die Einführung des islamischen Scharia-Rechts, wie in Videoaufnahmen zu sehen war. Die Einnahme von Kundus war der erste derartige Erfolg der Taliban seit ihrer Entmachtung im Jahr 2001.

Dieser militärische Erfolg der Taliban in Kundus sowie in benachbarten Provinzen machte das Erstarken der islamistischen Aufständischen im Norden Afghanistans deutlich. Es verstärkte die Zweifel an der Fähigkeit der Armee und der Polizei des Landes, selbst für Sicherheit zu sorgen. Auch das Vorhaben der USA, nächstes Jahr fast alle ihre verbliebenen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, wurde erneut in Zweifel gezogen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekräftigte am Mittwoch ihre Forderung, den Abzug der internationalen Truppen von der Sicherheitslage abhängig zu machen. Sie wolle dabei „nicht um wenige Wochen und Monate feilschen“. Rund 13.000 ausländische Soldaten sind nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan Ende vergangenen Jahres weiterhin vor Ort, um die einheimischen Streitkräfte zu beraten und auszubilden. Dazu zählen auch Bundeswehr-Soldaten.

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