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17.02.2016

16:57 Uhr

Afghanistan

Taliban rekrutieren immer mehr Kinder

Sechsjährige werden indoktriniert, 13-Jährige müssen Bomben legen: Nach einem Bericht von Human Rights Watch benutzten die afghanischen Taliban zunehmend Kinder für ihren Kampf.

Die Taliban sollen immer mehr Kinder für ihren Kampf missbrauchen. dpa

Afghanistan

Die Taliban sollen immer mehr Kinder für ihren Kampf missbrauchen.

KabulDie Taliban schicken zunehmend Kinder in den afghanischen Krieg. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor. Allein im umkämpften Bezirk Tschardara der Nordprovinz Kundus seien 2015 mindestens 100 Kinder rekrutiert und als Kämpfer missbraucht worden. Die Zahlen seien vor allem nach Beginn der großen Nord-Offensive der Taliban ab April 2015 angestiegen.

In Kundus war bis vor zwei Jahren noch die Bundeswehr stationiert. Im September hatten die Taliban die gleichnamige Provinzhauptstadt für fast zwei Wochen eingenommen. Sie kontrollieren immer noch weite Teile der Provinz. Kundus war ein Schwerpunkt der Recherchen der Menschenrechtsorganisation.

Dort benutzten die Aufständischen zunehmend Religionsschulen für das militärische Training von Kindern, heißt es im Bericht. Sie lernten, mit Waffen umzugehen, Bomben zu bauen und zu legen. Vor allem arme Familien schickten Kinder in diese Schulen, weil sie die Ausgaben für Essen und Kleidung übernähmen. Die Indoktrinierung beginne bei Sechsjährigen. Die meisten Kindersoldaten seien 13 bis 17 Jahre alt.

Die UN-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Leila Zerrougui, sagte laut Medien, es gebe aber auch Berichte, wonach die Taliban in Kundus schon Zehnjährige in den Kampf geschickt hätten.

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Die Taliban lehnten den Bericht als „Propaganda“ ab. HRW lege keine Beweise vor. Laut Artikel 69 des Regelbuchs der Taliban, der Layha, dürften „jene ohne Bart wegen zu junger Jahre“ nicht in Militärcamps sein, für Dschihad-Arbeit benutzt werden oder bei Kämpfern leben.

Übersetzungen des Regelbuchs durch das Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network und das Internationale Rote Kreuz sehen in einem entscheidenden Detail anders aus: Hier fehlt die Behauptung, Kinder könnten nicht für Jihad-Arbeit benutzt werden. Nach Ansicht von Talibanforschern erlauben die Taliban theoretisch Kindern schon ab dem 14. Lebensjahr in nicht Kampf-bezogenen Rollen zu helfen.

Die Rekrutierung von Kindern ist nach internationalem Recht verboten. Die Zahl der Kinder, die dem Krieg in Afghanistan zum Opfer fallen, ist 2015 um 14 Prozent gestiegen, heißt es im neuen UN-Bericht zu zivilen Opfern. Jeder vierte Tote oder Verletzte sei ein Kind.

Von

dpa

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