Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2012

10:06 Uhr

Afghanistan

Schwere Ausschreitungen nach Koran-Verbrennung

Wütende Demonstranten greifen Soldaten an, die Isaf-Truppe antwortet mit Gummigeschossen: Verbrannte Ausgaben des Korans im Mülleimer eines US-Stützpunktes haben in Afghanistan zu gewalttätigen Protesten geführt.

Die Wut der Afghanen

Video: Die Wut der Afghanen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

KabulNach der Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram ist es am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu schweren Ausschreitungen gekommen. Wütende Demonstranten setzten nach Angaben der Polizei Fahrzeuge in Brand und griffen Geschäfte an. Hunderte Afghanen lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Bei Schüssen auf die Demonstranten wurden mindestens drei Menschen verletzt.

Auch in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad gab es Proteste gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben. Rund tausend Studenten blockierten dort eine Hauptstraße. Bereits am Dienstag hatten tausende Afghanen den Stützpunkt Bagram attackiert, nachdem bekanntgeworden war, dass dort US-Soldaten Ausgaben des Koran verbrannt hatten. Auch in Kabul hatte es eine Demonstration gegeben.

Der Oberkommandeur der Nato-geführten Afghanistantruppe Isaf, General John Allen, hatte sich am Dienstag für den „unangemessenen“ Umgang mit islamischem religiösen Material, darunter Koran-Ausgaben, entschuldigt, ohne genauere Angaben zu den Vorgängen zu machen. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich für den „höchst bedauerlichen Zwischenfall“.

Am Dienstagabend räumte John Allen dann ein, dass „irrtümlich“ Ausgaben des Koran verbrannt worden waren. Nach Angaben von US-Vertretern hatte der Verdacht bestanden, dass Häftlinge in dem umstrittenen Gefängnis auf dem Stützpunkt sich Nachrichten in die Koran-Ausgaben geschrieben hatten. Die Isaf machte keine Angaben, warum religiöse Schriften wie der Koran auf der Basis lagerten.

Wütende Protesten nach dem Fund von verbrannten Ausgaben des Koran. AFP

Wütende Protesten nach dem Fund von verbrannten Ausgaben des Koran.

Allen kündigte eine umfassende Untersuchung an. Zudem verpflichtete der Isaf-Kommandeur alle Soldaten dazu, spätestens bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösem Material wie dem Koran teilzunehmen. Die Schulung der Soldaten werde die Erkennung, Bedeutung, Lagerung und den korrekten Umgang mit religiösem Material umfassen.

Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN- Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.

Die Isaf teilte in der Nacht zu Mittwoch mit, am Dienstag seien drei ihrer Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag in Südafghanistan getötet worden. Nähere Angaben machte die Nato-Schutztruppe wie üblich nicht.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.02.2012, 10:14 Uhr

Diese Menschen sind mit ihrem Bewusstseinsstand im Mittelalter verortet, was auch immer dazu geführt haben mag. Sie können sehr freundlich und zuvorkommend sein, oder auch durch einen entsprechenden Schlüsselreiz (Entsorgung von Altpapier) geneigt sein dem Müllmann den Kopf abzuschneiden.

Account gelöscht!

22.02.2012, 10:55 Uhr

Wie würde ein Amis oder ein sehr gläubiger Christ reagieren wenn eine Bibel verbrannt würde?

Arno_Nuehm

22.02.2012, 11:46 Uhr

Ausrangierte Bücher kommen in den Müll, was mit dem passiert interessiert denjenigen, der sie dort reinschmeißt normalerweise nicht. Müll wird irgendwann verbrannt, was da drin ist, interessiert den, der das macht normalerweise nicht.
Von daher ein verständlicher Vorfall. Es gab eine entschuldigung, damit sollte es eigentlich gut sein. Eigentlich...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×