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18.04.2011

15:50 Uhr

Afghanistan

Terroranschlag auf Verteidigungsministerium in Kabul

Ein Selbstmordattentäter in afghanischer Armeeuniform hat zwei Soldaten im Verteidigungsministerium erschossen. Die Taliban bekannten sich zu der Tat - ist sie der Vorbote einer blutigen Frühjahrsoffensive?

Tote bei Angriff in Afghanistan

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Kabul Ein Selbstmordattentäter hat bei einem Angriff auf das afghanische Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Kabul zwei Soldaten erschossen. Mindestens sieben weitere Armeeangehörige seien verletzt worden, als der Mann am Montag in dem Gebäude das Feuer eröffnete, sagte Ministeriumssprecher Sahir Asimi. Wenig später sei der Täter, der auch mit einer Sprengstoffweste bewaffnet gewesen sei, getötet worden. Offenbar wollte der Angreifer sich auch selbst in die Luft sprengen und so noch mehr Unheil anrichten. Die Sprengstoffweste explodierte nicht. Die Lage sei unter Kontrolle.

Zunächst war unklar, ob der Attentäter ein Mitglied der Streitkräfte war oder ob er als Soldat verkleidet durch die Sicherheitskontrollen des Ministeriums kommen konnte. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es schwierig zu sagen, ob er ein Eindringling oder ein echter Soldat war“, sagte Asimi. Um das herauszufinden sei eine Untersuchung nötig. Sicher sei nur, dass er eine Uniform der afghanischen Streitkräfte getragen habe.

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat. Ein Sprecher sagte, der Attentäter sei Offizier gewesen und habe im Auftrag der Aufständischen gehandelt. Ziel des Angriffs sei ein geplantes Treffen gewesen, an dem Frankreichs Verteidigungsminister Gerard Longuet teilnehmen sollte. Longuet hält sich derzeit in Afghanistan auf: Nach offiziellen Angaben hatte er am Sonntag Gespräche mit seinem afghanischen Amtskollegen geführt. Er habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch nicht in dem Gebäude befunden, teilte die französische Botschaft mit, ohne sich weiter zum Terminplan des Ministers zu äußern.

Der Sprecher des Verteidiungsministeriums, General Mohammed Sahir Asimi, machte noch keine Angaben über die Anzahl der Toten. Quelle: dpa

Der Sprecher des Verteidiungsministeriums, General Mohammed Sahir Asimi, machte noch keine Angaben über die Anzahl der Toten.

Der afghanische Sender Tolo TV hatte zunächst unter Berufung auf Sicherheitskreise von mehreren Attentätern berichtet, von denen sich mindestens einer in die Luft gesprengt habe. Unter den Verletzten sei einer der Leibwächter von Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak gewesen.

Der Überfall in Kabul wurde nach Angaben des Ministeriumssprechers von einem Mann in afghanischer Armeeuniform verübt. Der Angriff belegt, dass die Taliban trotz des erhöhten militärischen Drucks auf sie immer noch in der Lage sind, selbst im Herzen der Hauptstadt zuzuschlagen. Für Afghanistans Armee kommt er einem psychologischen Tiefschlag gleich. In wenigen Monaten soll die Verantwortung für die Sicherheit am Hindukusch schrittweise von den internationalen Truppen an die afghanischen abgegeben werden. Kritiker bezweifeln, dass die Armee Herr der Lage sein kann.

Es war bereits der dritte tödliche Anschlag in einer afghanischen oder internationalen Einrichtung in vier Tagen. Damit erhalten Warnungen vor einer besonders blutigen Frühjahrsoffensive der Taliban neues Gewicht.

Zuletzt waren immer wieder Anschläge von Tätern verübt worden, die sich als afghanische Soldaten getarnt hatten. Erst am Samstag hatte ein Selbstmordattentäter in Uniform in einem Armeestützpunkt in der östlichen Provinz Laghman neun Menschen mit in den Tod gerissen, darunter fünf Nato-Soldaten. Am Freitag war der Polizeichef von Kandahar von einem uniformierten Angreifer getötet worden. Bei einer gewalttätigen Kundgebung in der Provinz Parwan westlich von Kabul wurden unterdessen drei Demonstranten von afghanischen Polizisten erschossen. 25 weitere seien verletz worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Der Protest habe sich gegen Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf gerichtet, die am Vortag vorübergehend drei muslimische Geistliche festgenommen hatten.

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