Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2015

16:45 Uhr

Afghanistan

Umstrittener Polizeichef kämpft gegen Taliban

Mit fragwürdigen Methoden geht der Polizeichef von Kandahar gegen die Taliban in seiner Provinz vor. Abdul Rasik ist hoch umstritten – viele Afghanen unterstützen ihn dennoch, weil er Sicherheit bringt.

Der örtliche Polizeikommandeur Sadikulla vor einem Poster von Polizeichef Abdul Rasik im Bezirk Sari der Provinz Kandahar, Afghanistan. Sari war noch im vergangenen Jahr unter Taliban-Kontrolle. dpa

Chef in Kandahar

Der örtliche Polizeikommandeur Sadikulla vor einem Poster von Polizeichef Abdul Rasik im Bezirk Sari der Provinz Kandahar, Afghanistan. Sari war noch im vergangenen Jahr unter Taliban-Kontrolle.

KandaharDie südafghanische Provinz Kandahar war einst die unbestrittene Hochburg der Taliban. Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt vor allem an Polizeichef Abdul Rasik, der von der Provinzhauptstadt Kandahar aus herrscht. Er hält die Gegend mit einem Netzwerk von Spitzeln und Stammeskontakten, mit fragwürdigen Geldquellen und brutalen Methoden unter Kontrolle.

Sogar die Taliban erkennen widerwillig seine Macht an. „Wenn Rasik tot ist, brennen wir die Stadt nieder“, sagt ein Taliban-Anführer namens Abdullah Rasak. Schon 19 Mal seien die Taliban dabei gescheitert, Rasik zu töten.

Der Polizeichef hat sogar in dem Dorf für Sicherheit gesorgt, in dem der inzwischen verstorbene Taliban-Gründer Mullah Mohammad Omar einst als Madrasa-Lehrer arbeitete. „Die Sicherheitslage hier ist gut. Es gibt keine Taliban. Die afghanische Polizei hat ihnen im letzen Jahr das Rückgrat gebrochen“, sagt Mohammad Haschem (44), der schon in dem Dorf lebte, als Mullah Omar dort Mitte der 1990er Jahre unterrichtete.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Die Veränderungen in der Provinz sind auch der engen Zusammenarbeit von Stammesältesten und Klan-Chefs zu verdanken - eine Initiative, die auf Rasik zurückgeht. Der Bezirk Sari war noch im vergangenen Jahr unter Taliban-Kontrolle, sagt der örtliche Polizeikommandeur Sadikulla. „Heute haben wir Informanten im gesamten Bezirk. Sie sagen uns, wenn sie Taliban oder einen Fremden in ihrem Dorf sehen.“

Sadikulla sagt, acht der 17 Bezirke in der Provinz seien sicher, in acht weiteren sei die Sicherheitslage noch problematisch. Ein Bezirk, Gorak, werde von den Taliban kontrolliert. Taliban-Anführer Rasak räumt ein, seine Kämpfer operierten lieber in den Nachbarprovinzen Helmand und Urusgan, weil Kandahar für viele als verloren gelte.

„Rasik befiehlt seinen Leuten, Taliban zu töten und ihre Sympathisanten festzunehmen“, sagt der Taliban-Anführer. „Er ist (vom Unterstamm der) Adosai, ich bin Gabisai. Rasik ist gut darin, diese Stammeskontakte auszunutzen. Viele Adosai-Geschäftsleute liefern ihm Informationen. Dafür schützt er ihre wirtschaftlichen Interessen.“

Bis 2011 war Rasik Kommandeur der Grenzpolizei im Bezirk Spin Boldak. Aus seinem Umfeld heißt es, er habe in der Region an der Grenze zu Pakistan immer noch viel Einfluss - und erhalte täglich tausende Dollar für seine Kriegskasse, mit der er sein Spitzelnetz finanzieren soll.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

10.08.2015, 20:30 Uhr

Sind unsere Politiker etwa seine Gegner, wo der Islam doch so friedlich und menschenfreundlich ist? Man sehe nur die tägliche Meldungen über den Islam, wie er Frieden in den islamischen Länder, wie nur als Beispiel: Syrien, Yemen, Sudan usw. bringt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×