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28.09.2015

20:04 Uhr

Afghanistan

Taliban übernehmen Kundus-Stadt

Die nordafghanische Stadt Kundus ist in die Hände der radikalislamischen Taliban gefallen – zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr. Die Regierungstruppen bereiten nun eine Offensive am Flughafen von Kundus vor.

Kurz nach dem Einmarsch der Taliban: Die radikalislamischen Kämpfer fahren Patrouille durch die Stadt Kundus. dpa

Kundus

Kurz nach dem Einmarsch der Taliban: Die radikalislamischen Kämpfer fahren Patrouille durch die Stadt Kundus.

Kabul/KundusZwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr aus Kundus haben die radikalislamischen Taliban die nordafghanische Provinzhauptstadt erobert. „Die Stadt ist unglücklicherweise an die Taliban gefallen“, sagte der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sedik Sedikki, am Montagabend in Kabul. „Die Regierungstruppen bereiten eine Offensive am Flughafen (Kundus) vor.“

Sedikki sagte weiter: „Verstärkung ist eingetroffen. Wir versuchen, die Stadt zurückzuerobern. Im Moment können wir keine Opferzahlen bestätigen.“ Der Flughafen ist noch unter Kontrolle der Regierung.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte mit: „Nach der Eroberung des Polizei-Hauptquartiers und des Gouverneursgebäudes ist nun ganz Kundus als erste Hauptstadt einer Provinz unter unserer Kontrolle.“

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Ein Taliban-Kommandeur in Kundus-Stadt namens Mullah Usman sagte: „Unsere Kämpfer bewegen sich nun in Richtung des Flughafen-Hügels vor, wo sich der Feind versteckt.“ Die Taliban hätten den Sitz des Gouverneurs, das Gebäude des Provinzrats und eine Radiostation in Brand gesetzt.

Vizegouverneur Hamdullah Daneschi wurde nach Berichten von Augenzeugen zum Flughafen gebracht, wohin viele der rund 300 000 Bewohner der Stadt geflohen waren. Dort unterhalten die afghanischen Sicherheitskräfte Stützpunkte.

Der Gouverneur hielt sich bereits vor dem Angriff der Taliban im Ausland auf. Die Taliban hatten am Montagmorgen mit dem Sturm auf die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz begonnen.

Von

dpa

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